Donnerstag, 24. Juni 2010

Facepark am Mauerpark

Besser spät als nie ist dann hier auch noch das letzte Update vom letzten Wochenende: Sonntag ist für mich zum Mauerparktag avanciert, wenn das Wetter mitspielt macht es einfach Spaß, über den Flohmarkt zu schlendern, sich zum hundertsten Mal mit den selben Ständen beschäftigen, denselben Objekten, um nicht vielleicht doch das Schnäppchen zu finden, von dem ich davor noch gar nicht wusste, dass ich es haben will. Auf der Wiese zu liegen, die Sonne zu genießen, den Menschen zuzuschauen, die dort grillen, Musik machen, künstlerisch ausdrücken, die verbliebenen Reste der Mauer mit neuen Graffitis zu versehen. Bearpit Karaoke natürlich, jedes Mal, wenn ich denke, ich habe dort alles gesehen, kommt das nächste Highlight (eine Seniorengruppe, die AC/DC’s Highway To Hell schmettert! Wie geil ist das denn bitte?).

Diesel hatte sich letzten Sonntag zusätzlich noch dazu entschlossen, im Rahmen ihrer Be Stupid Werbekampagne, die ich ja ziemlich gerne mag, Facepark zu veranstalten:

We, the stupid ones, prefer the park to the “platform”. That’s why we take the status and the wall and the comment and the stalkers and the friends and make them real again. [...] A stupid idea that might change the world. But probably won’t.

Das Digitale ins Analoge holen, Facebook im Real-Life sozusagen. Jeder konnte sich ein Pappschild schnappen, sich umhängen und sein eigenes Profil daraus machen. Es wurden beschreibbare Sticker für Kommentare und Schaumstoffhände zum Anstupsen verteilt. Auf dem Gelände gab es mehrere Gruppenschilder, Farmville und Mafia Wars wurden natürlich nicht vergessen. Es traten mehrere Bands auf, die bei mir aber eher einen leichten Brechreiz denn Enthusiasmus ausgelöst haben. Was solls, ich fands auch so lustig anzusehen. Ein paar Eindrücke:

Sie war etwas irritiert, dass sich vor ihr ein Maschinengewehr-ähnlicher Sound durch die Serienbildaufnahme auftat, bis ich ihr erklärte, dass es mir um die Reflektion in ihrer Sonnenbrille ging. Dann lächelte sie nur.

Alle Photos und noch ein paar mehr gibts auch in groß bei Flickr. Und während ich mich mehr auf die Menschen konzentriert habe hat Sara den Event als solchen besser eingefangen.

17 Kommentare

  1. biqinberlin

    Wie man liest, liebst du die Stadt genauso wie ich! Schöner Artikel und interessante Aufnahmen. Grüße!

  2. Frank

    So schön das alles ist (im Ernst), so persönlichkeitsrechtlich zumindest fragwürdig – um nicht gleich unzulässig zu schreien – ist es auch.
    Die meisten Bilder scheinen aus der Distanz aufgenommen ohne irgendeine Form von (konkludenter) Einwilligung der Personen – das ist leider so nicht zulässig.
    Relative Personen der Zeitgeschichte dürften die Abgebildeten auch kaum sein, Beiwerk ebenfalls nicht und zwar ist die Veranstaltung eine Gurppengeschichte, Du hebst aber explizit einzelne in deutlich identifizierbarer Weise aus der Masse heraus.
    Ich sehe eigentlich keinen Ansatzpunkt, wie das gehen soll, außer Du hast Dir von den Abgelichteten noch eine Zustimmung zur Publikation eingeholt (, die, wenn man knallhart korinthenkackt, schon vor der Aufnahme passieren müsste).

  3. Pierro

    Status : Franks Meinung (an sich nichts anderes wie konkrete Faktenwiedergabe) sollten mehrere lesen !

  4. Frank

    @Jeriko: Also die Zustimmung? Toll. Ehrlich.
    Dann bin ich jetzt doppelt begeistert und zwar (1) von den Aufnahmen und (2) davon, daß Du Dich offensichtlich mit diesem (durchaus nervigen und u. U. auch künstlerisch hinderlichen) Persönlichkeitsrechtskram auseinandergesetzt hast und auch ernst nimmst.

  5. Jeriko

    @Frank: Ums ein bisschen ausführlicher zu beschreiben: Ja, die Zustimmung, und das ist mir auch wichtig. Ich hab es hier schon ansatzweise beschrieben, dass die Privatsphäre bzw. die Rechte eines einzelnen mir wichtig sind, sowohl bei mir als auch bei anderen – also kann ich ja wohl schlecht andere Maßstäbe bei anderen Personen anlegen als an mir selbst. Dass ich sie erst im Nachhinein informiere, okay, vielleicht fragwürdig, es garantiert mir aber das natürlichste Auftreten einer Person (und für vorher Fragen fehlt mir tatsächlich noch ein bisschen der Mut…). Und wenn jemand damit nicht einverstanden ist wird das Bild noch in der Kamera gelöscht, ganz klar. Jeder kriegt zudem meine Karte, um später auch sehen zu können, was aus den Photos geworden ist.

  6. Malte

    Da bin ich ja froh, dass du da für uns hingegangen bist, wenn ich die Bilder so ansehe. Du wirst immer besser und das sieht man. Vielen Dank für die Eindrücke!

  7. Frank

    @Jeriko: Danke für die noch etwas ausführlichere Erklärung. Ich bin auch dem Link zum Artikel über “Victoria Holguín und [D]eine Gedanken zur Privatsphäre in der Photographie” gefolgt und bin mehr als positiv überrascht.
    Ganz ähnliche Überlegungen habe ich selbst bereits angestellt und bin auch zu nahezu identischen Schlussfolgerungen gekommen.

    Personenaufnahmen lizenziere ich bspw. ebenfalls nicht unter einer CC-Lizenz, sondern mit “striktem” All Rights Reserved, eben um (ich weiß, eine vermeintliche, vermutete) Kontrolle über die Verwendung solcher Aufnahmen zu behalten.
    Fotografierte Menschen bekommen auch ein Kärtchen mit Verweis, wo sie die Aufnahme (u. U. wenn ich sie tatsächlich veröffentliche) sehen können.

    Ich bin jetzt sogar etwas erleichtert, daß diese “Maßnahmen” wohl nicht ganz bescheuert sind, wenn Du Dich für ein ähnliches Vorgehen entschieden hast.

    Für meine zumindest latente Zwischen-den-Zeilen-Unterstellung, Du hättest Dich nicht um die Persönlichkeitsrechte Deiner Fotomotive gekümmert muss ich jetzt auch noch mal um Entschuldigung bitten.
    Das war leider eine Reflexhandlung, weil ich ein unreflektiertes Verhalten beim Ablichten von Dritten schon viel zu oft beobachten musste.

    So, und jetzt zurück zum eigentlichen Thema: tolle, stimmungsvolle Fotos.

  8. Sara

    Im Falle von Facepark waren die Rechte aber gar nicht so wichtig, so wie ich das verstanden habe, weil das ganze Event mit Plakaten umzäunt war auf denen stand “Du wirst hier abgelichtet, brauchst gar nicht rumzuheulen, und die Fotos werden auch veröffentlicht – wenn du das nicht willst geh wieder” – so in diesem Wortlaut ungefähr.

    Ist das rechtlich überhaupt legitim? Wenn man das von vornerein ankündigt? Ist ja im Prinzip wie, als hätte man die Person vorher um Erlaubnis gefragt, oder?

  9. Jeriko

    @Sara: Legitim sowieso, die Frage ist ja eher, obs legal ist. Du wirst im Vorfeld der Veranstaltung auf diesen Umstand hingewiesen und hast dann die Wahl, ob du daran teilnimmst und den Umstand in Kauf nimmst, oder eben nicht. Diese Entscheidung liegt aber ganz alleine bei dir, von daher würde ich sagen, es ist legal. Ohne jetzt Bild- und Persönlichkeitsrechte mit einzubeziehen ist das im Grunde doch derselbe Prozess wie beim Zustimmen zur EULA bei irgendwelcher Software.

  10. Sara

    Gut zu wissen sowas.

    Deshalb frage ich mich auch, wo die Grenzen sind zwischen “du bist hier auf einer öffentlichen Veranstaltung” und “das ist zwar öffentlich, aber du hast kein Recht mich zu fotografieren.” Beispielsweise ist der Christopher Street Day ja mit einer Million Fotografen bestückt, und ich bin mir ziemlich sicher, dass da keiner mal gefragt hat, ob er das Bild machen und veröffentlichen darf.

    Auf einem Bürgersteig, wo es nicht ganz so gewöhnlich ist, muss man dann aber fragen? Alles verwirrend.

  11. Jeriko

    @Sara zwischen “machen” und “veröffentlichen” wird klar unterschieden. Das Erstellen eines Phots in der Öffentlichkeit ist nicht verboten, §201a StGB besagt aber, dass die Aufnahme nicht innerhalb des höchstpersönlichen Lebensbereichs gemacht werden darf. Ich darf also nicht vom Bürgersteig aus ein Photo von dir machen, wenn du dich gerade in deiner Wohnung befindest.

    Das Kunsturheberrechtsgesetz, §22, §23 und §24 regelt die Veröffentlichung von Bildern: dies darf nur mit Einwilligung der abgebildeten Person geschehen, es sei denn sie sind nur Beiwerk eines Bilds oder Teil einer Versammlung, Aufzug o.ä. – Teilnehmer des Christopher Street Days sollten darunter fallen, wobei Zuschauer da schon wieder eine Grauzone sein könnten.

    Also: Photos von Personen in der Öffentlichkeit machen geht rechtlich klar, Veröffentlichen aber nur mit Einwilligung, außer besagte Ausnahmen treffen zu. Um zum Facepark zurück zu kommen, du hast die Einwilligung ja damit erteilt, dass du die Umstände zur Kenntnis genommen und das Gelände dennoch betreten hast.

    (Alles natürlich ohne Gewähr, ich bin Rechtslaie!)

  12. zimtsternin

    @Sara und @Jeriko: Bei Gruppen ab 5 Personen muss man auch nicht mehr fragen, sofern nicht eine einzelne Person heraussticht.

  13. DasMaddin

    Gute Fotos! Und sehr interessant, welche Diskussion darum entstanden ist. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere etwas mitnehmen konnte..
    Ich werde am Wochenende auf dem With Full Force Festival fotografieren (Zeltplatz, weil man mit der Kamera nicht auf’s Musikgelände darf). Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich jeden Besoffenen fragen sollte, oder einfach auf dem Blog veröffentliche?

    M.

  14. Gregor

    @Jeriko:
    ich würde mal ohne frage “illegal” rufen. die facepark-aktion fand doch an einem öffentlichen ort (dem mauerpark) statt. seit wann kann irgendwer (selbst wenn es das unternehmen diesel sein sollte) an einem öffentlichen ort die persönlichkeitsrechte anderer einschränken. das ist im grunde viel frecher und dreister, als wenn sich blogger in der street-photography üben und eventuell vergessen zu fragen.
    jeriko – pass auf, dass dich diesel nicht abmahnt. du hast schließlich auf ihrer veranstaltung fotografiert. ;)

    (ach, sollte diesel den ort vom bezirk angemietet haben, nehme ich alles zurück und behaupte das gegenteil)

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