Dienstag, 06. Juli 2010

Brühl

Es ist jetzt ungefähr zwei Jahre her, dass ich das letzte Mal durch Brühl geschlendert bin, dem kleinen Städtchen vor Köln, etwa 50.000 Einwohner groß. Dem Ort meiner Jugend. Davor war ich ja auch nur noch sporadisch zu Gast, trotzdem, zwei Jahre sind schon eine Zeit, in der einiges passieren kann. Und in der man sich weit genug von etwas entfernen kann, um es mit anderen Augen zu betrachten. Vielleicht.

Schloss Augustusburg, einst Heim von Clemens August, so gesehen ein Monstrum von einer Behausung, für die MTV eine drei Mal so lange Sondersendung von Cribs einlegen müsste, wenn da noch jemand wohnen würde. Damals haben mich Führungen extrem gelangweilt, heute würde ich wohl gerne eine mitmachen. Die riesige Parkanlage dazu, die momentan leider etwas darunter leidet, dass dort kräftig gebaut wird, in der ich früher mit dem Hund Gassi gegangen bin. Die Stadt als Geburtsort von Max Ernst, als Ort des Max Ernst Museums, dass ich architektonisch dann doch nicht so spektakulär fand wie zuerst gedacht. Als Heimat von Gerhard Thiele, Astronaut. Aber auch der Ort, an dem einst in einem Vergnügungspark eine Achterbahn abbrannte. Der Ort, an dem eines der schlimmsten Zugunglücke der Neuzeit passierte. Brühl lebt auch ein wenig von seiner Vergangenheit, ob es das will oder nicht.

Es ist schön, durch die Innenstadt zu laufen, es ist alles etwas ruhiger, etwas gemächlicher. Brühl hat einen Rythmus, es schläft, es erwacht. Ganz im Gegensatz zu Berlin, der Stadt, die nie zur Ruhe kommt. Ich meine mich erinnern zu können, dass Senioren es dort ziemlich toll finden, was die vier wirklich großen Altersheime erklären würde. Die Nähe zu Köln und Bonn lässt Brühl aber auch für Jüngere gar nicht mal so unattraktiv erscheinen. Ich sehe bekannte Gesichter aus der Schulzeit wieder, die Namen dazu wollen mir aber nicht mehr einfallen. Sie sieht mich, in ihren Augen und dem kurzen Stirnrunzeln erkenne ich, dass sie sich überlegt, woher sie mich kennt. Ich frage mich für einen kurzen Moment, ob sie ihr Leben in diesem Kaff nicht vergeuden. Frage mich aber auch, ob es ihnen nicht vielleicht besser geht als mir: die Freundschaften, die nach einer so langen Zeit immer noch da sind. Ich beneide sie darum. Ich habe aus meiner Schulzeit in Brühl nur noch mit einem Kontakt. Aber vielleicht ist es auch besser so.

Für die Photos hatte ich mir das 18-200mm f/4-5.6 Objektiv von meinem Vater ausgeliehen, da ich das Photographieren mit einer Teleoptik ja doch vermisse. Ich mache es kurz, die Linse ist definitiv nichts für mich. An der Schärfe und der Farbwiedergabe gibts nichts zu meckern, aber die tonnenförmige Verzerrung am weiten Ende war schon im Sucher ansatzweise, auf dem Kameradisplay mehr als deutlich sichtbar. Lightroom 3 bietet dafür mittlerweile Regler, trotzdem, das Samsung-Objektiv hatte das nicht(vielleicht kann mich da jemand aufklären, ob das Regel oder Ausnahme ist?). Wirklich irritiert hat mich aber, dass die Linse “in sich zusammen fällt”, sobald ich sie mit einer großen Brennweite gen Himmel richte. Hab ich sonst die linke Hand zur Stabilisierung der Kamera muss ich jetzt den Ring wirklich festhalten, damit die Brennweite auch bleibt.

Ich komme gerne nach Brühl. Genauso gerne fahre ich aber nach zwei, drei Tagen auch wieder weg. Es ist schön hier, ja. Aber es ist nicht mehr mein Leben.

Noch ein paar mehr Photos, auch in groß, gibts bei Flickr.

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8 Kommentare

  1. Tom Engelhardt

    “Ich komme gerne nach Brühl. Genauso gerne fahre ich aber nach zwei, drei Tagen auch wieder weg. Es ist schön hier, ja. Aber es ist nicht mehr mein Leben.”

    Das unterschreibe ich so – geht mir genauso wenn ich in der Heimat bin!

  2. zimtsternin

    Ich liebe das letzte Bild. Wie hast du das denn bearbeitet? Also die Färbung und so. Lichter ins rötliche?

    Wenn ich nach Berlin komme, müssen wir zusammen fotografieren gehen, ja?

  3. B

    Hey Dude, das vorletzte Foto ist doch eine Aufnahme vor dem/von dem Max-Ernst-Museum, oder?

  4. Jeriko

    @miss sophie: Ja bin ich schepp!? Die Linse kostet neu bei Amazon 625€, da werd ich doch wohl erwarten können, dass sie voll ausgezogen auch in dieser Position bleibt! (Mal davon ab dass mir der lange Brennweitenbereich eh nicht zusagt, ich bräuchte eher etwas ab 50mm… wenn überhaupt)

    @zimtsternin: Kann ich beizeiten gern mal erklären, wenns da noch mehr Bedarf gibt :-)

    @B: Ist es, gut gerkannt :-)

  5. zimtsternin

    Ich hab Bedarf. Und ihr Nachmirkommentierenden bitte auch. Los, los! Der Herr Jeriko soll einen Beitrag über die Bearbeitung schreiben. :)

  6. Andy

    Es ist immer wieder witzig hier, in diesem Blog das ich schon echt lange lese und das für mich keinen lokalen Bezug hat sondern stattdessen “irgendwo im Internet” lebt, Bilder aus Brühl zu sehen.

    Ich wohne in Erftstadt.

    Gruß aus dem Rheinland,
    Andy

  7. Thilo

    Na super, da haben wir uns ja mal wieder glänzend verpasst. :D Aber schöne Bilder die du da von Brühl eingefangen hast.

    @Andy Wer bist du denn, komme auch aus Erftstadt, so klein ist auch das Internet.

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