
Red Bull hatten also Thang und mich nach Tokyo zur BC One eingeladen. Reichen da zwei Tage überhaupt aus, um sich ein Urteil zu bilden? Wahrscheinlich nicht, aber ein erster Eindruck bleibt natürlich. Ein paar Gedanken.
Die Höflichkeit, diese unglaubliche Höflichkeit. Die Ordnung. Ich glaube, die Japaner sind tatsächlich sehr korrekte Menschen. Schön zu erkennen an den Subway Stations, wo man sich in Reihen an Markierungen aufstellt, an denen später die Türen des Zuges sein werden. Und während hierzulande die ersten schon die Bahn stürmen, weil sie Angst haben, sie müssten stehen, wird in Tokyo erst eine Gasse gebildet, damit die Leute aussteigen können. Danach füllt sich der Zug aufs Neue. Es ist nur ein kleines Detail, aber wenn dich in Berlin morgens eine fette Kuh fast umrennt, während du noch nicht mal aus der Straßenbahn ausgestiegen bist, nur weil sie keuchend nach einem Sitzplatz giert, dann wird dieses Detail tatsächlich sehr angenehm.



Das Chaos. Es wirkt komisch, aber dafür, dass die Japaner eben so korrekt zu sein scheinen ist Tokyo ein unglaubliches Chaos. Nicht nur das Metropolen-Chaos, wie man es auch in New York vorfindet, ich habe mehr das Gefühl, dass jedes Haus komplett anders aussieht. Wenn ich raten müsste, würde ichs sagen, dass die Stadt Stück für Stück gewachsen ist, Haus für Haus, und jeder sich anders verwirklichen wollte. Es ist faszinierend, wirklich, gerade wenn man abseits der touristisch interessanten Ecken mal durch ein Wohnviertel läuft.



Die Automaten. Immer und überall Getränke kaufen zu können ist großartig. Solange man den richtigen Knopf erwischt, ansonsten gibts auch mal eine Chilisuppe mit Chilibohnen, die zu groß sind, um durch die Dosenöffnung zu passen. Und das Ganze dann noch in warm. Buargh.
Und dann wird es zuviel. Wahrscheinlich muss man sich einfach daran gewöhnen, aber aus jeder Ecke wird man mit Reizen vollgeballert. Überall japanische Stimmen, die Produkte anpreisen, überall Fernseher, überall Menschen, alles grell, alles neon, alles noch größer und lauter und enger. Kaufhäuser, die wie Losbuden auf dem Rummel aufgebaut sind. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass die Japaner diesen krassen Ausgleich zu ihrem sehr leistungsorientierten Leben brauchen. Ob es stimmt, ich weiss es nicht, überraschen würde es mich aber nicht. Trotzdem war ich um jeden Moment Ruhe dankbar.



Am schwierigsten war es aber, völlig auf andere angewiesen zu sein. Die meisten Japaner können kein Englisch oder verstehen nur wenige Wörter. Englische Beschreibungen, zum Beispiel in den Subway Stations, findet man nur nach längerem Suchen. Unsere Restaurantwahl wurde nicht durch unseren Geschmack bestimmt, sondern dadurch, ob es eine englischsprachige Karte gibt – und die zu finden kann dauern. Und von den Beispielen gibt es noch mehr. Ich fühlte mich gelegentlich einfach hilflos, wenn sie mir etwas erklären wollten, ich aber kein einziges Wort verstehe, und es ist schwierig, dieses Stück Kontrolle aus der Hand zu geben und auf andere zu vertrauen.







Natürlich wäre es blöd, von den paar Erfahrungen auf alles zu schließen. Wir haben uns schließlich nur in Shibuya und Shinjuku aufgehalten, von Tokyo eigentlich nichts gesehen, von Japa noch viel weniger. Der erste Eindruck, er ist gemischt. Das Interesse ist aber da, mehr zu erfahren. Mal sehen, was sich so ergibt.
Alle Fotos wie immer auch in groß bei Flickr.
Mir gefallen deine Fotos, aber :)
Warum komplett S/W? Gibt´s dafür einen bestimmten Grund oder hattest du nur Bock drauf?
warum ganz sw?
Tja Tokio, reizt mich ungemein. Heute morgen noch bin ich über eine Fotoserie zur Tokioter U-Bahn gestolpert und habe darüber kurz gebloggt. Irgendwie läst mich das “komplett andere” dieser Stadt nicht los. Ich werde wohl mal hin müssen. Meine Frau war schon mal dort und schwärmt immer wieder. Was mich jedoch wirklich eine wenig “abschreckt” ist wie du auch bemerkst das mangelnde englisch. Naja, nicht richtig, aber irgendwie schon.
Ich finde die Automaten Bilder klasse. Am besten jedoch die Zebrastreifen Szene. Das ist Tokio wie ich es mir vorstelle ;)
Und ja, die deutsche ÖPNV Kultur ist wiederlich egoistisch.
Krass.
Auf Twitter konnte man eure Erlebnisse ja teilweise miterleben & selbst da wirkt es schon etwas chaotisch. Ich persönlich kenne das Land nur von Bildern & dem TV & bin jedes mal fasziniert, wie stark die Reizüberflutung selbst auf der Mattscheibe schon rüber kommt.
An Hand deiner Fotos, zum Beispiel das mit den vielen Plakaten im Treppenhaus oder dem Zebrastreifen mit den vielen Menschen, ist diese Kraft & dieses Übermaß an Informationen & Reizen, wie ich finde, auch sehr gut erkennbar.
London zum Beispiel als Welt-/Großstadt ist für mein Empfinden, im Vergleich zu dem Bild welches ich von Japan/Tokyo habe, viel ruhiger.
Hast du eventuell noch “Farb”-bilder von eurem Trip, sodass man diese Neonwelt mal aus deinem Fokus zu Gesicht bekommt?
Mfg
ich tippe mal darauf, dass noch eine komplette farbserie kommt ;)
sehr schicke bilder geworden, wie nicht anders zu erwarten!
Tolle Bilder. Das Schwarzweiße gefällt mir sehr gut und passt zu den Fotos.
Echt super Fotos. Die Nummer 10 gefällt mir am besten.
Oh mann, ich liebe die Bilder. Lass das nächstes mal mit der Gasse mal probieren, vielleicht zieht ja irgendjemand mit :-D
Das mit der fetten Kuh hast du unglaublich treffend formuliert. Chapeau. :)
Schöne Story und tolle Bilder. Die Wohnviertelbilder find ich spannend – gerne meeeeehr.
Ich war bis vor einer Woche da und es scheint mir so als hättest du dich genauso dort bewegt wie ich: Shibuya Crossing, Shinjuku Park, Yodabashi Camera :-D.
Die gesamte Stadt wird extrem organisch gewachsen. Teilweise wirken Bezirke ob ausserhalb oder im Zentrum so chaotisch gebaut. Wenn man weiter rausfährt merkt man auch, dass soetwas wie eine charismatische Skyline fehlt. Schade …
Bei der Restaurantanektote musste ich echt schmunzeln – kenne ich. Überhaupt muss man sagen, das Tokyo auf Touristen scheisst. Kaum englische Menüs in den Restaurant, aber auch z.B. kaum Wechselstuben wie man das aus anderen Metropolen kennt.
Ein paar weitere Dinge fand ich sehr krass:
- Keine Mülleimer in der gesamten Stadt, der Japaner nimmt seinen Müll mit nach Hause!!!
- In Fahrstühlen sind die Knöpfe für Tür öffnen und schliessen am häufigsten benutzt :-)
- Die Häufigkeit von sinnlosen Jobs: Leute, die auf Baustellen bewachen oder einfach nur Schilder halten für: “Bitte weitergehen”
- Die krassen Stylescrimes rund um Shibuya und Harajuku
Ich konnte die ersten 3 Nächte nicht pennen, weil wir immer so 16,17 Stunden am Tag unterwegs waren und alles nur noch blitze nachdem man seine Augen geschlossen hat. Wie das wohl für dich gewesen sein muss bei effektiv nur 2 Tagen Zeit – Respekt.
Zum Einstimmen habe ich dieses Buch gelesen. An zwei intensiven Nachmittagen durch, aber mehr als nett.
http://www.amazon.de/Tokio-Total-Mein-Leben-Langnase/dp/3442312116
Und auch gerne hier auf Flickr vorbeischauen – knapp 50 Bilder aus 10 Tagen bisher
http://www.flickr.com/photos/theblackstar/sets/72157625389134866
@Adde:
Den Tokio flickr stream von Adde (dort Blackstar) kann ich nur empfehlen, super interessante Aufnahmen.
Du hast mich doch erst vor ein paar Tagen bei flickr als Kontakt hinzugefügt oder? Soviel Tokio auf einmal in einer Woche, wohl ein Zeichen ;)
@Adde: Ah richtig die Mülleimer! Bzw. die nicht vorhandenen ;-) Auch dass die ganzen Restaurants in oberen Stockwerken sind, und es dann auch gerne mal vier oder fünf pro Haus gibt war mir erst mal neu….
ich schreibe heute zum ersten mal, lese deinen blog aber schon länger. jedes mal, wenn du bilder von dir zeigst, verliebe ich mich in die details, die darin vorkommen. einfach unglaublich, auf welche art du fotografierst. wie stimmungen dadurch entstehen.
bravo!
@Marc vm: Hey Marc. Klar erinnere ich mich. Hätte deinen Namen wohl überlesen. Ab sofort werden die Kombination Marc und Fotographie bei mir entsprechendes auslösen :-)
@Jeriko: Herrlich mit den Restaurants. Ich war in einem solcher Häuser, in dem die Fahrstühle dann auch mittem im Restaurant stehen und man dann entsprechende Blicke auf sich zieht, wenn man sich aufgrund der nicht vorhanden englischen Karte doch in das nächste Stockwerk begibt.
In diesem Kontext fällt mir noch ein, dass die Fahrstühle in großen Geschäften wie Apple oder Abercrombie wie Paternoster genutzt werden – zumindest in eine Richtung. Nach unten muss komplett an allen Produkten etc. über die Treppen nach unten laufen :D
Auf diesen Beitrag habe ich gewartet ;)
Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht – super schöne Fotos.
Schade nur, dass es nur s/w zu sehen gibt. Wenn eine Stadt für Farbfotos gemacht wurde, dann ja wohl Tokyo!
Danke danke! Es kommt noch weitere Serien von Tokyo und der BC One selbst, also keine Sorge, da dürfte dann auch was für die Farbfreunde dabei sein :-)
@mara s.: Danke, freut mich dass es dir gefällt! :-)
@Adde: Wir habens in einem probiert, wurden aber von Stockwerk zu Stockwerk weiter verwiesen. Obs daran lag, dass sie wirklich keinen Platz mehr hatten oder keine doofen Touristen haben wollten, keine Ahnung. Irgendwann haben wir uns dann auf Restaurants in Erdgeschossen oder Kellern beschränkt.
@junk_f: Dieses Treppenhaus ist eben in diesem Kaufhaus. Es geht über fünf Etagen, jede davon vollgestopft(!), ohne ersichtliche Ordnung, von überall werden andere Dinge angepriesen, alles in grell und noch greller. Ganz ehrlich, ich war froh als wir dort wieder draußen waren.
Sehr schöne Bilder!
Und ja … Tokyo wächst … Das geht wohl soweit, dass die Hausnummern nicht wie bei uns gewohnt vom Stadtinneren nach aussen fortlaufend, sondern nach Bauzeitpunkt, vergeben werden. Ältere Bauwerke verschwinden auch gerne mal und werden durch neue ersetzt – da wo früher Haus Nr. 7 war, ist jetzt 1245 und Haus Nr. 42 ist zwischen 358 und 19 …
Die Japaner lieben das, auch die uralten Tempel sind nie älter als ein paar Jahrzehnte, weil sie ständig erneuert werden.
Aber was ich auch absolut faszinierend finde, ist der offensichtlich vollkommen andere Zugang zur Ästhetik … Insbesondere der krasse Gegensatz zwischen den schlichten, traditionellen Malereien oder der zermeoniellen Kultur und der schreiend bunten Werbewelt Tokyos …
Zwei Tage, was für eine Achterbahnfahrt muß das gewesen sein … ;)
sehr coole bilder finde auch das SW hier super passt in farbe wär es sicher noch chaotischer :D
finde auch, sw passt sehr gut.
danke für den interessanten ausflug in eine mir ziemlich fremde kultur.
Ich bin beeindruckt! Ich denke aber, dass die Bilder einen in Farbe total erschlagen hätten aufgrund der ganzen Vielfalt an Reklame, Buchstaben, Poster, etc. (Farbe schau ich mir gleich noch an)
Eigentlich woltle ich fragen, wie man sich in dieser Stadt zurechtfindet, wenn man doch rein gar nichts lesen und verstehen kann – aber das hast du ja schon beantwortet.
Schön eingefangen. Ich hoffe, du hattest wenigstens Gelegenheit mal bei MapCamera in Shinjuku vorbeizuschauen.