Dienstag, 13. Juli 2010

Die ersten Hasselblad-Photos, und ihr könnt sie haben

Oder besser gesagt: meine ersten Hasselblad-Photos. Der eingelegte, etwa zehn Jahre alte Film, war ja schon längst belichtet und hatte auch seine ersten Light Leaks, so dass meine ersten Versuche damit ja gar nicht gelingen konnte. Es irritierte mich allerdings, das die Photos alle eher unscharf waren. Mein Vater hat das schon drauf, er hat ja jahrelang mit einer Canon FTb photographiert, die ebenfalls manuell fokussiert wird. Vielleicht ein mechanischer Fehler in der Mittelformat-Kamera?

Also ein weiterer Test mit einem frischen Film, ein Ilford FP4+, schwarzweiss, 125er ASA. Ich bin ein wenig durch die Stadt gelaufen und habe versucht, das Leben einzufangen. Höhere Ambititionen verfolgte ich nicht: sollte die Kamera wirklich defekt sein wäre mein Ärger über die verlorenen Bilder wohl zu groß geworden. Stattdessen eher ausprobiert und vor allem die Sunny 16 Regel eingesetzt, da ich nur ungerne die DSLR ständig dabei haben möchte, das Geld für einen Belichtungsmesser aber auch nicht reicht. Zugegeben, an dem Tag war es auch wirklich nicht schwer, aber ich bin doch überrascht, dass eigentlich kein einziges Photo wirklich über- oder unterbelichtet ist – für einen ersten Versuch gar nicht mal schlecht! Schade nur, dass die maximale Verschlusszeit 1/500 Sekunde beträgt, so dass ich an dem Tag nur selten mit wirklich offener Blende photographieren konnte – für Architektur kein Problem, aber die Dame auf dem letzten Photo hätte ich sehr gerne etwas besser frei gestellt. Dennoch, ich bin mehr als froh darüber, dass die Kamera die lange Zeit in der Schublade im Haus meiner Eltern völlig in Ordnung überstanden hat und ich jetzt richtig loslegen kann. Sozusagen. Lediglich eine Gegenlichtblende wäre noch eine Überlegung wert, oder aber nicht bei direktem Sonnenlicht photographieren.

Es war ein Test, und deswegen habe ich die Photos auch nochmal über eine Drogeriekette in einem Großlabor entwickeln lassen. Vorneweg: Ja, das geht, selbst wenn auf den Taschen nur Kleinbild als Format angegeben ist. Aber kommt besser nicht auf die Idee, die entwickelten Photos scannen zu lassen: das, was ihr da oben seht, sind keine Artefakte durch zu starke Komprimierung oder so, die Photos sind exakt so auf CD. Die Scans sind zwar geringfügig größer (sie nutzen das Mittelformat natürlich bei weitem nicht aus), aber von der Qualität her unfassbar schlecht. Also, so richtig schlecht, und werden den tatsächlichen Abzügen in keinster Weise gerecht. Also, hab ich mir gedacht, solltet ihr euch davon auch selber überzeugen können. Wie?

Schreibt mir.

Nein, nicht in den Kommentaren, auch nicht per Email. Schreibt mir eine Postkarte, einen Brief, schreibt mir eine Snail Mail, die Adresse dazu findet ihr im Impressum. Kündigt es nicht an, macht es einfach, überrascht mich. Am Ende entscheidet sowieso der Zufall. Im Gegenzug bekommt jeder von euch dann eine der Aufnahmen, vielleicht schreibe ich auch noch was Nettes auf die Rückseite. Es kommen weniger als zwölf Leute zusammen? Okay, werden die Photos eben aufgeteilt und ihr bekommt evtl. mehrere. Mehr als zwölf? Wer zuerst kommt mahlt zuerst. 55 Cent und ein bisschen Zeit, mehr braucht es nicht – seht es als eine Alternative zum Flattr-Button, über die ich mich sehr viel mehr freuen würde als über euer Geld. Ich warte jetzt bis zum Anfang der nächsten Woche, das sollte euch genug Zeit geben. Und hey, billiger werdet ihr nie wieder an ein Jeriko-Original-Unikat kommen ;-)

11 Kommentare

  1. tobi

    Hast du jetzt bei der Kette die Fotos scannen lassen oder selbst gemacht? Wenn selbst gescannt, mit was für einem Scanner?

  2. Jeriko

    @tobi: Der Scan war auch über das Großlabor, sonst wären die ja wohl wesentlich besser. Wie ich das in Zukunft mache, mal sehen, hängt auch ein wenig davon ab, wie oft ich mit der Kamera losziehe.

  3. tobi

    Also, ich habe zb diesen hier (http://www.flickr.com/photos/lennox_mcdough/4324820456/) mit einem Canoscan 8600 gescannt, während dieser (http://www.flickr.com/photos/lennox_mcdough/4294892285/) mit einem Canon LIDE 70 glaub ich gescannt wurde. Bin mitm CanoScan recht zufrieden, aber es bleibt bei einem Durchlichtscanner. Die richtigen Filmstreifen-Scanner sind einfach besser, aber kaufen kann ich mir keinen, die guten fangen erst ab 700 Euro an.
    Es gibt professionelle Services (http://www.scan-studio.de/preise.htm), nur ist mir das den Preis nicht wert.

  4. Martin

    Die Photos haben einfach was. Schön analog. :) Sie sehen einfach von Haus aus schon “alt” aus.
    Schön das Leben eingefangen.

  5. farbanomalie

    Was willst du denn für einen High-End-Belichtungsmesser haben? Ich hab’ meinen “Gossen Sixtomat” für 2€ auf Ebay gekauft und der ist super.

    Zum leidigen Thema Negative scannen: Ich fotografiere die mit meiner Digitalkamera ab. Geht tausend Mal schneller und hinterher hat man ein RAW, das man einfach invertiert bearbeiten kann. Solange man bei SW bleibt, ist das ziemlich simpel was die Lichtquelle angeht. Zur Versuchsanordnung meiner Handwerker-Variante hab’ ich hier was geschrieben: http://www.deviantphoto.eu/tagebuch/13732 In den Kommentaren gibt’s noch eine Alternativversion, für die man nicht werken muss und einige weitere Anmerkungen z.B. zum Digitalisieren von Farbnegativen.

  6. Jeriko

    @farbanomalie: O_O sehr cool, also beides! Magst du mir evtl. bei Gelegenheit mal ein Photo in Originalgröße zukommen lassen, dass du so abphotographiert hast?

  7. Ede

    Zuviel Sonne für 1/500?
    Da empfehle ich einen ND (Neutrale Dichte)-Filter, vulgo Graufilter.
    Der “schluckt” mehrere Blenden, ohne Farben oder Kontraste zu verfälschen. Allerdings nicht ganz billig bei Deinem Objektivdurchmesser …

  8. Andi Licious

    Sehr tolle Bilder! Besonders gut gefallen mir die ersten beiden Bilder von oben!

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