Mittwoch, 18. Mai 2011

Oldtimertage Berlin 2011

Verkehrte Welt: während die Nerdfreundin, die sonst nur mit analogen Kameras unterwegs ist, sich dafür meine Nikon D60 auslieh (und dann trotzdem eine ihrer alten Makrolinsen drauf setzte. Ich kanns ihr nicht verübeln) war ich bei den Oldtimertagen ausschließlich mit meiner kleinen schnuckligen Neuerwerbung unterwegs. Der Belichtungsmesser funktioniert sehr gut, die Linse ist okay, das Feeling hat was.

Ich will nicht ausschließen, dass die Qualität auch meine Schuld ist. Immerhin kann ich nach wie vor nicht gut manuell fokussieren, obwohl so eine Schärfeeinstellhilfe da natürlich ungemein hilfreich ist, beim Entwickeln habe ich noch nie so viel geflucht wie dieses Mal (“Nie wieder Kleinbildfilm auf die Spule. Nie wieder! Ich schmeiss die Kacke aus dem Fenster!”), der Scan war eher schnell und der entwickelte Film dabei noch nicht mal trocken. Ich behaupte einfach, die Fotos sind “roh und aus dem Leben gegriffen”. Funktioniert immer.

Und ich mag sie ja so, wie sie sind.

Die Oldtimertage selbst finde ich im Gegensatz zur Hot Rod Decadence (2011 Teil 1 u. 2, 2010) etwas befremdlich. Sicher, es gibt auch hier unglaublich schöne Autos zu sehen, trotzdem habe ich bei vielen der Besitzer das Gefühl, sie haben ihr Geschoss nur, weil sie es haben können, nicht weil sie es wollen. Ein Statussymbol. Der Familienvater mit seinen drei Söhnen, lass sie um die 10, 12 Jahre alt sein, alle mit Lacoste-Hemden und Maserati-Halsketten war das, was ich noch am ehesten behalten habe. Ich bin sicher kein Autonarr, für mich hätte ein Mustang aber sicher mehr als nur einen materiellen Wert.

Agfa Optima 1535, Solitar 40mm f/2.8, Ilford FP4 125 Film. Entwicklung mit Ultrafin 10+1, 5 Minuten.

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12 Kommentare

  1. Jan

    Oldtimer müssen einfach mit analoger Technik fotografiert werden! Nee im Ernst, die Fotos sind wirklich toll geworden, sie haben ihren ganz speziellen Charme und hier und da die Fusseln unterstreichen das ganze noch einmal! … überlege auch zurzeit mir noch mal eine analoge Kamera zuzulegen.

    Lg
    Jan

  2. Tom

    Sicherlich sind solche “Effekte” am Ende auch mit PS und Co. möglich. Aber irgendwie hat Film einfach von Grund auf einen Look, der schöner wirkt. Nicht so knackscharf, nicht so geschleckt. Schön!

  3. Alex

    Du hast ein Staubproblem ;-) Fusseln und Staub haben mit analogem Charme rein garnichts zu tun, sie zeugen einzig von schlampiger Arbeit

  4. lena

    oooch, ich finds gerade nett mit den fusseln, denn die passen zu den oldtimern. und analog rocks, die körnigkeit und leichte unschärfe haben charakter!!!

  5. Thomas

    Also die Bilder sind toll, das ist warum ich mich in das Analoge Zeugs verliebt habe….

    Bei den Besitzer gibt es bestimmt solche und solche und andere…
    Gewisse Fahrzeuge kann man sich ja erst ab eine bestimmten grösse der Portokasse
    leisten und da kann der Eindruck schnell mal täuschen …
    Durfte selber mal an einem Britisch Classic Car Meeting in St. Moritz teilnehmen, ein guter Freund hat einen alten Bentley. Gewisse Herren gaben am ersten Abend bei Apéro einen den Eindruck ab wie du ihn soeben erwähnst hast, am nächsten Tag sieht man sie im Leidenschaft an ihrem Oldtimer schrauben…voller Liebe und Zuneigung…Andere blieben alte reiche Statussymbol Besitzer…

    Musste meine Meinung bei genaueren hinschauen extrem revidieren…
    Hatte den Vorteil 3 Tage mittendrin zu sein….

    p.s billige Werbung ;)
    http://www.flickr.com/photos/dongga/sets/72157624871012000/

    • Jeriko

      Fair enough, ich will auch gar nicht alle über einen Kamm scheren – gerade das ältere Klientel ging da mit einem Glänzen durch die Autoreihen und fachsimpelten über all die Schätzchen, das war wirklich schön anzusehen.

      Aber es ist natürlich schon ein Unterschied, wenn ich mir the boys bei der Hot Rod Decadence anschaue, die nochmal die komplette Kultur leben, und dann hier diejenigen, die tatsächlich eine Maserati-Halskette brauchen, damit selbst der Dümmste noch versteht, dass sie ein dickes Auto haben.

  6. wm.beetlekult

    Ja – Kultobjekte ins rechte Licht rücken – das ist immer eine Freude und macht mit der entsprechenden Technik (hätte ich gern…) sicher viel Spaß! Man könnte behaupten, das es eigentlich keine große Kunst wäre, weil die Objekte schon selbst immer eigene Kunstwerke darstellen. Einfach draufhalten und knipsen geht sicher genauso wie Details auswählen und Bildausschnitte herstellen. Wollte damit nur zum Ausdruck bringen, daß es sich immer wie eine Auszeit anfühlt – egal, ob man zu einem Oldtimertreffen fährt oder sich “nur” die Bilder davon anschaut. Schöne analoge – zeitlose Welt! Oder wie hat es mal ein alter Slogan zum Ausdruck gebracht: “Schön, daß es sowas noch gibt!”

  7. gianpier

    ich freue mich immer, wenn Menschen zeigen, dass man mit alten Kompaktkameras, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, trotzdem vernünftige Bilder auf Film bannen kann…. Ob die Fussel jetzt auf schlamperei hinweisen, oder besonderen Charme ausmachen muss jeder selber wissen, man sieht jedenfalls auch an anderen Stellen, dass Du mit dem Film gekämpft hast ;-) aber… macht man das nicht immer? ;-)

    Grüße aus Bonn

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