Mittwoch, 10. November 2010

Die erste Digitalkamera der Welt

Was aussieht wie ein etwas zu groß geratener Dia-Projektor ist tatsächlich die erste Digitalkamera der Welt, 1975 von Kodak’s Steve Sasson aus einer Super 8 Kamera, einem Kasettenrekorder, 16 Batterien, ein paar Platinen für die Programmlogik und einer, wie Sasson sagt, recht temperamentvollen Art von CCD zusammengebastelt. Letzter hatte die sagenhafte Auflösung von etwa 0,1 Megapixeln und brauchte auch nur 23 Sekunden für die Aufnahme eines Bildes auf eine Kasette. Um die Bilder anzusehen musste die Kasette in ein anderes Gerät gelegt werden, dass aus den 100 Horizontallinien 400 interpolierte, daraus dann ein NTSC-Signal erzeugte und an einen Fernseher ausgab.

Drei Dinge daran finde ich bemerkenswert. Zum einen das Jahr, 1975. Ich meine, wow, ich hätte auf die 80er getippt, aber das die Technik so alt ist hätte ich dann doch nicht gedacht. Okay, ich gehe bei sowas immer von tatsächlichen Geräten für den Konsumenten aus, und die gab es, wenn meine Recherche stimmt, auch erst 1981 mit der Sony Mavica. Trotzdem.

Natürlich kamen auch wieder die üblichen Fragen der Skeptiker, warum man seine Bilder auf einem Fernseher anschauen solle, für wen das überhaupt gut sein soll, wann das Produkt Otto Normalo erreicht – hatten wir alles schon beim Telefon, dem Farbfernseher, bei Heavy Metal und dem Internet.

Zu guter letzt hatte ich bei Kodak angefragt, ob es noch eine Originalaufnahme gibt – leider nicht. Okay, dass die Ingenieure da quasi eine kleine Revolution in petto hatten wussten sie selber auch nicht, also warum sollte man, rein vom Motiv her gesehen, wahrscheinlich uninterssante Fots behalten wollen? Aber genau aus dem Grund ist das mit den Datenformaten ja so wichtig – wer sagt uns denn, dass all die Fotos, die wir auf unseren Platten horten, in 35 Jahren überhaupt noch lesbar sein werden? Ich bin durch Änderungen am RAW-Format meiner neuen Kamera derzeit gezwungen, einen Release Candidate von Lightroom zu benutzen, ältere Versionen können es nicht lesen. Es stimmt mich zumindest ein bisschen nachdenklich, gleichzeitig ist damit aber auch klar, dass offene Standards gut und wichtig sind.

Steve Sasson wurde für die Erfindung der Digitalkamera in die Consumer Electronics Hall of Fame aufgenommen. Die Story lässt sich bei Kodak oder MSNBC nachlesen.

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8 Kommentare

  1. tobue

    Nur der Vollständigkeit halber, weil der verlinkte Artikel über die Mavica aussagt:
    “Sony Mavica, the first commercial electronic still camera. It was not a digital camera, as its CCD sensor produced an analog video signal in the NTSC format at a resolution of 570 × 490 pixels.. Elektronisch ja, digital noch nicht.

  2. rob_rob

    Damals haben sie sich noch alle gut verstanden. Kodak, Sony und Motorola die übrigens erste wirkliche DIgitalkamera hatte 128px X 128px :D weit sind wa gekommen.

  3. Christian

    Unglaublich, wenn man bedenkt dass heute jedes Handy eine integrierte Cam hat. Krass, wie schnell die Informationsrevolution sich durchsetzte.

  4. Laney5569

    wow cooler artikel ich wusste garnicht das es sowas gab! scharfes teil :D

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