Montag, 18. Juli 2011

Kleine Makrowelten

Man sollte regelmäßig seine Komfortzone verlassen und sich neuen Herausforderungen stellen, um stets weiter zu kommen, oder es wenigstens mal probiert zu haben. Keiner versuchte mir das in letzter Zeit so oft klarzumachen wie die beste Nerdfreundin der Welt™. Fotografier doch mal Blumen. – Find ich doof. – Egal, mach es trotzdem. – Aber ich find Blumenbilder doof! – Es geht nicht darum, sie toll zu finden, es geht darum, es auszuprobieren! Außerdem sind deine Streetbilder auch doof! – Doh!

Also schraubte ich Mitte der Woche die alte, schlechte Makrolinse auf die D7000 und zog los Richtung Tiergarten, in der Hoffnung, dort ein paar schöne Blumen vorzufinden. Ja gut, hätte ich mir eigentlich auch denken können, dass es in einem öffentlichen Park, wo täglich tausende Menschen über die Wiesen trampeln, nicht viel zu holen gibt. Dass es dann aber doch nur ein paar Gänseblümchen sein würden hat mich dann aber schon überrascht. Macht aber nichts, interessant war es trotzdem, erfordert Makrofotografie doch einen völlig anderen, viel langsameren, kontrollierteren Ansatz. Erstmal muss ein Motiv ja gefunden werden, was schon mal Zeit in Anspruch nimmt, wenn interessante Objekte vielleicht nur ein paar Zentimeter groß sind. Sich selbst in Position bringen ist jetzt auch nicht das Einfachste, wenn besagte Objekte eben sehr klein sind. Auf den richtigen Moment warten, und dann müssen die blöden Blümchen ja auch noch stillhalten! Das mag ein bisschen genervt klingen, tatsächlich war es aber unheimlich entspannend. Der Output ist nicht besonders hoch, das Ergebnis, eine eigene kleine (Makro-)Welt entdeckt und festgehalten zu haben, entschädigt dafür aber ungemein! Die Leute haben vermutlich nicht schlecht geguckt: was liegt der komische Typ denn da die ganze Zeit neben dem Gehweg im Dreck und fotografiert auch noch so olle Gänseblümchen? Tjaha, wenn ihr wüsstet! Lediglich die wirklich schlechte Bildqualität der Linse machte mir so einen halben Strich durch die Rechnung. Aber ich hatte Blut geleckt.

Gestern dann ein neuer Versuch, im Garten, bewaffnet mit der guten Makrolinse der Nerdfreundin auf der Kamera, einer Dahlie als Motiv und einer Idee im Kopf. Und was soll ich sagen, ich bin zufrieden.

Ob ich auf den Geschmack gekommen bin? Das weiss ich noch nicht, dafür muss ich noch etwas öfter losziehen. Ich finde Blumen als Motiv immer noch etwas, naja, öde, aber sie bei meinen ersten zwei Versuchen als Motiv zu nehmen war ja eine bewusste Entscheidung. Dafür mag ich zum einen den langsamen, bedachten Prozess der Makrofotografie, der einen schönen Kontrast zu unserem eher schnellen Lebensstil darstellt, zum anderen aber auch die Möglichkeit, sozusagen eigene kleine Welten festzuhalten.

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26 Kommentare

  1. solveigmargret

    i like! hab ich letztens auch mal ausprobiert. nur leider mit zu schlechter kamera.
    blumen gehen immer, weil vanitas und eros in einem. <3

  2. Ben

    Das unterste ist sogar etwas gruselig, sieht so ein bisschen wie das gefräßige Maul eines bösen Killerwurms aus.
    Vielleicht testest Du mal Makrofotografie an ganz alltäglichen (und damit: unüblichen) Gegenständen, als an Blumen. Kein Plan ob da was rum kommt, aber mir fällt es grad so ein…

  3. hotzen

    Also mein Favorit ist ja das erste … und ich gebe dir Recht, ich finde Blumenbilder generell auch langweilig, was ja aber nicht heißt, dass man aus dem Objekt “Blume” ansich nicht trotzdem was schönes rausholen kann, was dir ganz gut gelungen ist.

    Lange Rede kurzer Sinn … ich finde beim ersten und beim dritten Bild steht mehr eine schöne Struktur im Vordergrund als die Blume ansich weswegen ich die ziemlich faszinierend und gut finde. Daumen hoch und weitermachen.

  4. Björn

    Das ist echt genial, das letzte finde ich am besten.
    Es fühlt sich so an als wenn man in die Blüte hineingezogen würde, wie ein rotes ähh schwarzes Loch.
    Echt toll!

    Gruß Björn

  5. basti

    Das Unterste ist wirklich großartig. Gute Form und die Schärfe sitzt perfekt, Man wird fast reingezogen.

  6. Roman

    Sehr schön! Tolle Farben, die Wassertropfen auf den Blättern sind auch sehr interessant.
    Makrofotografie ist etwas ganz anderes als normale Fotografie. Da gebe ich dir recht. Ich finde es aber viel interessanter, weil man diese Dinge im alltäglichen Leben nicht so sieht und mal dir Chance hat, die kleinen Details dieser Welt festzuhalten und zu entdecken. Versuche dich doch mal an kleinen Tierchen, das ist die richtige Herausforderung, weil die nicht stillhalten wie die Blume ;)

    Viele Grüße
    Roman

  7. zoomyboy

    Speziell beim letzten Bild wäre mehr drin gewesen. Keine Ahnung mit welche blende du bei diesem Bild fotografiert hast, denn leider sind einige wichtige Bereiche nicht scharf, dies führt dann dazu das der Blick des Bildbetrachters unruhig hin und her wandert-der eigene Blick wird bei längerem Betrachten unscharf.

    Eine Möglichkeiten wäre gewesen, die Distanz zur Blume zu vergrößern, dadurch hast du dann mehr Schärfentiefe (bei gleicher Blende), Und dir die nähe durch einen Ausschnitt/Crop wiederzuholen.

  8. Tobi

    Spitze! Mein Favorit ist auch das dritte! Vor allem durch den großen Schwarz-Anteil und den starken Kontrast nicht so ein typischer Blumen-Kitsch! Aber wieso eigentlich rose-1 bis 3? ;)

  9. Felix

    Wow! Ich finde die Fotos fantastisch. Die Farben sind der Hammer. Genau so wie die Kontraste. Das erste und das letzte sind meine Favoriten. Und beim letzten muss ich dem Zoomyboy ein klein wenig widersprechen. Denn ich finde gerade dadurch, dass die Schärfe nicht bis in die Bildmitte reicht gewinnt das Foto. Ich mag das sehr…

  10. Marie

    Ich finds großartig so unscharf und nich so katalogknackig. Probs für grenzen und gesetze brechen und nicht langweilig perfekt. Unheimlich emotional wirds nich durch knackwurstschärfe.

  11. Jan

    Bravo! Bin auch überhaupt kein Blumen-Fan, aber das ist echt gut geworden. Vielleicht sollte ich mich auch mal mehr mit Makrofotografie beschäftigen. Sieht alles schön abstrakt aus, schöne Formen und Schärfe. Mir gefällt besonders das erste. Das dritte erinnert mich irgendwie in seiner Struktur an diesen Wüsten-Wurm bei Star Wars :-)…Makrofotografie regt die Phantasie an…

  12. zoomyboy

    Ihr habt mich mit euren Kommentaren überzeugt, ich nehme meinen vorigen Kommentare zurück.

    Und nun: Geile Bilder.

  13. Ramona

    Hm ja ich kann selber auch meistens nicht viel mit Blumen anfangen…aber wie man sieht könnte man schon was draus machen! Echt stark.
    Wahrscheinlich würde ich mit einem Makroobjektiv doch mehr anfangen können, als ich mir bisher gedacht habe, danke dir auf jeden Fall für die Inspiration :)

  14. Lopik

    Sieht einfach umwerfend aus!

  15. Micha

    Blumenbildr mit wasser und sowas alles seiht man ja nun sehr oft. Diese Style habe ich jedoch noch nocht gesehen. find eich erdrückend und sehr impressiv….Toll

    Lg Micha

  16. Janne

    Wie ich mich gewundert habe beim Anblick der Blumen. Habe ich doch mit Dir alles andere als Blumenbilder assoziiert.
    Für “öde” Blumenbilder sind das aber recht großartige Ergebnisse.

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