
Nikon hat heute ihr neues spiegelloses 1-System mit den beiden Kameras V1 und J1 vorgestellt, und im Rahmen der Produktpräsentation konnte ich zumindest die V1 für etwa zwei Stunden ausprobieren.
Nikon positioniert das System von der Größe her näher an Kompaktkameras als an DSLRs. Um das zu erreichen wurde ein neuer Sensor mit einer Größe von 13,2 x 8,8mm (entspricht einem Crop-Faktor von 2,7) entwickelt. Das ist zwar größer als das, was man in Kompaktknipsen vorfindet, aber schon Micro Four Thirds-Sensoren sind größer. Als Faustregel kann man sagen, dass je kleiner der Sensor ist, desto schwieriger wird das Spiel mit der Schärfentiefe, im Falle der Nikon 1 stößt man also bisweilen schon mal an seine Grenzen. Lobenswert die Begrenzung auf 10 Megapixel, schwierig dagegen das ISO-Limit von 3200 (6400 per EV), das man nachts sehr schnell erreicht. Allein, der Größenvorteil will sich mir nicht erschließen: was nützt mir ein kleines Gehäuse, wenn die Linse davor trotzdem dafür sorgt, dass ich die Kamera nicht in der Hosentasche mit mir rumtragen kann? Die J1 ist tatsächlich handlich, die V1 dagegen fühlt sich in meiner Hand klobig und subjektiv größer als beispielsweise das NEX-System von Sony an – und da steckt immerhin ein APS-C Sensor drin.

Den den Standard-Aufnahmefunktionen kann die Kamera vor und nach dem Auslösen noch Bilder machen, um tatsächlich den richtigen Moment einzufangen. Es gibt den bewegten Schnappschuss, der eine Serie von Bildern zu einem kleinen Video zusammenfügt, aus dem man sich nachher noch das beste Bild raussuchen kann. Selbstständig geht der Smart Photo Selector zugange, der eine Serienbildreihe erstellt und dann das vermutlich beste Bild aussucht. Natürlich kann man sich trotzdem noch seinen eigenen Favoriten aussuchen Bei dem Modus empfand ich es übrigens als sehr angenehm, dass das Sucherbild trotzdem ständig angezeigt wird. Quasi wie bei einer Videoaufnahme, nur statt Bewegtbild werden eben Fotos aufgezeichnet – das hat mich bei der A77 gerade bei sehr bewegungsreichen Momenten noch etwas gestört, da das Objekt der Begierde in der kurzen Pause, in der das Bild schwarz wird, schon längst aus dem Sucher verschwunden sein kann. Ob das auch bei Einzelaufnahmen einstellbar ist habe ich nicht rausfinden können.
Überhaupt, Einstellungen. Das Menü ist übersichtlich, trotzdem vermisse ich hier und da Hilfestellungen, gerade wenn sich Dinge nicht sofort erschließen. Bis ich bspw. die Blendenpriorität im Menü eingestellt (am Funktionswahlrad fehlen die “klassischen” Aufnahmefunktionen) und dann auch rausgefunden habe, wie sich diese letztendlich verstellen lässt, ging schon einige Zeit ins Land. Wenn es denn möglich war, gelegentlich wurden mir Funktionen ohne ersichtlichen Grund einfach verweigert. Ich weiss nicht mehr, ob es sich um eine finale Firmware handelt, die auf den Kameras lief.
Der elektronische Sucher hat allerhöchstens eine Alibi-Funktion. Ärgerlich: GPS fehlt, lässt sich aber zumindest bei der V1, die einen Hot Shoe hat, nachrüsten. Das Display ist nicht dreh- oder schwenkbar. Dafür, dass die Kamera als Lifestyle-Objekt positionert werden sollen fehlen ihr einfach Funktionen, die genau in dem Segment eigentlich erwartet werden.
Ich verstehe es nicht. Nikon hat nach eigener Aussage fünf Jahre in die Entwicklung des Systems gesteckt, und gerade mit dem demnächst erhältlichen Adapter für den F-Mount hätte man Nikon-Fotografen mit ihren Objektivschätzchen echt locken können. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass man sich den Wettbewerb genau angeschaut, und mit der V1 einen eher halbgaren Einstand geliefert hat. Gerade Nikon hat doch einen Namen, deswegen würde ich am Erfolg der beiden Kameras auch nicht zweifeln, aber ein bisschen mehr Mut hätte ihnen sicherlich gut getan. In der Form jedenfalls gibt es für den ambitionierten Fotografen meiner Meinung nach bessere Systeme.
Weitere Meinungen bei Neunzehn72, Zoomyboy und Monostep
Anbei noch zwei Bilder, die via Raw Therapee direkt aus den Raw-Dateien erzeugt wurden. Die Ergebnisse sind aber noch mit Vorsicht zu genießen, da bisher noch kein Raw-Konverter die Farbmatrix etc. kennt.


Hi,
schöner Bericht. Gestatte mir eine Frage:
“… der einen Crop-Faktor von 2,7 ergibt. Das ist zwar größer als das, was man in Kompaktknipsen vorfindet, aber noch unter MFT.”
Arbeitet MFT nicht mit einem Crop-Faktor von 2.0, oder liege ich da falsch?
LG, Alexx
Ach herrje, ich meinte natürlich die Sensorgröße, nicht den Crop-Faktor. Ich habs angepasst, danke für den Hinweis!
Und der elektronische Sucher taugt nix? Ich hätte ja gerne was Kleineres als Alternative zur Vollformat DSLR … Aber ein Sucher, ob nun optisch oder elektronisch sei mal dahin gestellt, muss schon sein. Nur sollte der dann auch Sinn machen und praxistauglich sein. Dazu hätte ich gerne einen größeren Sensor (APS-C wäre schon okay), lichtstärkere Objektive (auch wegen dem Spiel mit der Schärfentiefe), bessere Direktzugriffe auf viele Funktionen (dass es bei den Nikons umständlich ist, hatte ich fast befürchtet – sind ja kaum Tasten, geschweige denn Räder, dran). Nikon, so wird das mit uns wohl nichts werden. Aber vielleicht mit Fujifilm (X10)?
Sagen wir es mal so: der Sucher der NEX-7 hat doppelt so viele Pixel und eine völlig andere Technologie. Und das sieht man.
Sie sieht ja ganz schick aus, aber warum Nikon nur so einen kleinen Sensor spendiert hat, kann ich wirklich nicht verstehen. Zielgruppe ist daher wohl eher nicht der SLR Fotograf, der eine Zweikamera sucht, sondern der Gelegenheits- und Fun-Knipser.
Ja, aber die von dir genannte Gruppe dürfte die doch recht spärlich vorhandenen Kreativmodi bemängeln, beispielsweise gibt es, soweit ich das in den Spezifikationen erkennen kann, kein HDR.
Ich verstehe diese Kameras überhaupt nicht.
Es gibt IMHO einen Riesenmarkt für kleine Systemkameras, weil ein Haufen engagierter Amateure gute Kameras zwischen Knipse und Spiegelreflex haben wollen.
Die Knipsen kann man wegen der kleinen Sensoren und der lächerlichen Superzooms nicht sinnvoll brauchen. Die Spiegelreflexkameras sind viel zu klobig und schwer. (Kann mir mal jemand erklären, warum die alten analogen Spiegelreflexkameras so viel kleiner sein konnten, als die heute verkauften Monster?)
Dann kommt ausgerechnet Nikon und baut die (korrigiere mich) Systemkamera mit dem kleinsten Sensor und ändert das einzige Teil, das an praktisch jeder halbwegs brauchbaren Kamera gleich aufgebaut ist, nämlich das Programmwahlrad. wtf?
Mal abgesehen davon, daß die Dinger häßlich wie die Nacht sind….
Ich sags ja, ich versteh es nicht.
…und nebenbei finde ich die Kamera auch noch teuer. Abgesehen von 270 Euro für einen Adapter um dann einen mit dem Faktor 2,7 verwürfeltes Objektiv(teil)sortiment die Kameras lustig zu beschweren.
Nunja… ich will es mal so sagen. Da kann es Canon ja nur besser machen und wenn ich dann mal viel Geld finde, passen auch meine Objektive an die besser gemachte Canon-Mirrorlose.
:-/
Dir ist es nicht gelungen in den 2h die Blendenprio einzustellen, bzw schnell zu finden? Hier sehe ich sie nach nicht mal einer Minute: http://www.youtube.com/watch?v=Ex9YgnTOexw&sns=em
Ich bezweifle jegliche Kompetenz! Diesen Rotz verbreitest du auch noch übers gesamte Netz….
Geht´s noch? Was ist das denn für ein peinlicher Kommentar? Wahrscheinlich bist du zum ersten mal auf Jeriko´s Seite, und hinterlässt auch noch so was.
Aber danke für das Video. Die Menuführung ist ja noch schlechter als ich befürchtet hatte…
Die Blendenprio ist in vielen Modi nicht verfügbar, ohne dass in der On Screen Hilfe erklärt wird, warum das so ist. Und bis man das mal rausgefunden hat vergeht vielleicht schon mal die ein oder andere Minute. Auch dass sie sich letzten Endes über die Zoom-Wippe dann verstellen lässt halte ich im ersten Moment für nicht gerade intuitiv.
Aber was weiss ich inkompetenter Idiot schon, nicht wahr?
Gestern ist übrigens ein Update für Capture NX auf Version 2.2.8 rausgekommen, welches die RAW Formate der V1 und J1 unterstützt.
Exposure Modes gab es noch nie in einem Automatikmodus! Zum anderen wurde das bei der Konferenz erwähnt.
Mein Kommentar ist nicht persönlich zu nehmen. Inkompetenz ist nicht gleich “inkompetenter Idiot”!
Nikon hat hier die ganz große und quasi zwingende Chance verzockt, die Tradition guter Sucherkameras wie der S-Serie oder auch der 35Ti ins digitale Zeitalter weiterzuführen. Mehr noch, sie haben sämtliche Signale missachtet, die der Markt in letzter Zeit geliefert hat (MFT, X100…) und stattdessen Spielkram (“Smart Photo Selector” – wtf?) eingebaut, den in dieser Preisklasse niemand sucht. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich vor Lachen wahrscheinlich heute noch unter dem Tisch liegen.
Genau. Nikon hatte zur Analogzeit mit der 28Ti und 35Ti mal richtig gute Kompaktkameras. Frage mich ohnehin, warum es zu der Zeit möglich war, kleine Kameras mit “Vollformat” zu konstruieren, was heutzutage nicht mehr möglich scheint.
Es ist möglich, siehe Leica. Aber es ist halt eine Kostenfrage. Von Mittelformat Digital fange ich gar nicht erst an, und vor kurzem hab ich einen Beitrag gesehen, in dem sich jemand einen Großformat-Sensor im Gegenwert eines Hauses selbstgebastelt hat.
Ob das eine Kostenfrage ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn man die M9 mit der D700 mal vergleicht, dann ist eigentlich keine teure Miniaturisierung nötig. Beides sind Vollformate. Die Leica ist genau an den Stellen kleiner, die bei der Nikon für Spiegelgehäuse und Prismenkasten nötig sind. Wenn man diese Bauteile weglässt und die Mechanik für den Messsucher der M9 gegen eine AF-Gruppe tauscht, dann ist man eigentlich schon fast durch. Okay, der Verschluss müsste ganz sicher neu konstruiert werden – aber hey, das sind Ingenieure dort bei Nikon, oder? Die sollten das hinbekommen. Prinzipiell kann man also aus den Komponenten einer D700 schon sehr viel verwenden, was in einer gescheiten FF-Sucherkamera benötigt würde. Gleichteilestrategie nennt man das im Autobau und dort spart es eine Menge Geld. Zumindest so viel, dass man es zu einem marktfähigen Preis anbieten kann. Kein Schnäppchen, klar – aber sicher sehr konkurrenzfähig. Schließlich müsste man -im Gegensatz zur Leica- keine neuen Linsen kaufen. Da würde ich bei einem Preis zwischen 1000 und 1500 EUR eine Menge Leute kennen, die sofort zuschlagen würden.
Vor allem wäre das mal ein Alleinstellungsmerkmal, denn im Moment scheinen die zu meinen, der Name “Nikon” reiche dazu schon aus. Und bei den “Aufsteigern” wie meiner einer (wobei das immer so einen komischen Wertungsdünkel hat, dieser “Aufsteiger”-Gedanke… aber je nun.”)… also für Aufsteiger strahlt der Name weit weniger, als vielleicht im Profilager. Und DIE wiederum kennen sich soweit aus um ahnen zu können, das die beiden neuen… sagen wir mal, Potential verschenkt haben.
Hallo!
Die Kamera ist natürlich auch der Einstieg von Nikon in die spiegellose Technik (was auch Zeit wurde). Die nächsten Modelle von Nikon werden so aussehen, wie es Panasonic mit der Lumix G2 schon vorgemacht hat. SLR Feeling mit immer besserer Technik.
Das hoffe ich zumindest :)
Der Weg von Nikon haben die sich aber mit dem kleinen Sensor schon vorgegeben. Diesbezüglich, auch was die mangelnde Schärfentrennung angeht, wird sich auch in Zukunft bei Nikons neuem Kamerasegment nichts wirklich ändern können, da man ja auf die neuen Objektive wiederum nun Rücksicht nehmen muß.