Falls ihr morgen noch nichts vorhaben und so ganz zufällig etwa 25.000€ auf der hohen Kante haben solltet, dann könnt ihr ja bei der WestLicht Photographica Auction ein kleines Stück Raumfahrtgeschichte ersteigern: eine Hasselblad 500 EL NASA der ersten Generation.

Das Gehäuse wurde schwarz lackiert und per anodischer Oxidation für die Wetterbedingungen im Weltraum vorbereitet. Um Gewicht zu sparen wurde der Spiegel entfernt, was gleichzeitig auch den Sucher obsolet machte, in den Hotshoe wurde ein Ring gesteckt, damit die Astronauten wenigstens halbwegs wussten, was sie da gerade fotografieren. Stelle ich mir ja so ein ganz klein wenig riskant vor: die Filme wurden ja sicher erst nach der Rückkehr entwickelt, und wenn dann dank nicht vorhandener Kontrolle nix drauf wäre, ouhweia.
Aufgesetzt war ein Zeiss Planar 80mm 2.8, ebenfalls schwarz lackiert und behandelt. Wer dieses Objektiv schon mal in der Hand hatte, der weiss, dass es diese kleine Ritzel gibt, die runtergedrückt werden muss, um die Zeit unabhängig von der Blende einstellen zu können. Ist auf der Erde schon nervig, im Weltraum mit den klobigen Handschuhen unmöglich, daher wurde diese Ritzel durch zwei “Paddel” für Blende und Zeit ersetzt.
Das Filmmagazin wurde ebenfalls modifiziert und ist wesentlich größer, eine Rolle reicht für 200 Auslösungen. Der Verschluss war auch ein anderer, damit es auch mit den klobigen Handschuhen möglich war, schnell das Magazin zu wechseln. Der Film war eine Spezialentwicklung von Kodak, ein 70mm Rollfilm mit einer anderen, dünneren Emulsionsschicht. Für die Apollo 8 Mission wurden drei Magazine mit Panatomic-X ASA 80 BW Film, zwei Magazine mit Ektrachrome SO-68, eine Magazin mit Ektachrome SO-121 und ein Magazin mit Kodak 2485, einem extrem lichtsensitivem Film mit ASA 16.000 geladen. 1100 Fotos fanden den Weg zurück zur Erde.




Es handelt sich allerdings nicht um das Modell, das auch tatsächlich auf der Oberfläche des Monds war, die waren nämlich silber lackiert und haben, um auf dem Rückweg Gewicht zu sparen, nie den Weg nach Hause gefunden und liegen dort immer noch rum. Und selbst wenn, dann wären sie immer noch das Eigentum der NASA: erst im Sommer dieses Jahres wollte Edgar Mitchell, Astronaut der Apollo 14 Mission, eine zurückgebrachte Kamera versteigern, was von der NASA aber verhindert wurde und in einem Gerichtsprozess endete. Vor nicht mal zwei Wochen hat Mitchell dann zugestimmt, die geplante Auktion abzublasen und die Kamera an die Regierung zu übergeben.

Von der schwarzen Variante wurden 50 Stück hergestellt, von denen sich zwei ganz legal in Privatbesitz befinden, und diese hier dazu noch wesentlich besser erhalten ist. Überhaupt, ich finde das immer wieder faszinierend, wie eine in diesem Fall über 40 Jahre alte Kamera, die unter widrigsten Bedingungen eingesetzt wurde, nach wie vor perfekt funktioniert! In der digitalen Fotografie statten wir uns mit immer neuen Funktionen aus, werden von Jahr zu Jahr besser, eine Leica Ia oder in diesem Fall eine Hasselblad 500 EL sind dagegen auch nach Jahrzehnten immer noch Referenzen. Ja, mich erstaunt sowas immer noch.
Hasselblad ist völlig zu Recht stolz auf ihre Weltraumgeschichte, daher widmen sie diesem Teil auch eine wirklich tollen Bereich auf ihrer Website. Und wenn ich euch damit nicht locken kann, bei der Auktion gibts noch jede Menge Leica-Raritäten oder so kuriose Objekte wie eine von Cartier vergoldete Polaroid-Kamera. Ist halt alles eine Frage des Geldes…
Update: Die Kamera wurde für 18.200€ versteigert.
Och, und ich dachte die “Weltraumkamera Hasselblad 500 EL/70″ im Haus der Fotografie Burghausen wäre auch dort oben gewesen. Aber sie ist schwarz. :(
Die /70 stehen wohl für das Filmformat, 70mm. Und hey, sie war im Weltraum, was ja auch schonmal geil ist! :-)
Man, das wäre was. Ich krieg schon Gänsehaut vom angucken :)
Die ganze Gewichtssparerei fasziniert mich extrem.
Wiegt in der Form aber wohl immer noch um die 2,2 Kilogramm. Da hätt ich dann doch lieber den Spiegel undn Sucher :-)
Ach, das ist überbewertet ;)