
Das da oben ist ein Foto einer Florfliegenlarve in 20facher Vergrößerung, und gleichzeitig auch das Gewinnerbild der Nikon Small World Photomicrography Competition, einem seit 1974 jährlich abgehaltenen Wettbewerb im Bereich der Lichtmikroskopie, also den Dingen, die mit dem bloßen Auge nicht mehr ausmachbar sind. Gemacht wurde es von Dr. Igor Siwanowicz vom Max Planck Institut für Neurobiologie in Martinsried, der eher per Zufall auf das Insekt stieß, weil es gerade an seine Hand nagte. Es hat mich ziemlich fasziniert, also schrieb ich ihn an und fragte ihn, wie ein solches Foto zustande kommt. Hier seine Antwort:
Ich habe einen Ablauf für die Visualisierung des Nervensystems der Drosophila festgelegt, nach dem auch dieser Spezimen behandelt wurde. Es gibt diverse Schritte: Fixierung des Spezimens mit Formaldehyd, einlegen in Agar, aufschneiden mit einem Mikrotom und verbinden mit Immunreagenten. Das war jetzt ziemlich kryptisch, lass es mich erklären: Formaldehyd wird gebraucht, um das Gewebe gegen physische Spannung zu festigen. Der Stoff führt zu neuen Verbindungen zwischen den Proteinen, so kann er bspw. nicht mehr auseinanderfallen, wenn er aufgeschnitten wird. Ein in der Lösung enthaltenes Reinigungsmittel stört zusätzlich die aus Lipiden bestehenden Zellmembranen und macht sie durchlässig für Reagenten.
Der Spezimen wird anschließend in heißes Agar gelegt, dass in etwa die Konsistenz von Honig hat, nach dem Abkühlen aber eher Gummi ähnelt – die Härte des Materials sollte etwa gleichauf mit der Konsistenz des Spezimens sein. Überflüssiges Agar wird mit einem Skalpell entfernt, was zu einem etwa erbsengroßen Block führt. Der wiederum wird in ein Mikrotom gelegt, die aus dem Block 50 bis 150 Mikrometer dicke Scheiben schneidet. Das war gleichzeitig auch der komplizierteste Teil, also sicherstellen, dass die Messer des Mikrotoms exakt horizontal schneiden – da ich ja nur einen Spezimen hatte gab es auch nur einen Versuch.
Farbstoffe und Immumoreagenten sind nötig, sonst würde man unter dem Mikroskop nur halbtransparente Muskelmasse sowie bräunliche Haut sehen. Bei der Kombination, die die einzelne Teile des Spezimens farblich hervorheben, ging ich dann auf Nummer Sicher.
Da der Kopf der Larve aber 1,3mm lang war, nach Mikroskopiestandards also riesig, und meine höchste Vergrößerung gerade mal 20x war, habe ich das fertige Foto aus insgesamt sechs Einzelbildern zusammengesetzt.
Big Picture hat weitere Fotos der Competition, die durch die Bank weg faszinierend anzuschauen sind, ein Blick lohnt sich. Mein Dank an Dr. Siwanowicz für den kurzen Blick hinter die Kulissen der Fotomikrografie!
Sicher, dass das nicht eher 200-fache als 20-fache Vergrößerung ist? 5% von dem Ding wären immer noch erschreckend groß.
In jedem Fall gut zu wissen, wie man Dinge aufschneidet, ohne dass sie zerfallen. Und ein echt schönes Foto. Horrorfilmplakattauglich.
Ja, das Bild heißt auch “Portrait of a Chrysopa sp. (green lacewing) larva (20x)”, das mit der Vergrößerung stimmt schon.
Hammer :) das würde ich mir glatt als Poster aufhängen.