Mittwoch, 25. Januar 2012

Die Kodak No. 1

Dass ich und andere auch mit Kameras unterwegs sind, die weitaus älter sind als wir, also bei mir zumindest, das ist ja kein Geheimnis. Eine Hasselblad oder Kiev aus den 60ern, das sieht man häufig, eine Graflex Speed Graphic wird auch nicht unwesentlich jünger oder älter sein, und ab und zu sieht man ein paar ganz verwegene mit einer Agfabox aus den 30ern durch die Gegend ziehen. Aber gehen wird doch noch ein paar Jahre weiter zurück, zu den wirklichen Anfängen.

Darf ich vorstellen? Die Kodak No. 1, gebaut und verkauft zwischen 1888 und 1895 und zeitgleich die erste Kamera, die George Eastman unter dem Namen Kodak vermarktete, und die nach eigener Aussage die erste Kamera dieser Art ist und Amateurfotografie erst so richtig populär machte – wobei sich da wohl die Geister etwas scheiden. Na sei’s drum. Eigentlich ging es Eastman mit der Kamera eh mehr darum, seinen Film denn die Kamera zu vermarkten…

Die Kamera selbst war nichts weiter als eine lederüberzogene Box aus Holz. Ein Foto war schnell gemacht: mit einem Schlüsseldreh wurde der Film weitergespult, mit der Schnur der Verschluss gespannt und mit dem Auslöser der Moment festgehalten. Das wars. Es gab nicht mal einen Sucher, die Kamera wurde einfach nur in die ungefähre Richtung gehalten, und dann gehofft. Am anderen Ende kamen runde Fotos mit einem Durchmesser von etwa 6cm raus, die auf Rollfilm gebannt wurden. Die Kamera wurde bereits fertig geladen verkauft, ein Rollfilm reichte dabei für einhundert Aufnahmen. Danach gab man die komplette Kamera im Labor seines Vertrauens ab, die den alten Film entwickelte und die Kamera mit einem neuen ausstattete – ein bisschen so wie das Einwegkameraprinzip heute. Daher auch der Slogan von Kodak: “You press the button, we do the rest.”

Von der Kodak No. 1 wurden etwa 10.000 Stück verkauft – eher wenig, was wohl am recht hohen Preis von damals 25$ oder umgerechnet 120 Mark lag, da gab es bereits billigere Modelle von anderen Anbietern. Die erste wirklich erfolgreiche Kamera war wohl die Brownie No. 2 von 1901, die man heute ab und zu noch auf Flohmärkten kriegt. Welche Art Rollfilm in der Kamera zum Einsatz gekommen ist konnte ich nicht in Erfahrung bringen, da die bekannten Formate aber alle erst im 20. Jahrhundert entwickelt wurden kann man wohl von etwas ziemlich Einzigartigem ausgehen, was es wohl recht schwierig machen dürfte, sie heute nochmal ans Laufen zu kriegen. Eigentlich schade.

Das Foto der Kamera ist von Rick Soloway, die Aufnahmen sind zwischen 1888 und 1890 gemacht worden, sind Public Domain und vom National Media Museum in ihrem Flickr-Stream bereitgestellt. (via Public Domain Review)

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11 Kommentare

  1. Tilla Pe

    Die Kodak No. 1 wurde mit dem Eastman American Film, auch “Stripping film” genannt, geladen. ;)

  2. Johannes

    Ich frage mich, warum ein rundes Fotoformat gewählt wurde. Aus ästhetischen Gründen? Oder hat die Linse so stark vignettiert oder verzeichnet, dass der Rand unansehlich war?

    • Micha

      Ich glaube, es gab da keinen Rand. Die Kamera wird wohl einfach den ganzen Bildkreis auf Film gebannt haben.

  3. malte

    Man kann so ein Schmuckstück auch im Filmmuseum in Frankfurt a.M. bewundern, neben einigen anderen schicken Kameras.
    Wenn ich es richtig gesehen habe kann man entweder mit einer festen Belichtungszeit auslösen (1/50?) oder auf B stellen. Das war es auch schon an Einstellmöglichkeiten :)

  4. AlejandroB

    Wow, echt schön, ich würde mal gerne Bilder mit so einer Holzbox machen *grins*

  5. georg

    Sehr schöner Artikel. Dem Jim Rakete kämen sicher jetzt die Tränen.

  6. Sabine

    Bin ja in letzter Zeit in so einer ‘Edwardian’-Phase und suche immer wieder mal (primär auf tumblr) nach tollen Fotos. So eine alte Kamera ist schon eine feine Sache, vor allem da man so gut wie keine Einstellmöglichkeit hat. Da kann oder muss man es teils dem Zufall überlassen und nach Gespür fotografieren. Habe hier noch eine alte Nettar rumliegen, möchte schon seit Ewigkeiten damit Fotos machen. Werd ich :) Danke für den Artikel!

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