Freitag, 30. April 2010

Warum wir auch mal nach hinten schauen sollten


Photo: lululemon athletica

Es liegt, glaube ich, in der Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen, seine eigene Leistung an anderen zu messen. Ich ja auch. Klar sollen meine Photos besser werden! Und gegen ein bisschen Ansporn ist ja auch nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil, Stillstand wäre wohl sowas wie mein innerlicher Tod. Das Problem damit ist aber, dass wir es ständig tun. Und wenn wir uns ständig mit Besseren messen, machen wir unsere eigene Leistung gleichzeitig runter.

How many pictures will you let pass you by if you wait till you get a better camera, better lights, or better vision?

Chase Jarvis

Richtig, ich habe nur eine Nikon D60, das absolute Einsteigermodell ins DSLR-Segment. Ja, die Kamera lässt Funktionen vermissen, die manchmal ganz hilfreich sein könnten: Spiegelvorauslösung, Abblendtaste, ein besseres Fokussystem etc… Und? Es sollte mich verdammt nochmal nicht davon abhalten, trotzdem auf den Auslöser zu drücken, denn ob ich nun mit der D60 oder einer D3x unterwegs bin macht für mich keinen Unterschied: was ich sehe, darauf kommt es an, die Kamera ist nur mein Hilfsmittel. Falls mir übrigens jemand eine D3x überlassen will, um mich vom Gegenteil zu überzeugen: Jederzeit!

Wir haben schon alles gesehen. Und streben trotzdem nach dem noch nie Dagewesenen.

Sapralot

… und da kommen wir nur selten hin. Wie oben geschrieben, natürlich wollen wir alle doch irgendwie besser werden, blöd wird es aber dann, wenn es sich auch in der Kunst bzw. Photographie zu einer Leistungsgesellschaft entwickelt, in der jedes Photo mit anderen gemessen werden muss anstatt einfach für sich alleine zu bestehen. Ja mei, wir Hobbyphotographen haben nun mal nicht alle Möglichkeiten der Profis (wobei dann wieder das Zitat von Chase Jarvis oben gilt…), nur sind unsere Aufnahmen deswegen doch nicht schlechter. Oder?
Ich habe mir gestern meinen gesamten Flickr-Stream nochmal angeschaut, von hinten nach vorne. Eine Bestandsaufnahme, wenn man so will, für einen Moment mal nicht nach vorne geschaut, was noch geht, was mir fehlt, sondern nach hinten, was ich bisher erreicht habe. Und die Entwicklung ist aber mal sowas von sichtbar. Yay!

Das ist eine Aufnahme von einem Hinterhof in der Danziger Straße in Berlin, die ich gestern gemacht habe. Es gibt hunderte, tausende Photos von Hinterhöfen, die besser sind. Aber das hier ist meine Aufnahme. Und sie ist geil. So einfach ist das.

Das gilt übrigens nicht nur für Photographie.

19 Kommentare

  1. beetFreeQ

    Schön gesprochen. Sollte auch mal öfter mit meiner billigen Cam rausgehen und die hat nicht mal im Laden ne Spiegelreflex aus der Nähe sehen können. ;)

  2. Emu

    “Aber das hier ist meine Aufnahme.” – da wollte ich fast schon aufspringen und laut “Ja!” rufen ;)

    Im Ernst: Es kann ein guter Ansporn sein, sich mit anderen zu vergleichen. Egal ob in der Fotografie oder sonst wo. Aber es ist mindestens genauso wichtig (wenn nicht wichtiger) zu seiner eignen Arbeit zu stehen und selbstbewusst sagen zu können, ‘das hier habe ich gemacht, hier stehe ich heute’.

    In diesem Sinne – Danke für den Post!

  3. Peter/Blogwinkel

    Das Hinterhof Bild ist wirklich geil – Sehr.
    Keine Frage.

  4. Bernd

    “Aber das hier ist meine Aufnahme. Und sie ist geil. So einfach ist das.
    Das gilt übrigens nicht nur für Photographie.”

    Die Sätze bringen es auf den Punkt! Aber sowas von!

  5. Colors Inc

    Guter Beitrag, geiles Photo, und insgesamt ne tolle Mischung auf dem Blog!
    Ich komme gern hierher :)

  6. Eike

    Wenn man weiß was man von einer Kamera erwarten kann, dann ist man auf einem guten Weg mit jeder Kamera gute Bilder zu machen

  7. Martin Gommel

    Und Du hast so recht damit. Vergleich mit anderen kann zwar den Nutzen haben, sich gegenseitig zu pushen, aber ein besser/schlechter-Dingens ist nie gut. Von daher: Gefällt mir, Dein Post.

  8. Einauge

    >>Wir haben schon alles gesehen<<

    Nehme ich Dir nicht ab, auch nicht dem Herren Sapralot ! Wer so etwas von sich behaupten, der mag nicht mehr hinsehen.

  9. wax

    Cool bleiben, Jeriko! :-)

    Drauf geschissen wie gross Fotos Anderer sind. Ich habe mich anfangs auch immer gemessen. Mitlerweile juckt es mich nicht die Bohne, wenn ich nicht an Bilder anderer herankomme. Einfach knipsen und darauf warten, dass es einem selbst gefällt. Dann ist es ein perfektes Foto, egal ob es davon schon 100 gibt und 99 technisch “besser” wegkommen.

    Es wird immer einen Besseren geben. Aber auch einen Schlechteren.
    Mein Wort zum Sonntag

  10. Roitsch

    Schöner Beitrag, kann ich so unterschreiben. Man muss auch immer im Kopf behalten für wen man so ein mit Leidenschaft und Begeisterung betriebenes Hobby macht, für sich selbst. Warum? Weil man es liebt.

  11. Julien

    Gefällt mir. Richtig gut!

    Was mich interessieren würde: in welcher Hausnummer der Danziger Straße ist das Foto entstanden?

    Email oder Twitter (@jmgtimes) wäre als Antwort sehr nett. Danke.

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