Mittwoch, 07. April 2010

Kuba von Marlene Marino

Marlene Marino war 2008 fünf Wochen lang in Havana, der Hauptstadt Kubas, und hat dort das Leben festgehalten. Die Geschichte ihrer Familie spielt dabei ziemlich mit rein, so hat ihr Bruder in den 60ern der Revolution Essen in die Sierra Maestra gebracht, ihr Urgroßvater schenkte Fidel Castro gar eine Uhr. Ihr Ziel war es, den Wechsel, der zu der Zeit stattgefunden hat, in Bildern festzuhalten, da die Zukunft für die Insel tatsächlich völlig unbestimmt war. Es sind Zeitdokumente, von Orten, die von hier aus so fern erscheinen, die ich vor sechs Jahren aber ebenfalls mit eigenen Augen sehen durfte.

Ich bin mir nicht sicher, ob schwarzweiss für Kuba wirklich geeignet ist: die Städte an sich, aber auch die Mentalität der Menschen dort ist eigentlich bunt. Die kubanische Kultur ist deutlich farbiger, geprägt durch Freundlichkeit und Offenheit. Man ist stolz, vielleicht nicht unbedingt auf seine Regierung, aber doch auf sich und sein Land, und bereit, das, was er hat, jederzeit mit Gästen zu teilen. Das war damals eine der für mich prägendsten Erfahrungen. Ich kann Marino verstehen, ihre Mutter ist ein politischer Flüchtling, sie ist durch ihre Erfahrung vorbelastet. Aber ich denke eben auch, dass Kuba zwei Seiten hat. Und die Photos sind trotzdem oder gerade deswegen sehr sehr schön.

Die zweiteilige Serie könnt ihr euch in ihrem Portfolio ansehen (kleiner Hinweis, die anderen Photoserien sind NSFW). Gefunden bei Yay! Everyday

17 Kommentare

  1. Sebby

    Ich finde, gerade das Schwarz/Weiß macht die Fotos besonders ;)

  2. Timo

    “Der Kubaner ist freundlich, offen, stolz, vielleicht nicht unbedingt auf seine Regierung, aber doch auf sich und sein Land, und bereit, das, was er hat, jederzeit mit Gästen zu teilen. ”

    WTF? Dann ist der Franzose ein guter Liebhaber und der Deutsche pedantisch langweilig, oder wie jetzt?

  3. Jeriko

    Was ist das denn für ein Vergleich? Es könnte einfach der Eindruck entstehen, Kubaner wären dank der generellen Situation im Lande chronisch depressiv o.ä. (und da konnte Castro noch so oft Sozialismus rufen, das war eine Diktatur), was aber eben nicht der Fall ist.

  4. Jeriko

    Und ich bin absoluter Fan von Schwarzweiss, sah in den Photos für mich aber auch eine gewisse Tristheit, die dem eigentlich sehr fröhlichen Land nicht unbedingt gerecht wird. Deswegen die Anmerkung, mehr steckt nicht dahinter.

  5. Timo

    @Jeriko: Das war eine Anmerkung zur Formulierung. “Der $Nationalität ist …” ist eine recht altertümliche und belastete Formulierung.

  6. Timo

    Vorschlag:
    Die kubanische Kultur ist deutlich farbiger, geprägt durch …
    Man ist stolz, wenn auch nicht unbedingt auf die Regierung.

  7. Timo

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  8. Micha

    Ho, sehr hübsche Bilder. Sehr ausdrucksstark.

  9. Florian

    Ich kann mir, obwohl ich noch nie dort war, nicht viele interessantere Länder als Kuba vorstellen. Die Bilder von Marlene Marino gefallen mir sehr gut, doch über die Schwarzweiß-Umwandlung lässt sich in der Tat streiten. Allerdings erhalten die Fotos auf diese Art und Weise auch etwas zeitloses, sie hätten genauso auch vor 40 Jahren aufgenommen worden sein. Ich weiß nicht, ob dieser Effekt bei Farbaufnahmen auch so entstanden wäre.

  10. Calle Hackenberg

    Schöner Artikel und sehr eindrucksvolle Bilder. Irgendwie würde mich eine Reise nach Kuba auch mal reizen.

  11. Geistesgegenwart

    Unfassbar. Ich bin gestern aus einem 3 wöchigen Trip aus Kuba wieder gekommen. Die Filme werde ich am Montag zum Entwickeln freigeben. Ich stimme definitiv zu, dass S/W nicht geeignet zu sein scheint. Mann muss wirklich vor Ort gewesen sein, um zu begreifen, dass Kuba von den Farben lebt. SW ist hier einfach zu triste. Dennoch gute Motive.

    Jedoch werden Kubaner, durch die Versuche sich an den westlichen Lebensstil anzupassen, immer verdorbener.
    Es gibt einfach Sachen, die mir wiederfahren sind, die einfach total unfassbar sind.

    Wer in Zukunft einen Kuba-Trip plant, kann mich anschreiben, um Infos hinsichtlich der Kultur, Reiseziele, casa particulares oder den Umgang mit Kubanern zu bekommen.

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