
Acht Fotos waren bereits auf dem Rollfilm, der sich schon seit Jahren, vielleicht sogar seit mehr als einem Jahrzehnt, im Filmmagazin der Hasselblad befand. Mein Vater hat die Kamera nie wirklich benutzt, das weiss ich noch, allerdings war ich die letzten zehn Jahre nur noch sporadisch zuhause und wusste nicht, ob er es in dieser Zeit nochmal probiert hat. Natürlich war mein erster Gedanke, ob sich eine Entwicklung überhaupt noch lohnt. Dass ich es natürlich trotzdem probieren würde war klar – schaut euch einfach mal Meminesis Experimente an, selbst wenn auf den Bildern nur undefinierbare Gesamtkunstwerke zu sehen gewesen wären, es wäre ein Erfolg. Für mich aber viel noch viel viel spannender: wenn die Photos was werden, was würde ich darauf sehen? Eine kleine Reise in die Vergangenheit, vielleicht bin ja sogar ich darauf abgebildet, wer weiss? Und heute morgen war es dann soweit, sieben Photos haben die lange Lagerung überlebt.

Darf ich vorstellen? Moritz, unser alter Familienhund. 1994 kam er als Welpe zu uns. Ein glücklicher Zufall, denn als meine Mutter schon die Suche aufgab habe ich in in den Zeitungsinseraten noch die kleine Meldung über die Zucht, etwa 30 Kilometer von uns entfernt, gefunden. Von den drei Welpen, die noch nicht vergeben waren, habe ich ihn ausgesucht, weil er von Anfang an der anhänglichste war. Und mich nicht vollpinkeln wollte.

Ich habe noch nie einen Hund mit einem solchen Charakter gesehen. Verfressen, wir konnten kein Essen mehr frei herumstehen lassen, denn egal wo – Küchenanrichte, Esstisch, Schreibtisch… – er hat es geklaut. Intelligent wie nichts, denn er wusste immer, dass er es nicht durfte. Mit einem Gewissen gesegnet, so dass er immer über den Boden zu uns kroch, wenn er wusste, dass er etwas Dummes angestellt hat. Und oh boy hat er Mist gebaut. Dinge, die er unter anderem als kleiner Hund zerstört hat: Teppich, Gummibaum, halbe Bibliothek, kompletter Garten, Lesebrille, diverse Kabel. Wir Kinder fanden das natürlich lustig, meine Eltern wohl weniger. Treudoof, beschützend, friedlich, gehorchte aufs Wort. Der erste Hund, dessen Leben ich komplett begleitet habe.

Die Erinnerungen, sie verschwimmen so langsam, auch, weil es so gut wie keine Photos mehr von ihm gibt. Ich weiss nicht wo sie hingekommen sind, aber sie sind nicht mehr da. 2005 musste er eingeschläfert werden. Diese Photos, die ich heute morgen sehen durfte, sie sind für mich auch eine kleine Zeitreise. Ich habe ihn abgöttisch geliebt, er war mein Hund, und ich habe Rotz und Wasser geheult, als er nicht mehr da war.
Und jetzt wieder. Ein kleines bisschen jedenfalls.



Eine schöne Erinnerung. Und der rosa Schleier gibt den Bildern ja gleich einen Hauch von Himmelsgrüßen.
Das ist wundervoll!
Ach, großartig! Alles! :)
Ich kenne das Gefühl nur zu gut. Mich hat ab meinem fünften Lebensjahr ein Hund begleitet bis ich 20 war. Ich kannte ihn bevor ich in die Schule kam und verlor ihn als ich in die Arbeitswelt entsandt wurde.
Die Photos sind auf jeden Fall schöne Erinnerungen auf den die Verfärbungen keine Rolle spielt.
Ein schönes Tier.
Großartig!
Man liest aus den Zeilen heraus wieviel dir der Hund bedeutet hat, und jetzt so eine schöne Erinnerung in Form von diesen wirklich schönen nostalgischen Fotos zu haben…manchmal braucht es eben nur eine Kleinigkeit um einen für einen Moment aus dem Alltag zu entführen ;)
Ich finde der Rotschleier wirkt so ein bisschen wie die positive Aura auf Fotos, über die du neulich mal schriebst.
Ich bin schon gespannt auf deine nächsten Hasselblad-Resultate!!
Sehr schöne Geschichte, und tolle Bilder.
Alte Bilder haben immer was geheimnissvollen weil man nie mehr wirklich weiß was genau drauf ist. Finde das immer total spannend.
Wenn so eine Geschichte bei herraus kommt um so besser :)
Wow. Da freut man sich doch richtig, dass man die Entwicklung des Filmes durchgezogen hat. Sehr, sehr schöner Hund.
Mein Hund, der bei meiner Mutter lebt ist auch ein verfressenes, mistbauendes Wesen. Und ich weiss schon jetzt, dass mir das Vieh fehlen wird, wenn’s nicht mehr da ist.
Die Liste der zerstöten Dinge durch Hand kann ich so übernehmen und noch um Telefon, Schuhe und Taschen ergänzen.
wow was für eine entdeckung. das ist voll schön :-D
Ein wirklich schönes Tier. Ich habe in der Heimat auch so ein treudoofes Exemplar, und kann mir den Ort gar nicht mehr ohne vorstellen.
das sind wirklich schöne überraschungen und erinnerungen, die sich immer auf verlegten analogen filmen verstecken.
wie entstehen diese farb-schleier in magenta? durch das selber entwickeln?
Sauschöner Hund!
Aber wirklich, ein sehr schöner Hund. Waren auch schön zu lesen, deine Erinnerungen. :)
Wirklich tolle und schöne Bilder. Erinnert mich daran das ich meinen Hund viel öfters Fotografieren sollte.
ich hab zuerst die beschreibung nicht gelesen und dachte die waeren mit einer besonderen linse fotografiert oder sowas.
mir gefaellt dieser schleier.
Ich mag die Photos mit ihren Verfärbungen sehr gerne. Und schöne Worte hast du dazu gefunden.
Schön!!!