Samstag, 25. Dezember 2010

VEB Chemiefaserwerk

Hallo ich war heute in einem nicht mehr benutzten VEB unterwegs und habe Fotos gemacht. Dinge, die ich dabei gelernt habe:

Nie wieder werde ich alleine ein verlassenes Gebäude betreten.

Nicht, weil man auf andere Menschen treffen könnte, das passiert eben. In den meisten Fällen sind es sowieso nur weitere Fotografen oder ein paar neugierige Spaziergänger, einmal bin ich über einen Obdachlosen gestolpert, der es sich dort eingerichtet hat. Das ist okay. Auch nicht, weil man zusammen mögliche Sicherheitsdienste austricksen könnte. Die gab es hier sowieso nicht, das Gelände war ja nicht mal abgesperrt, die Tür weit offen, so als ob man dazu eingeladen wird, einen Blick reinzuwerfen.

Nein, weil man sich helfen kann. Weil ich heute einen Raum erreichen wollte hätte ich mir beinahe das rechte Handgelenk gebrochen. Und wenn ich so rückblickend darüber nachdenke, dann nicht nur einfach so gebrochen, sondern richtig richtig böse gebrochen. Und dann hätte ich da gesessen, auf einem Gelände, auf dem ich mich nicht mal aufhalten dürfte, an einer Stelle, die nur schwer zugänglich ist, die ich mit kaputtem Arm auch nicht hätte verlassen können, und deren Weg dort hin zu beschreiben auch nicht wirklich einfach ist. Ich hatte Glück, mehr nicht.

Und das eigentlich ständig. Ich klettere in Gebäuden herum, die seit Jahren nicht mehr genutzt werden, um die sich keiner mehr wirklich kümmert, wer weiss schon, in welchem Zustand die sind? Einige auf dem Gelände des VEBs waren ja schon eingestürzt. Ich laufe draußen im Schnee herum ohne zu wissen, was sich darunter verbirgt – gerade diese alten Industrieanlagen hatten jede Menge unterirdische Anlagen, die nach Stilllegung freigelegt wurden, aber durch den Schnee nicht sichtbar sind. Regen lässt das Holz aufweichen, Zwischenetagen sind bereits eingestürzt, alle Böden sind von Schrott und Schutt bedeckt und verstecken eventuell Löcher, und woher soll ich eigentlich wissen, dass der Geruch in dem Dialyse-Raum, den ich auch heute anschaute, nicht giftig ist?

Erfahrene Urbexer werden sicherlich anmerken, wie dumm ich denn sein kann, bisher alleine unterwegs gewesen zu sein, dass wenigstens eine zweite Person dabei sein sollte, die im Fall des Falles Hilfe holen kann, und weils so eh mehr Spaß macht. Wahrscheinlich brauche ich immer eine kleine Erinnerung, damit ich an sowas das nächste Mal denke. So wie ein fast gebrochenes Handgelenk.

Und Füchse haben mehr Angst vor mir als ich vor ihnen.

Alle Fotos wie immer auch in groß bei Flickr.

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26 Kommentare

  1. Martin

    Mhmm.. Ich geb dir schon recht. Ich bin meistens immer mit einem “Model” unterwegs.. Aber dein Einsatz hat sich zumindest gelohnt. Sehr schöne Bilder hast du da geschossen.

    Hättest du dort noch einen Menschen in Szene gesetzt, hätte ich meinen Mund bis zu Sylvester nicht mehr zu bekommen. :)

    Geht es der Hand wieder gut?

    Grüße aus Leipzig

  2. SpiegelEule

    nimm mich das nächste mal mit!
    ich hab lust auf sowas und komme viel zu selten raus, weil ICH das nieeeee alleine machen würde.
    aber du bringst mich auf die idee mir morgen meine schwester zu schnappen und nochmal in die alte fabrikantenvilla am fluss hier bei meinen eltern zu gehen. hoffe nur, dass wir durch den schnee überhaupt vom hof wegkommen.

  3. Robert B. (robat645af)

    Ich hätte auch total Lust auf sowas, es gäbe auch ein paar interessante Objekte hier in der Rhein-Neckar-Region, aber da ich keine lokale UrbEx-Szene kenne und niemals alleine losgehen würde bliebs bisher bei der Theorie. Ich wusste gar nicht dass du bisher auch alleine unterwegs warst, ganz schön mutig ;)
    Aber die Bilder sind hervorragend geworden, ich hoffe das hilft ein bisschen über das Handgelenk hinweg.
    Wenn ich das nächste mal in Berlin bin und ein bisschen mehr Freizeit habe könnten wir ja mal was einplanen ;)

  4. Steven

    der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt, wie man sieht. Reicher an Erfahrung und an echt spannenden Bildern!

  5. Jens

    Wirklich tolle Bilder die du da wieder gemacht hast.
    Und ich kann gut verstehen, warum du alleine los gezogen bist. Auch wenn es Spaß macht mit mehreren zu Fotografieren, manchmal kann man sich alleine am besten konzentrieren und bekommt die besten Ideen. Trotzdem sollte man den Sicherheitsaspket natürlich nie vernachlässigen.

  6. Anton

    Stimmt da gebe ich dir vollkommen recht. Ich gehe auch nie wieder alleine in eine alte verlassene ruine.
    Vorallen wenn man dann noch Plätze finde mit einen leeren Raum und dann in der Mitte ein einsamer Stuhl mit Tesaband und Blut auf dem Stuhl und davor.
    Deswegen dann lieber auf die paar (wenn auch sehr guten) Fotos verzichten als, das noch etwas passiert.
    Das mit den Verletzungen ist auch so ein Ding vorallen wenn man erst herum kletter muss über dsa Dach von ein Fabrikgebäude.

    Also leichtes Gepäck da mann nie weis was vor Ort auf einen Wartet und Unterstützung mitnehmen.

    Falls du nochmal Unterstützung benötigst oder nur lust hast mal unter Gesellschaft zu fotografieren, einfach ein paar Tage vorher e-mail schreiben und vielleicht Termin vereinpaaren.

    Gruß Anton

  7. lena

    die bilder waren das abenteuer doch aber wert, die sind ja echte kracher. und interessant ists auch mal, somit einen eindruck vom inneren eines veb-werks zu bekommen. gefahren lauern doch überall, auch bei nem lauf durch den wald kann man umknicken…ist nicht wirklich vergleich mit dem risiko verlassener gelände, aber passieren kann immer und überall etwas.

  8. Stomi

    Ja, man sollte echt immer zu zweit gehen. Das letzte mal als ich in so einem verlassenen Haus war, war ich mit meinem Bruder unterwegs und nur deswegen hatte ich am Ende meine Kamera nicht beim ins Haus einsteigen geschrottet, denn hab sie ihm vorm klettern in die Hand gedrückt, stürzte allerdings, fiel 3m und landete auf Steiß und Händen.
    Oh, gute Fotos übrigens. :)

  9. Christiane

    Mich durchfährt es heiß und kalt wenn ich die Bilder ansehe. Heiß, weil die Neugier und mein Kopf das, was sie da sehen, zuordnen wollen, verstehen wollen, was in diesem Werk passierte. Denn dazu sind wir Fotografen ja da, um etwas zu dokumentieren, um zu begreifen, was tagtäglich in diesem Werk geschah, bevor die auslaufenden finanziellen Mittel und die Zeit die Momente festfroren innerhalb der Hallen.

    Kalt, weil ich weiß, dass dir da bestimmt nicht immer wohlig zumute war, und ein zumindest vages Chemikalienverständnis oder eine zweite Meinung eine bessere Grundlage für so eine Fototour gewesen wären.

    Trotz alledem: Fantastisch! Abenteuerlich. Unfassbar bewegend, weil du es geschafft hast, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Bei mir zumindest.

    Diese Fotos wirken ihrer selbst willen.

    Nimm trotzdem nächstes Mal jemanden mit, damit du in Zukunft noch einiges mehr für die unwissende Außenwelt dokumentieren kannst, bitte :-)

  10. Chief A.

    Auszug …

    … Nein, weil man sich helfen kann.

    Nicht schlecht Dein Beitrag – aber Korrektur lesen vor posten – wäre zum Beispiel eine gute Idee …
    Und was soll denn ein ” fast gebrochenes Handgelenk ” sein ? Entweder es ist gebrochen – oder es ist nicht gebrochen … Es gibt auch kein ” Fastschwanger ” …

    Und denke daran – Kritik ist immer konstruktiv … egal wie sie ausfällt !

    h.a.n.d ( have a nice day )

  11. Jeriko

    @Martin: Dazu hab ich noch einen Beitrag in Arbeit, der dass ein wenig erklärt. :-)

    @SpiegelEule: Deal :-)

    @Robert B. (robat645af): Yeah, sehr gerne! Hier in Berlin ist es leider ein bisschen schwierig, an erfahrene Urbexer zu kommen, sind ein recht verschlossenes Völkchen – zu Recht allerdings. Das hier war ein wirklicher Glücksgriff, und wo der VEB sich befindet verrate ich ja auch nicht.

    @Jens: Aber zu zweit kann man sich ergänzen, außerdem ist es sehr spannend zu sehen, was andere aus einem gegebenen Motiv so machen!

    @Anton: Fairerweise: das könnte auch inszeniert sein. Viele nutzen solche Umgebungen ja für Shoots, die auch mal auf solche Utensilien setzen. Wobei ich da etwas zwiegespalten bin. Leave nothing but footsteps…

    @Christiane: Ach ging schon. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dort etwas hochgiftiges zurückgelassen wird, das wäre angesichts der nicht vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen (wie geschrieben, alles war offen) grob fahrlässig. Trotzdem, der Geruch in dem Dialyse-Raum war schon heftig.

  12. Lordy

    Das Problem ist ja, dass die Fotos am Ende so gut sind, dass man das Gelernte beim nächsten Mal wieder vergisst, weil tolle Fotos winken, oder?

    Hier sind die Fotos wirklich genial :D.
    Wobei die Freude, dass du dir nix getan hast, doch überwiegt. ^^

  13. CindyCut

    Es sind ein paar Fotos dabei, die mir ausgenommen gut gefallen, besonders das zweite und das sechste, obwohl ich es bei letzterem besser gefunden hätte, wenn Du etwas näher ran gegangen wärst.

    Für’s nächste Mal: Meld Dich einfach bei mir, ich komm mit Dir und pass auf Dich auf ;)

  14. Jügen

    @Robert B. Ja Ja die Rhein Neckar Region. Der kleine “Ruhrpott” sozusagen ;-)
    Besonders im Norden Mannheims lohnt es sich im Industriegebiet die Augen offen zu halten. Aber auch drumherum wie in Schwetzingen (Bahnausbersserungswerk) gibt es kleine Urbex Abenteuer.

    Ich habe die Erfahrung gemacht dass viel bringt einfach mal bestimmte Zuständigkeiten anzusprechen. Besonders auf Bahngelände konnte ich durch ein kurzes Gespräch sogar schaffen, dass man mich begleitete. Beim Mannheim 21 Gelände zum Beispiel. Da hat mir ein freundlicher Bahnmitarbeiter sogar einiges zu den Ruinen erklärt.

    Das ist manchmal natürlich nicht immer möglich, aber bervor man ein zu hohes Risiko eingeht.

  15. Marc vm

    Da sind ein paar richtige Knaller dabei. Das “Aceton” Bild gefäält mir am besten. Ich liebe bei dieser Art von Fotografie mehr die Detailaufnahmen als die Totalen.
    Ja, nie so etwas alleine machen, auch nicht in Bunkern, Stollen, im tiefsten Wald (gibt’s ja noch ein paar mal in Deutschland) oder sonst wo. Das ist schon grob fahrlässig, ich kenn das vom moutainbiken ;)

  16. Jimmy Klick

    urban exploring? hat was von

  17. Jan

    Das sind wirklich umwerfende Fotos! Alte Industriegebäude und Fabriken haben wirklich einen ganz besonderen Charme, leider bei uns in der Gegend nicht (mehr) vorhanden.

  18. pulsiv

    oh ja. kenn ich nur zu gut… ich bin generell lieber mit ein oder zwei leuten unterwegs… man bringt sich gegenseitig auf ideen, kann sich helfen, und (jedenfalls gehts mir so) man lässt sich auch mehr zeit und geht gründlicher vor, wenn andere dabei sind.

    coole bilder dabei!

  19. Matthias

    Na gelohnt hat es sich ja wenigstens. Den Rest hast Du ja selbst schon erkannt …

  20. Dominik

    Das letzte Bild fasziniert mich. Keine Ahnung warum. Hast du die Person da gefunden?

  21. Daniel

    Moin,

    gerade die Bilder entdeckt…geb zu hab lange nicht vorbeigeschaut…aber bin voll begeistert.

    Wenn du mal Bock auf eine Leipziger Tour hast, sag bescheid ;-)

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