Mittwoch, 27. Oktober 2010

Jimi Hendrix oder Joe Satriani?

Unter Gitarristen gibt es seit Jahren eine manchmal recht hitzige Diskussion, wer denn nun der bessere beste Gitarrist aller Zeiten ist, Joe Satriani oder Jimi Hendrix. Für einen Außenstehenden mag die Frage etwas müßig sein, denn wer weiss schon, wie Jimi heute gespielt hätte, würde er noch leben – auf Valleys of Neptune, der letzten Studioauskopplung, konnte man ja diesen Stilwechsel ja schon beobachten. Und trotzdem.

Auf der einen Seite Joe Satriani, der technisch perfekte Gitarrist. Ein Konzert mit ihm sieht ungefähr so aus, dass allen, die Gitarre spielen, die Kinnlade auf den Boden klappt, weil sie nicht glauben können, dass das, was sie da auf der Bühne sehen, physisch überhaupt möglich ist, während die Freunde, die einfach mal reinschauen wollten (so wie ich) etwas ungläubig auf das Gesamtbild – Satriani und die Fans – schauen. Es hat ein bisschen was von einer Performance. Er ist technisch perfekt, ja, aber alles, was ich bisher von ihm gehört habe, was zugegeben nicht so wahnsinnig viel ist, konnte mich nicht vom Hocker reissen. Ich habe nicht das Wissen, ob das, was er da macht, wirklich so anspruchsvoll ist, und rein vom Sound her ist es nicht meins. Trotzdem würde ich, und auch sonst niemand, besagte Perfektion nie in Frage stellen.

Auf der anderen Seite Jimi Hendrix. Er war unfassbar gut, und ich möchte mir gar nicht ausmalen, zu was er noch fähig gewesen wäre, wäre er nicht mit 27 Jahren gestorben. Aber er war nicht perfekt. Er musste es aber auch nicht sein, denn er hatte dieses Etwas, dieses Unvergleichliche, dieses Feeling, wenn mir dieser etwas doofe Begriff gestattet ist. Es war nicht Hendrix und seine Gitarre, er war die Verlängerung des Instruments, er war eins mit ihr. Er konnte seinem Sound Leben einhauchen, er wusste genau, wie er die Gitarre zu bedienen hatte, um das zu erreichen, was er wollte. Einen Lehrer hatte er nie, er hat sich alles selbst beigebracht, in dem er wie ein Verrückter übte, sich bei erfahreneren Musikern Tipps holte, ständig Musik hörte. Trotzdem würde niemand seinen Einfluss auf die Welt der Gitarren in Frage stellen.

Unter Gitarristen gibt es seit Jahren eine manchmal recht hitzige Diskussion, wer denn nun der bessere beste Gitarrist aller Zeiten ist, Joe Satriani oder Jimi Hendrix. Eine Frage, die sich nicht beantworten lässt, denn jeder muss für sich entscheiden, was er als den richtigen Weg erachtet.

Das gilt übrigens auch für die Fotografie.

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18 Kommentare

  1. Teymur Madjderey

    Ich würde ja sagen, das Steve Vai beide in die Tasche steckt. Rein technisch. Aber Satriani hat es in meinen Augen doch vor Hendrix geschafft. Ich finde es schön solche Fragen so richtig subjektiv zu beantworten.

    Gruß
    Teymur.

  2. der stilpirat

    Die Frage ist nur, wer von beiden hat denn jetzt eine Ausbildung zum Gitarristen genossen und war trotzdem oder gerade deshalb beser?

  3. Tom

    Und welcher einem sympathischer ist, war mir zumindest nach wenigen Sekunden klar :)

  4. Jeriko

    @der stilpirat: Stellt sich die Frage denn? Was ist “besser”? Technische Perfektion oder dieses gewisse Etwas? Im vorherigen Beitrag schrieb ich noch, warum mich Fashion- bzw. Beauty-Fotografie eher kalt lässt, während zum Beispiel analoge Street Photography einen ziemlichen Reiz auf mich auswirkt. Aber das bin ja nur ich, andere finden Beauty gerade wegen den Details, der Perfektion usw. interessant.

  5. shultzie

    Gitarristen lassen sich nicht miteinander vergleichen. Schon gar nicht über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten… Zumal es ja nicht nur diese beiden gibt, sondern auch noch Leute wie Carlos Santana, Robert Johnson, B.B. King, Eddie Van Halen oder Eric Clapton! Und auch das ist nur ein kleiner Abriss der Geschichte der glorreichen Gitarristen…

    Wenn man überhaupt eine Wertung vornehmen kann, dann aufgrund dessen, wie sehr jeder einzelne Gitarrist die Musikwelt beeinflusst hat. Und da fallen Leute wie Satriani oder gar Steve Vai (der im übrigen nur ein Gitarrenschüler von Joe Satriani war und außer der Tatsache, dass er eine siebte Saite auf der Gitarre braucht, nahezu nullkommanull Einfluss auf die Musikhistorie hat) eben hinten runter…

    P.S. Ich bin selbst seit 20 Jahren aktiver Gitarrist, und meine Einflüse liegen eindeutig bei Robert Johnson und Eric Clapton… ;-)

  6. tobi

    Das gleiche hab ich als Kommentar auf den Beitrag “Kann man Fotografie lernen?” geschrieben, nämlich dass die wahre Frage “Ist Kreativität und eigener Stil erlernbar?” lautet.

  7. Teymur Madjderey

    Aber wenn es doch eh dann wieder nur auf den Geschmack zurück kommt, ist der Beitrag ja eher nutzlos oder nicht?!

  8. Jeriko

    @Teymur Madjderey: Ja, ist er. Genauso wie die Diskussion Apple vs. PC, Beatles vs. Rolling Stones, Köln vs. Düsseldorf, Windows vs. Linux usw… alles Fragen, die sich nicht eindeutig beantworten lassen, jeder muss für sich entscheiden, was ihm besser liegt.

    Wobei ich die Frage vom Stilpirat dabei nicht in Frage (haha!) stellen will. Und nicht alles hier muss einen Nutzen haben :-)

  9. Teymur Madjderey

    @Jeriko: war jetzt auch gar nicht böse gemeint oder so. dachte nur, da wäre jetzt noch etwas mehr raus zu holen…

  10. karmel

    ich würde es eher als psychologischen knacks bezeichnen, irgendwo perfektion zu suchen.
    gitarristen sind da eh extremfälle.
    was zu beobachten ist: die meisten fahren total auf solis mit 13 noten pro sekunde ab weils – ganz klar – auch unglaublich ist. der musikalische wert dergleichen ist allerdings in frage zu stellen, denn es ist pure technik, ein bis zwei skalen mit affenzahn rauf und runter zu spielen.
    hendrix war ein gefühlsmensch – jede note war da weil sie dahin gehörte, weil sie eine botschaft hat.

    perfektion – in meinen augen – ist höchstens in der beherrschung der musikalischen sprache von nutzen – damit man auch das rüberbringt was man sagen will.
    mag sein, daß satriani diese sehr gut beherrscht, bloß scheint er fast ausschließlich redundantes zu sagen haben.
    jimi war halt ein mensch, der niemandem was beweisen musste.
    das ist der unterschied. und (auch) deswegen scheiden sich die geister.

  11. Mart

    Das Gleichnis finde ich eher ungeeignet, da bei der Fotografie andere Vorraussetzungen herrschen.
    Technische Perfektion hat hier viel mehr mit dem eingesetzten Gerätepark zu tun, als bei der Musik.
    Bestimmte Bilder lassen sich nun mal nur mit Hilfe von Equipment im Gegenwert eines Mittelklassewagens sowie Models, Visa, Bühnenbauern etc. machen – bei Gitarristen tut es eine Gitarre, ein Amp und ein wenig Effektkrempel.

    Ansonsten geht mir das ständige Vergleichen, weil völlig sinnlos, mächtig auf den Zeiger. Kaum ein Youtubevideo eines Musikers, unter dem nicht irgendein Horst “XY ist aber besser” schreibt. Musik ist kein Wettkampf … sondern der ganz persönliche Ausdruck eines Individuums.
    Das gilt übrigens auch für die Fotografie. :-)

    … denn auch hier wird kräftig gemauert, auf dass der eigene Horizont sich bloß nicht erweitere. Aktfotografen, die gegen “Libellenknipser” wettern, Naturfotografen, die alles, was nicht knackscharf ist, als nicht gelungen verdammen, Stillifer, die Pressefotografen nicht ernst nehmen, weil diese mehr als 3 x am Tag auslösen … usw, usf.

    Es gibt nicht „Die“ Fotografie. Fotografieren ist eine Form sich auszudrücken die komplett unterschiedlich ausfallen kann, ja: muss. Der eine braucht für “seine” Bilder einen riesigen Gerätepark, nebst die Fähigkeit, diesen zu beherrschen, dem anderen reicht eine Holga – oder eine Billigknipse von Aldi. Per se besser oder schlechter ist das Ergebnis deswegen noch nicht.

  12. Christian

    ich weiß, dass es völlig am Thema vorbei ist, aber beim Lesen fiel mir halt spontan die folgende kleine Anekdote ein: »In der Tonight-Show von Johnny Carson beantwortete Edward van Halen einmal die Frage What is it like to be the greatest guitarist on Earth? mit Go ask Steve Lukather. « (Ich würde zustimmen)
    ( http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Lukather )

    (Ja, es ist klar, was Du sagen willst)

  13. DasMaddin

    Das Einzige, was (für mich) zählt, sind: Eier (klingt polemisch, aber ich denke, ihr wißt, was gemeint ist..).
    In der Fotografie, in der Musik..

    Ich war nie gut in Mathe und wäre nie ein perfekter Gitarrist geworden (auch wenn ich weiter gespielt hätte).. Und trotzdem haben wir gute Musik gemacht.. Und das sehe nicht nur ich so.. :)

    Ich möchte als mein persönliches Idol noch Dimebag Darrell erwähnen (Pantera), der meiner Meinung nach beides verbindet: Eier und technische Versiertheit..
    Und: ich habe noch keinen Gitarristen von einer von mir favorisierten Band sagen hören, dass Joe Satriani ein Vorbild sei.. Über Jimi Hendrix hört man das öfter.. Mehr braucht man dazu nicht sagen.. :)

    M.

  14. Laney5569

    ich finde das Hendrix die besseren Lieder geschrieben hat und deswegen der bessere Gitarrist ist. Aber solche vergleiche find ich eh…dämlich und unnötig :-/

  15. Roger

    Ich bin großer Fan von Steve Vai und Joe Satriani. Habe beide auch schon “live” erleben dürfen.Da ich selber auch seit ca. 30 Jahren Gitarren quäle, habe ich logischerweise auch die Signature-Modelle (Ibanez JEM & JS) der beiden Künstler. Aber – es gibt nicht DEN Gitarristen aller Zeiten, oder wie man es auch nennen mag. Persönliche Präferenzen spielen eine große Rolle. Sachlich nüchtern lässt sich so ein “Titel” wohl kaum begründen. Wer mal einen Ausflug in den Jazz oder die Klassik macht, findet jede Menge fähiger Gitarristen. Ich glaube, es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wenn ich gefragt werde ( und das werde ich oft ), wer der bessere ist – Steve oder Joe – kann ich darauf keine Antwort geben. Die “abgedrehtesten” Stücke und Arrangements hat sicherlich Steve – aber kann er deswegen besser spielen? Er hat außergewöhnliche Ideen – ich glaube da wird mir niemand widersprechen, der seine Musik kennt. Aber…(ich finde keine Antwort). Früher war ich auch großer Richie Blackmore Fan ( Deep Purple ). In meiner Jugend war er der “Größte” für mich. Ich denke, der persönlich beste Musiker ist immer der, welcher den eigenen Musikgeschmack trifft – und – das kann sich auch wandeln im Laufe der Zeit. Hendrix, Satriani, Vai, Malmsteen, Blackmore, Moore, Akkermann, Benson, Gilmore oder oder oder…? Manchmal finde ich auch meine Ideen / Stücke gut – z. B. crazy chicken (myspace.com/ruedigerhellmann). Vielleicht hört der ein oder andere mal rein? Let´s rock!!! (egal, in welche Richtung)

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