Es soll sie ja geben, diese Filme, die einem das Fotografenleben so richtig schwer machen wollen, die Ausgeburt der Hölle, die, ist man einmal ihrer süßen Versuchung erlegen, so ziemlich alles zunichte machen, was nur irgends möglich ist, die einem das letzte bisschen Verstand abverlangen wollen, solange, bis man doch aufgibt. Und dann lachen sie auch noch über einen! Gesehen hatte ich einen solchen Film bisher noch nicht. Aber da hatte ich wohl nur Glück.
Denn wahrscheinlich war es schon ein Omen, dass es der letzte mir verbliebene Film war, den ich gestern mit nach Warnemünde genommen habe. Ein Kodak Tri-X 400, ganz unschuldig lag er in meinem Regal und wartete nur darauf, mir mit seiner Kratzbürstigkeit eins überbraten zu wollen. Es war ein Zeichen, und ich hätte darauf achten sollen, als er mir beim Einlegen ins Magazin am Strand in den nassen Sand fiel. Aber ich wollte ja nicht hören. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf.
Bei der Kiev muss man gewissermaßen zwei Mal spulen, um zum einen den Film an die richtige Position zu kriegen und andererseits die Nummernanzeige im kleinen Display auf eins zu stellen. Logisch natürlich, dass ich zum ersten Mal überhaupt das zweite Drehen vergaß und mir fortan merken musste, wieviele Fotos ich schon gemacht hatte. Dass ich kein Iso-Tape dabei hatte, um die Stelle abzudichten, an der Licht ins Magazin eintritt, passte da ganz prima ins Bild. Okay, heute scheint die Sonne eh nicht mehr zu scheinen, also wirds schon nicht so schlimm werden. Und ich bin der festen Überzeugung, dass der kleine Satansbraten im Magazin Anstalten gemacht hat, wie sonst könnte mir die Kamera aus der Hand gerutscht sein? Es ist nur der robusten Russentechnik zu verdanken, dass nichts passiert ist. Du willst es mir nicht einfach machen? Na warte, dir werd ichs zeigen.
Das erste Foto, ich will mit dem Handgerät die Belichtung messen, selbstverständlich wird mir just in diesem Moment nur noch ein blinkendes Display angezeigt, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Batterie endgültig zu Grabe getragen werden kann. Wahrscheinlich saugt der Teufelsfilm alle Energie in seinem Umkreis auf. Der Mistkerl! Zum Glück kann ich Sunny 16 ja im Schlaf runterbeten, und bei der grauen Suppe im Himmel ändert sich am Licht heute auch nicht mehr viel. Ich mache meine Fotos, es regnet in Strömen, aber das ist mir egal, ich will diesen Film heute bezwingen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue! Ich laufe am Strand entlang, fotografiere das Meer, Leuchttürme, scheuche Möwen auf – oder versuchte es. Mittlerweile kann ich hören, wenn der Vorhang nicht öffnet. Logisch, wäre ich ein Teufelsfilm, ich hätte auch keine Lust, mich belichten zu lassen.
Wieder zuhause, ich traue mich ja kaum, das Magazin zu öffnen, am Ende kommt mir die Sau noch entgegen gesprungen und alles war für die Katz. Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass er sich beharrlich weigerte, sich aufspulen zu lassen? Das Geräusch von geknickten Film liegt mir in den Ohren, Flüche, die deine Mutter erröten lassen würden, auf den Lippen – ich glaube so lange saß ich noch nie daran, bis ich ihn endlich in seinem Spulengefängnis hatte. Beim Entwickeln löste sich noch der Deckel, die halbe Suppe landete auf Hose und Teppich – klar. Ich werd wahnsinnig. ARGH! 15 Minuten später, alles vorbei, die Dose offen, der Film fertig. Belichtung okay, aber ich wusste doch, dass der Kleine gerüttelt hat – wie sonst konnten denn bitte so viele Leaks auf dem Negativ sein?
Wer jetzt “Naja, am Ende wird ja doch alles gut”, denkt, der kennt den Teufelsfilm nicht. Halb erledigt liegt er auf dem Scanner, wissend, dass er so gut wie bezwungen ist, aber ein letztes Mal noch will er mir William Wallace-like “FREEEEDOOOOM!” entgegen schmettern: Fingerabdrücke auf den Scans. Quasi der unbesiegbare Endgegner. Fussel sind Kinderkacke dagegen. Ich dreh durch. Leck mich Film, nach dem Tag, den du mir geliefert hast, glaubst du im Ernst, dass mich ein paar Fingerabdrücke jetzt noch irgendwie aufregen könnten? Falsch gedacht.



In your face.
Fieser Film – aber tolle Fotos :-)
Beim unteren ist der Horizont schief ;)
Du bist gleich schief! ;-)
Ach alles halb so wild, passiert halt, so einen run hat jeder mal ;) nur Fingerabdrücke, damit konnte ich bisher noch nicht dienen.
Und guck, das Leuchtturmfoto gewinnt durch den Lichteinfall, Fingerabdruck und Knick etwas Charakter. Immerhin ist noch etwas drauf obwohl der Entwickler flöten ging :)
wenn es die falsche suppe ist, hinterlässt es aber gewaltige spuren. da werden dann sachen entwickelt, die gar nicht sollten. klingt gelesen aber spaßig. und das mit dem fluchen kenne ich auch. gehört wohl irgendwie dazu…
Naja, am Ende ist doch alles gut geworden. :D
Ich kenn soetwas auch, bei mir war es aber eine Yashica Electro, welche ihre Filmklappe automatisch öffnete, wenn man außersehen mit der Nase zu stark dagegendrückte!!! Am Ende war es ein kleiner Stift im Gehäuse, welcher aus seiner Führung gesprungen war. Dies passierte mir auf der Buchmesse 2011 in Leipzig… Bilder waren dennoch okay. :-)
Mit was hast du den TriX entwickelt?
gruß hAnnes
Tetenal Ultrafin Plus 1+4 – oder das, was davon noch übrig war…
Das sind drei wunderschöne Bilder, besonders das mit den Möwen ist so gut, trotz der ganzen Strapazen.
A photographers life. So oder so ähnlich müssen wir da alle durch, und glaube mir: war nicht das letzte mal. Scheint so ähnlich wie beim Golfen zu sein. Nach ner Weile denkst Du: jetzt hab ich’s und dann: Pustekuchen. Der nächste Teufelsfilm. Der nicht auf die Spule will, nicht erklärbare Streifen oder wahlweise Punkte zeigt, sich einfach störrisch gibt. Und genau deshalb ist (nach meinem höchstpersönlichen Empfinden), jedes gelungene Filmfoto 10x mehr wert als die Chipausbeute und genau deshalb bleibst du dran. Dieses – “dir kleiner Mistsau zeig ich jetzt wer Chef im Ring ist…” ist ein Wahnsinns Motivation ;)
Ist wirklich so. Ich freu mich immer noch wie ein kleines Kind an Weihnachten über jedes Foto, das was geworden ist. :-)
Biest! Wirklich mal! Ist ja noch schlimmer als der versaute 160T der mir meine ganzen Nebelbilder kaputt gemacht hat neulich. (pink statt blau, körnig ohne Ende, unter und über und irgendwie belichtet)
Manchmal löst man eben unwissentlich eine fiese Kettenreaktion aus, die sich dann beharrlich weigert, einen wieder frei zu geben.
Möwe und Leuchtturm Foto haben aber ihren ganz eigenen Charme! Find ich sehr gelungen!
Ich hab keinen Bock mehr auf analogen Kram.
DANKE HERR BOECKEN ;)
Meine ich gar nicht negativ, aber du gehörst auch zu der Sorte Fotografen, bei denen ich mir Analogfotos so gar nicht vorstellen kann. Und wenn, dann eher so a la Thomas Birke – aber doch nicht so, wie ich das hier mache ;-)
:) Naja. Ich denke irgendwann werd ich das schon auch mal probieren. Irgendwie verbinde ich mit analoger Fotografie viel Ruhe. Das reizt mich schon. Irgendwann mopse ich Opis Analoge.
Ne, da hat der Christoph recht.
Und bitte, jetzt nimm du nicht auch noch das “Entschleunigung” Wort in den Mund ;)
Tolle Geschichte, kann ich gut nachvollziehen. Trotzdem lassen sich die Bilder sehen. Die Abdrücke bleiben natürlich fies :D
…. immerhin ließ sich die Russentechnik davon nicht beeindrucken : Das Geräusch von knickendem Film hat bei meiner Mamyia mal das Ende der Spulenaufnahme bedeutet …
H
der seit einem gewissen Vorfall mit Fixierer immer brav den Dosendeckel festhält ;)
Witzig.
Ging mir am Samstag Abend genau so. Ich hatte einen neuen Film (Ilford HP5, 120) und diese kleine Mistkröte wollte partout nicht auf die Spule. Bei 2 Bildern sind auch Knicke drin. 3 Bilder waren auch noch falsch belichtet, das zeigt jedenfalls der Kontaktbogen. Und ich dachte, dass ich das solangsam drauf hätte. Just one of these days…
Und jetzt gehe ich gleich los, und besorge mir wieder meinen Acros Neopan. Der Bauer frisst schließlich nur das, was er kennt ;-)
Herrlich … manchmal ist es halt doch die Geschichte dahinter die ein Foto sympathisch macht :)
Ist zwar schon ein Weile her, aber als ich das erste Mal einen Rollfilm aus einer Rolleicord herausgenommen hatte, ist der mir fast entgegen gesprungen. Naja hab ihn irgendwie wieder zusammengerollt, allerdings bis heute nicht entwickelt. Vielleicht sollte ich das mal tun!!
Tu es! In der Hassi von meinem Papa war 12 Jahre lang ein Film mit Fotos von meinem alten Hund, und es war so schön, sie in der Hand halten zu können.
Ach, dann werde ich das einfach mal machen! Das erinnert mich gerade daran, dass ich irgendwo noch ein paar 35mm Filme liegen habe. Die dürften, glaub ich aus den Anfängen meiner Fotogafie überhaupt sein!
Ohhh ja, diesen Film habe ich auch mal in der Yashica gehabt. Gruselig… Obwohl das Möwenfoto klasse ist :)
Ich habe heute auf deinen Artikel in meinem Blog verwiesen:
http://linsengericht.wordpress.com/2011/12/11/sontagsbraten-folge-1/
Schön das auch die nachwachsende Generation mit den Tücken zu kämpfen hat. Ja, einspulen von 120 Film bedeutet eine Aktion in Demut ;-)