
Und dann zog es mich seit langem mal wieder nach draußen, weg aus der Stadt, hin zu einem Stück Vergangenheit, von Berlin, ja, gewissermaßen aber auch von der ganzen Welt. Die NSA Abhörstation auf dem künstlich angelegten Teufelsberg, Ende der 50er in Betrieb genommen, 1991 von den Amerikanern und Briten verlassen, seit dem mehr oder weniger leer stehend, auch wenn es wohl einige Bestreben gab, mit dem Gelände etwas anzustellen.


Seit 2005 wird das Gelände von einem Wachschutz bewacht. Gut, macht Sinn, zum einen gab es ordentlich Vandalismus, zum anderen besteht dort wirklich Lebensgefahr, da genau gar nichts gesichert ist. Wirklich dafür interessieren tut sich dann aber doch niemand. Das Tor mag verriegelt sein, im Zaun gibts in 10-Meter-Abständen Einstiegslöcher, die von Photographen, Wanderern, Abenteuerlustigen und selbst Familien eifrig genutzt werden. Es gibt gar eine Interessensgemeinschaft, die unabhängig vom Eigentümer des Geländes, die künstlerische Szene in den Gebäuden fördern will. Golfer üben ihren Abschlag auf den Dächern der Abhörstation und erinnern mich unweigerlich an eine Szene aus Fight Club. Und irgendwie muss man auch so aufs Gelände kommen, denn zu meiner Überraschung hat eine Truppe dort ein Musikvideo gedreht, und die sind immerhin mit fünf Wagen angereist.


Überhaupt, die Akustik. Nicht weniger als völlig phantastisch, vor allem die höchstgelegene, nicht zerstörte Kuppel lässt erahnen, was damit möglich war. Wenn selbst das Zurückklappen des Spiegels beim Auslösen der Kamera in einem perfekten Echo wiedergegeben wird. Obwohl die Kuppeln, soweit ich weiss, ja nur zur Tarnung des Equipments dienten. Und selbst als ich schon lange wieder auf der Straße war – dürfte einen knappen Kilometer weit weg sein – konnte ich immer noch den glasklaren Sound der Musiker hören, die in einer der Kuppeln ihr Video aufnahmen. Unglaublich, wirklich.


Das Stativ habe ich zuhause gelassen. Es nervt mich. Ob es generell Photographieren mit Stativ ist, oder ob es dieses Exemplar ist kann ich nicht sagen, aber ich habe keine Lust. Wirklich nötig war es aber auch nicht – die Innenräume kannte ich schon durch andere Photos, sie sind durch Vandalismus entsprechend zerstört und deswegen für mich nicht wirklich interessant. Ganz anders übrigens das Dach mit den Kuppeln: wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein verlassenes Gebäude handelt könnte man es fast schon als sauber bezeichnen. Wirklich toll fand ich übrigens, dass irgendwer in jedem Stockwerk blaue Mülltüten aufgehängt hat – und dass diese tatsächlich auch genutzt werden. Wir alle wollen von dem Gebäude möglichst lange noch etwas haben, und es ist schön zu sehen, dass man sozusagen Rücksicht aufeinander nimmt.


Heute war ein Tag, an dem ich mit Nifty Fifty wieder gut zurecht gekommen bin. Wenn das Motiv kontrastreich ist fällt es mir anscheinend leichter, manuell zu fokussieren. Eigentlich logisch. Dennoch, kaum habe ich das Ultraweitwinkel aufgezogen und die Vorzüge des Autofokus genossen kam auch das zufriedene Lächeln auf mein Gesicht. Ich komme mit dem 50mm klar, ja, aber lange will ich das nicht mehr mitmachen, das weiss ich. In der Nachbearbeitung gibts keine großen Überraschungen, die Photos sind größtenteils schwarz-weiß, bei Farbe wollte ich einen leichten Vintage-Effekt haben, um der Vergänglichkeit der Anlage Ausdruck zu verleihen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.






Alle Photos gibts auch in groß bei Flickr.
Klasse Bilder :) mehr kann man dazu nicht sagen :) weiter so :)
Uh, interessante Bilder! Ich war vor ungefähr nem Jahr auch schonmal dort, da war der Zaun aber relativ dicht bzw. wurde vom Wachschutz gerade frisch geflickt wie ich eine halbe Umrundung später mitbekommen habe. Mit mir hatten damals irgendwie auch mind. 15 andere Leute die gleiche Idee, reingekommen ist wegen anwesender Security natürlich niemand. Von daher umso schicker mal gute Bilder vom Inneren zu sehen :)
Tolle Bilder auf Flickr – hab den Berg als ich in Berlin war nur von der Siegessäule gesehen…hätt’ ich gewusst dass das so spannend ist wär ich auch mal hoch! ;)
Sehr coole Bilder!
Ich kam leider nicht dazu, hochzusteigen, als ich in Berlin war. Die Fotos sind auf alle Fälle grandios. Ich mag das fünfte sehr, genau wie die beiden Bilder mit den Kuppeln und den Wolken. (:
Ich wusste gar nicht dass das so sehr bewacht ist…
Ich finde den Vandalismus in solchen verlassenen auch absolut unverständlich. Und die Graffities nerven mich auch, weil sie das ursprüngliche, was die Anlage (z.B. Beelitz) kaputt machen.. Schade.
Hatte auch schon mal überlegt, ob ich reingehe dort, aber dann gelassen, weil sich jemand dort auch schon böse verletzt hatte, als er durch eine Decke brach.
Zum Stativthema: Es geht mir genau so. Stativ nervt mich immer mehr und ich gehe eigentlich nur noch ohne los. Dann lieber mehr ISO und aus der Hand. Und wenn’s net geht, dann lass ich’s halt..
Schicke Bilder haste da gemacht!
LG.
M.
Tolle Bilder!
War letztes Jahr auch dort und wollte mal Fotografieren, jedoch war fast alles Dicht und so wirklich getraut hatte ich mich auch nicht.
Werde das aber mal machen, weil es ist ja schon ein stück Berlin und von mir aus, kann ich die Konturen der Abhörstation erkennen in Wilmersdorf :)
Viele Grüße!
@DasMaddin: Klar, zum einen zerstören die Graffitis das ganze so ein bisschen. Mir gefällts allerdings ganz gut. Vielleicht auch, weil man sich einfach dran gewöhnt hat. Jeriko hat einige der Dinger ja auch zum Titel seiner Bilder gemacht. Beeinflusst schon so ein bisschen. :p
http://www.abload.de/img/img01136co4.jpg – “Ich bin doch auch nur Salamander”. In Berlin gegenüber vom Club der Visionäre. Mir gefällts. Und ich bin keiner von der Sprayer-Bande.
Es gab Anfang des Jahres einen Artikel im Tagesspiegel, im vorletzten Absatz steht auch was zum Wachschutz. Muss jeder für sich wissen, ob er das riskieren will, ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen an dem einen Tag berichten.
Graffitis finde ich auch nicht weiter schlimm, da gibts teilweise schon tolle Kunstwerke zu sehen. Und niemand erwartet wohl ernsthaft, dass die Gebäude noch aussehen wie 1991, der Verfall ist ja gerade das Reizvolle. Aber im Vergleich zu beispielsweise Beelitz sieht es hier, wenigstens auf dem Dach, tatsächlich noch sehr gut aus.
Hallo Jeriko,
gelungene Bilder. Deine Worten kommen mir bekannt vor. Ich war gestern auch mit einem 50mm analog Objektiv ohne Autofokus unterwegs. Als ich dann mein Weitwinkel raufgeschraubt habe – ja was soll man sagen :-) Aber das alte Teil macht einfach geniale Bilder. Kann und will mich nicht trennen. Zudem spart es mir oft das Stativ (was ich einfach nicht mag) durch die gute Lichtstärke.
Aber irgendwie hat es ja einen gewissen Charme, wenn du an einem 20 Jahre altem Objektiv rumdrehst.
Ich beneide dich für die tolle Lage in der du lebst. Da muss dir ja jede Sekunde ein neues Motiv vor die Linse rennen. Ich wohne in Tirol. Da gibts nur Berge, Land und Flüsse. Ziemlich öde. Da muss man oft eine ganze Weile nach einer guten Szene suchen.
War auch schonmal da. Toll umgesetzte Bilder!
Viele zieht es mitlerweile in das NSA Gebäude. Als ich Anfang des Jahres bei 8°C mit dem Rennrad da war, hat es ein paar Franzosen auf’s dach verschlagen und bei Regen zu grillen. Nette Atmosphäre.
Schöne Fotostrecke …
Auch wenn ich die NSA Abhörstation nie gesehen oder besucht habe bekommt man doch einen guten Eindruck und kann sich bildlich vorstellen, wie dort gearbeitet wurde …
Wirklich gelungene Bilder.
Da hast du aber echt wahnsinnig tolle Aufnahmen gemacht!
Ich habe erst angefangen zu fotografieren und bin extrem beeindruckt!
Wie lange braucht man ungefähr dazu, so fotografieren zu können?
Ich denke ich werde demnächst auch mal da hinfahren und ein paar Fotos machen.
Die werden deinen aber um einiges nachstehen…
sehr coole bilder, wenn ich mal in berlin bin muss ich mir die auch mal angucken :)
graffiti sind ein zweischneidiges schwert, es gibt verdammt coole und ich freu mich jedesmal wenn ich so ein abgelegenes kunstwerk sehe. aber dafuer gibt es auch viele die einfach scheisse sind :)
ich glaub bei neuen kameras kann man aufs stativ oft verzichten, da die auch bei hohen iso nicht so viel rauschen. wenn ich das bei meinem alten schaetzchen mache faellt das dann doch schon sehr auf
falls ich mal ne wissenschaftliche arbeit über leerstehende berliner bauten (wobei du mir durch deine streifzüge die anregung dazu gegeben hast) schreiben sollte, dann würd ich dich glatt fürs bildmaterial verpflichten. deal?! ;)
Schöne und stimmige Aufnahmen. Ich wollte auch schon oft mal mir einen verlassenen Ort suchen, aber in meinem Heimatort findet man sowas kaum. Aber vielleicht unser altes Unigeäude, aus dem wir gerade ausgezogen sind. Das ist aber leider noch nicht hin genug.
Hab eben noch was zum Thema Graffitis entdeckt: http://re-actor.net/illustration/1896-sharik.html
:)
Da möchte ich auch unbedingt mal hin. Aber nicht alleine…2 Augen sehen einfach zu wenig.
Wenn man sich das neue Video von Mikrokosmos23 anschaut (Knightrider Generation), dann sieht man, dass es auf dem Teufelsberg gedreht wurde. Das ist also ziemlich sicher die Truppe, die du auf deiner Fototour beim Videodreh gesehen hast.
Der Vintage-Effekt kommt gut raus. Die Fotos finde ich klasse. Ich selbst habe immer noch viel zu viel Respekt vor Zäunen und geschlossenen Toren. Hier im Ruhrgebiet gibt es ja auch sehr schöne Motive, für die es sich lohnt, die ein oder andere Mauer zu überklettern.
sehr schön! ich will da auch mal hin, wenn ich wieder in berlin bin ;-)
hatte vor ein paar wochen mal dieses kuhle PictureReport video von dort bei mir drin…
Wirklich gelungene Bilder. Ich wünschte wir hätten in der Schweiz leerstehende Gebäude, doch die meisten werden leider sofort abgerissen sobald sie leer sind.