Dienstag, 17. Januar 2012

Doku: Dwayne’s Photo Labs und Kodachrome

Dwayne’s Photo Labs in Parsons, Kansas erreichte 2010 weltweit Berühmtheit als das letzte Fotolabor überhaupt, dass noch Kodachrome-Filme entwickelte, bevor am 31. Dezember 2010 die Entwicklung endgültig eingestellt wurde. Kodachrome, für die, die es nicht wissen, war der erste wirkliche Farbfilm der Welt, mit einer sehr eigenen Farbgebung, die kaum verändert werden musste, um trotzdem tolle Farben zu haben, und der wegen seiner Langlebigkeit und damit verbunden guten Möglichkeit zur Archivierung sehr geschätzt wurde. Dem gegenüber stand aber eine wirklich aufwändige Entwicklung: durch den Aufbau musste jede einzelne Farbschicht separat entwickelt, gewässert und fixiert werden, da kam sehr schnell mehr zusammen als bei herkömmlicher Schwarzweiss- oder Farbentwicklung.

Trotzdem habe ich mich lange Zeit gefragt, warum das so ein Big Deal ist: irgendwer irgendwo auf dieser Welt wird das doch sicher in seinem kleinen Kämmerlein privat weiter machen, am technischen Aufwand kann das doch nicht scheitern. Tatsächlich war Kodachrome und die Entwicklung desselbigen aber bis zuletzt im Besitz von Kodak, die den gesamten Prozess an andere Fotolabore auslagerten, als es sich für sie nicht mehr rechnete. Das schließt aber auch die Chemikalien ein, und die kann man eben nicht einfach kopieren. Dass Kodak die Rezeptur jemals öffentlich micht ist wohl auch eher unwahrscheinlich.

Das könnte dann auch ein paar lustige Anekdoten in den letzten Dezembertagen von Dwayne’s Photo Labs erklären: so ist die Künstlerin Aliceson Carter extra aus London angereist, um noch drei Filme abzugeben und fünf weitere zu verschießen. Den Vogel abgeschossen hat aber der Bahnarbeiter Jack DeNike, der 1580 Rollen Kodachrome-Film abgab und für die Entwicklung etwas über 15.000$ auf den Tresen legte. Verrückt, aber eigentlich auch logisch, wenn man weiß, dass man nach der Deadline wirklich gar keine Chance mehr hat, die Filme entwickeln zu können. Die letzte Rolle Kodachrome, die je entwickelt wurde, kam dann von Steve McCurry himself, Vanity Fair hat jeden Frame davon online gestellt.

Vor kurzem machte eine Mini-Doku über Dwayne’s Photo von Xander Robin die Runde, die im Herbst 2010 entstand und Kodachrome aus der Sicht von Grant Stanley, dem General Manager des Labors, beschreibt (via). Sehr schön, kommt ja schon so ein kleines bisschen Nostalgie-Feeling auf…

Bild 2 und 3: © Steve McCurry

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7 Kommentare

  1. Dieter Fröhling

    Dank fürs Teilen. Ist schon schade drum, aber wirtschaftlich war es nicht mehr sinnvoll. Kodachrome hat halt eine sagenhafte Schärfe und Farbe gehabt. Mit dem Erscheinen vom Fujichrome Velvia hatte ich ein Grün in den Dias wo Kodachrome nicht mithalten konnte. Und die Papprämchen….
    Ok, man konnte was draufschreiben.. Bin meinem Vater heute dankbar für.

    Jedoch eins beliebt den Spätgeborenen: Kodachrome-Look per Software simulieren…..

  2. Claudia P.

    Hier fehlen die evtl. reichen Tüftler/Chemiker um solch ein schönes Stück Geschichte, wie beim Polaroid, zurück zu holen. Selbsverständlich so gedeichselt das die erforderliche Chemie nicht nur preiswert ist, sondern man per Zauberhand alle Vorgänge vereinfacht.

    Es bleibt vorerst wohl ein Traum.

  3. Tom

    Und heute isses schon soweit. Mal sehen, ob die Sanierung was bringt. Wenn nicht plädiere ich für einen Verkauf an ilford ;)

  4. greezer

    Ich habe hier auch noch einige Kodachrome-Filme herumfliegen und ich weiss nicht, ob ich einen opfern soll und schwarz-weiss entwickle. Die anderen sind gut gelagert, wobei ich darauf spekuliere, dass irgendjemand die Chemie “kopiert” wie the Impossible Project das mit Polaroids gemacht hat.

    • Jeriko

      Steve McCurry sagte mal, dass er immer noch eine Rolle Kodachrome in seinem Kühlschrank hat. Man weiss ja nie.

      So deprimierend es im Moment auch klingen mag, aber die Insolvenz von Kodak könnte evtl. auch dazu führen, dass irgendwann wirklich mal jemand an die Rezeptur für die Chemie kommt.

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