Dabei war es noch nicht mal Urlaub, ich war ja mehr oder weniger auch zum Arbeiten dort, und trotzdem, es war ein Ortswechsel, der mir im Moment einfach unglaublich gut getan hat: Sechs Tage Los Angeles. Soll ja nicht die allerschönste Stadt in den Vereinigten Staaten sein, was mir aber kaum egaler hätte sein können. Es war USA. Das Land, in dem ich so gerne leben würde. Einfach mal den Kopf frei bekommen und Berlin Berlin sein lassen. Energie tanken.

Ich hatte mich im Vorfeld natürlich komplett mit der Zeit verschätzt. Zwei Tage gingen ja bereits für die E3 drauf (dazu könnt ihr alles bei Spreeblick lesen), dass ich aber insgesamt nur vier Tage habe, noch mit jeweils anderen Terminen vollgepackt, hatte ich irgendwie nicht bedacht. So war ich dann die meiste Zeit auch nur in Downtown und Umgebung unterwegs. Fand ich aber gar nicht weiter schlimm, auf die üblichen Touristenpunkte hatte ich sowieso nicht wirklich Lust. Ich wollte die Stadt einfangen, so wie ist.
Leichter gesagt als getan. Denn während die Amerikaner an sich unheimlich aufgeschlossen sind, was Photos angeht (zumindest die, mit denen ich zu tun habe) sind sie unglaublich paranoid, was alles andere angeht. So gehören die meisten Bürgersteige in Downtown nicht der Stadt, sondern dem Gebäude, dass auf dem Häuserblock steht. Ergo haben sie Hausrecht, und die meisten erlauben keine Photos, aus Angst, man könnte das Gebäude ablichten. Dass ich mich mal öfter dafür entschuldigen muss, Gebäude zu photographieren als Personen hätte ich auch nie gedacht. Verrückt.



Zu der Aufgeschlossenheit kommt die Freundlichkeit der Amerikaner, die ich noch halbwegs von New York in Erinnerung hatte. Jajaja, es wäre naiv von mir, zu glauben, es wäre überall so, aber egal mit wem ich dort gesprochen habe, alle waren ausnahmlos(!) freundlich. Der ältere Herr, der mich im Diner beim Frühstück einfach so ansprach, ob ich denn glaubte, dass die Lakers es in den NBA Finals nochmal reißen könnten, und mit dem ich daraufhin fast zwei Stunden über Gott und die Welt sprach. Diverse Passanten, die ich hier und dort nach dem Weg fragte, und die nicht locker ließen, bis ich ganz genau wusste, wo ich lang muss. Der Boy beim Valet Parking an unserem Hotel, der immer heimlich in der Ecke rauchte. Die Skater, die teilweise ganz scharf darauf waren, dass ich sie photographiere. Sie scheinen grundsätzlich kontaktfreudiger zu sein, in Bussen kommt man irgendwie ins Gespräch, in Dinern, bei gemeinsamen Events. Es ist so unfassbar angenehm.



Und dann als abschließendes Highlight Venice Beach. Von Muscle Beach hatte ich mir etwas mehr versprochen, aber es war ja mitten in der Woche, und es lässt mich schon ahnen, was dort am Wochenende los ist. Aber der Strand. Das Meer. Ich saß fast eine Stunde einfach nur da und habe den Wellen zugeschaut, nur das Rauschen in den Ohren. In dieser Zeit war alles in weiter Ferne, der Kopf war frei, es war einfach friedlich. Und wunderschön. Ein bisschen zu kalt zum schwimmen, was mich natürlich trotzdem nicht davon abhielt. Dieser fast malerische Sonnenuntergang. Die Menschen, die sich dort rumtreiben, die teilweise wirken, als wären sie gerade aus einem Film entsprungen. Es war unbeschreiblich schön, und ein würdiger Abschluss einer fantastischen Woche.





In Deutschland wurde ich im Bus erst mal von einer Dame angepampt, weil sie ihren fetten Arsch nicht sofort an meiner Tasche vorbei bekam und sich tatsächlich etwas drehen musste. Willkommen in Deutschland. Ich will zurück.
Weitere Photos, auch in groß, gibt es bei Flickr.