Mittwoch, 17. März 2010

5 Tipps für bessere Photos

Ja ja, jetzt dreht er komplett durch, der Jeriko. Und ich bin mir auch klar darüber, dass es nach vier Monaten, in denen ich jetzt eine Spiegelreflex besitze und mich mehr mit Photographie beschäftige, etwas vermessen ist, so zu tun, als hätte ich Ahnung von allem und könnte euch hier noch wer weiss was beibringen. Andererseits sind die folgenden Tipps einfach Dinge, die mir in diesen vier Monaten aufgefallen sind, über die ich gestolpert bin, und die euch am Anfang vielleicht auch weiterhelfen können. Und wenn nicht, dann kann ich ja immer noch so tun, als hätte ich Ahnung.

1. Photographiert, was das Zeug hält

Im Ernst. Damit meine ich nicht jeden Tag, auch wenn das auch sicher hilfreich wäre, aber wenn ihr unterwegs seid, dann photographiert so viel, wie ihr nur könnt. Nicht jedes Photo ist der große Bringer, aber der große Vorteil der Digitalphotographie ist ja, dass eine misslungene Aufnahme nicht mit Kosten verbunden ist. Also hält euch auch nichts davon ab, öfter mal auf den Auslöser zu drücken. Eine 4GB SD-Karte kostet zwischen 10€ und 15€, mit einer 10 Megapixel Kamera passen da im RAW-Format fast 300 Bilder drauf. Und nur so bekommt ihr ein Gespür davor, was gut aussieht, was nicht, kriegt ein Gefühl für eure Kamera, die Linse, die Bedienung, kriegt einfach ein wenig Routine rein.

2. Lernt, was es mit der Blende auf sich hat

Dass Bild hätte verdammt gut werden können, aber es ist nicht scharf. Warum? Weil ich das Motiv nur per Zufall entdeckt habe und alles ganz schnell gehen musste. Also draufgehalten, abgedrückt und kurz angeschaut. Die Unschärfe habe ich damit abgetan, dass das Display wohl beschlagen sein musste, da es recht kalt war. Dass ich für das Motiv einfach die falsche Blende gewählt habe, die ja maßgeblich für die Schärfe verantwortlich ist, kam mir in diesem Moment überhaupt nicht in den Sinn. Stattdessen eine geradezu lächerliche Auslösezeit von 1/3200. Yay.

3. Nutzt auch ruhig mal den manuellen Modus

Vielleicht erinnert ihr euch noch, bereits bei meinem zweiten Ausflug mit der neuen Kamera war ich wegen des Objektivs gezwungen, den manuellen Modus zu benutzen. Was sich im Nachhinein aber als echter Glücksfall rausstellen sollte, denn so musste ich mich ja zwangsläufig mit den verschiedenen Einstellungen der Kamera beschäftigen. Ich will nicht behaupten, dass man nur so erfährt, wie das Zusammenspiel zwischen Blende, Verschlusszeit und ISO funktioniert, aber es ist sicherlich sehr hilfreich.

In dem Zusammenhäng, und weil ich die Frage schon mal auf Facebook gestellt habe, fällt mir ein: Besteht eigentlich Interesse, dass ich hier technische Begriffe u.ä. mit meinen eigenen Laienworten mal erkläre? Also z.B. oben erwähnte Blende?

4. Habt immer eine Kamera dabei

Nein, nicht die dicke Spiegelreflex, das wäre ja Overkill. Aber wer weiss schon, wann sich eine gute Gelegenheit für ein Photo ergibt, oder ihr stoßt auf eine Location, die sich später mal für ein gute Aufnahme eignet, und wollt sie schon mal bildlich festhalten – für den Fall bietet es sich an, eine Kamera dabei zu haben. Zugegeben, in meinem Fall ist es derzeit auch nur das iPhone, aber selbst damit lässt sich ja schon ganz gut was anstellen. Ich tendiere allerdings auch dazu, mir eine kompakte Digicam anzulegen, deren Qualität schon mal um Klassen besser ist. Und wenn ich bei 96dpi sehe, was selbst damit und ein wenig geschickter Nachbearbeitung möglich ist…


DirektYouTube

5. Bearbeitet jedes Photo nach

Ich habe von Photoshop nach wie vor keine Ahnung und muss streng nach Tutorials vorgehen – kommt nur eine Abweichung, dann bin ich verloren. Und ich habe immer noch das Gefühl, dass ich in Lightroom nur die Basics nutze. Dennoch, am Anfang hilft es einem tatsächlich sehr gut weiter, sich mit den Funktionen vertraut zu machen, und das geht halt am einfachsten, wenn man viele Bilder nachbearbeitet. Mit der Zeit kriegt ihr den Dreh dann raus, wisst, welcher Regler wofür zuständig ist, wie sich Änderungen an der Tonkurve bemerkbar machen, was es mit der Teiltonung auf sich hat, wie sich bei ein und demselben Bild völlig unterschiedliche Stimmungen erzeugen lassen usw. usf. Filter sind natürlich knorke, aber kein Allheilmittel.

Das soll es gewesen sein. Aber vielleicht habt ihr ja noch ein paar Einsteigertipps parat?

Die Photos kommen von Chris Devers, Carlo Tardani, Martin Taylor und Deep Shot

25 Kommentare

  1. philipp

    gerade nur zeit zum überfliegen. kann deine headlines aber nur voll und ganz bestätigen!

  2. s-bomb

    Eigentlich hält mich von einem Kauf einer richtigen Kamera nicht das Geld (also, auch das Geld) ab, sondern nur dass ich damit nichts anfangen könnte. Ich warte ja quasi nur darauf, dass du die Begriffe für Laien erklärst, damit ich später eine Rechtfertigung habe, wieso ich so viel Geld ausgebe ;)

  3. Chrissi

    Ja das Interesse ist vorhanden, zu mindestens bei mir.
    Ganz logische Dinge eigentlich die du hier schreibst, aber trotzdem nützlich, weil man genau diesen oft zu wenig Beachtung schenkt.

  4. anny_pm

    Ich selbst bin auch erst seit einiger Zeit mit einer wunderbaren Spiegelreflex unterwegs, aber was mir in der ersten Zeit und auch heute noch hilft ist ein Buch:
    “Der grosse National Geographic Photo-guide” von Peter K. Burian und Robert Caputo

  5. Tom

    mir gefällt deine einstellung zum thema fotografie. diese einfachen tipps sind am ende immer noch die besten.

  6. Kirmesheld

    Gute Zusammenfassung, die ich auch so unterschreiben würde.

    Für mich persönlich war (und ist) vor allem Punkt 3 entscheidend. Dabei bin ich anfangs sogar so weit gegangen, dass ich mir selbst die Regel auferlegt habe, IMMER im manuellen Modus zu fotografieren. Erst jetzt, nach ca einem Jahr DSLR-Erfahrung, fange ich langsam an, ab und zu auch mal die Blendenpriorität einzusetzen.

  7. anny_pm

    Die Einstellung zur mag ich auch, vor allem weil ich fast immer meine Spiegelreflex dabei habe. Aber die Einstellung zum Photoshop mag ich nicht. Aber das ist Sache des eigenen Geschmacks.
    Ansonsten sind Deine Zeilen für Anfänger wohl sehr hilfreich!

  8. Kai Müller

    Ahoi, hm, wie sag ich das jetzt?
    Vielleicht mit dem Zitat: “Die Photos kommen von Chris Devers, Carlo Tardani, Martin Taylor und Deep Shot”.
    Du bist wirklich noch ein bisschen früh dran mit dem Verteilen von Tipps. Da entstehen recht schnell Aussagen, die weder falsch, noch richtig sind. Beispiel: “Die Blende bestimmt (maßgeblich) die Schärfe”.

    Die Tipps beziehen sich auch nur auf Technik. Das ist zwar ok, aber Technik macht ja alleine kein gutes Foto – eigentlich nichteinmal bessere Photos. Aber das kommt noch, da bin ich mir sicher.

  9. Jeriko

    @Kai: na wenigstens einer, der mal meckert ;-) sieh es als meinen persönlichen Merkzettel, das mit der Blende passiert mir bspw. viel zu oft. Und klar sollen das keine “definitive jawdropping tipps for making killer photographs” sein, eher, naja, Hinweise.

  10. Timo

    Bereite Dich mal auf ein Motiv vor. Sei es Porträt, ein Ort oder eine Lichtstimmung. Überlege Dir vorher, was für Bilder Du suchst, was die interessanten Seiten sind. Einfach losgehen ist super, aber auch bewusst damit umzugehen ist nochmal was anderes.

    Mache nur ein Foto von einem Motiv – nur aus Übungsgründen. Das trainiert. Wenn es Dir zu blöd ist, dann fotografiere mal drei Filme lang analog und am besten manuell mit einer alten Spiegelreflex.

    Benutze Festbrennweiten!

    Versuche Licht zu begreifen. Das lernt dadurch, dass man ein paar physikalische Grundprinzipien versteht, aber vor allem mit Beobachtung. Setz Dich mal hin und studiere die Schatten bei bewölktem Himmel.

    My two cents.

  11. Timo

    Und weil ich es gerade im Video anders gesehen habe:

    Für Farbkorrekturen immer 16Bit verwenden!

  12. Andi Licious

    Aloha,

    wenn ich kurz Punkt 3 verändern darf: NUR manuell fotografieren. Lieber anfangs schlechte Bilder in Kauf nehmen, dafür es aber später um so besser machen! Kameras sind etwas, bei dem man ganz klar sagen kann: RTFM! Wenigstens den Einstellungs-Teil.

    Cheers,
    Andi

  13. V’kar

    Kleine persönliche Geschmackssache: Bearbeite Bilder nicht immer nach. Bzw. fotografiere nicht mit der Einstellung: Das bessere ich eh nach. Mach von einem Motiv viele Fotos, überlege aber vorher im Kopf, was du sagen willst. Und dann lösche alle, bis auf das eine Foto, das gut ist.
    Mir geht es so, dass ich mich so sehr auf die Technik konzentriere, dass ich die Bildaussage vergesse. Jetzt versuche ich, beides in Einklang zu bringen. Wenn ich denn mal Zeit zum fotografieren habe.

  14. tobi

    Sind grundsätzlich gute Regeln (aber auch oft durchgekaut), wobei der Hintergrund nicht immer stimmt. Würde ich aber jedem empfehlen. Was ich mir aber immer denke ist, dass sich jeder, der fotographiert auch ein wenig mehr mit der Optik beschäftigen sollte.
    Was sagt mir die Blendenzahl? Was ist Blendenunschärfe und was Beugungsunschärfe? Wie hängt ISO-Verschlusszeit-Blende zusammen? Was ist tonnenförmige und kissenförmige Verzeichnung? Was Vignettierung? Was sind die 4 Linsenfehler? Was ist Schärfentiefe?
    Dazu kommen dann auch noch wichtige elektronische Frage, wie “Was sind Kompressionsartefakte”?.
    Übung, Übung, Übung ist alles – aber irgendwie denke ich mir immer, dass man ohne Basics nicht vom Fleck kommt. Seien das jetzt Bewegungsabläufe im Sport, Techniken in der Malerei oder halt Optik in der Fotographie.
    Die Motivgestaltung und den künstlerische Anspruch kann man nicht lernen, das ist etwas persönliches und subjektives.

    Den 08/15-Tipp, den ich einfach nur abgeben kann: “Mach Fotos die dir gefallen. Nicht anderen.”

  15. Carsten

    Die Tipps kann ich fast bedenkenlos so unterschreiben, vor allem 1. und 4.
    Bei 5. bin ich nicht so ganz sicher, aus Gründen, die schon von vielen anderen hier angesprochen wurden.

  16. goron

    viele objektive sind bei offenblende nicht sonderlich scharf. es existiert daher durchaus ein zusammenhang von blende und schärfe. die optimale schärfe erreichen fast alle objektive erst ab f5.6…

    zu 5.: auch die digitale fotografie braucht einen entwicklungsprozess. das kann man dem chip der kamera überlassen, oder man setzt sich eben an lightroom oder photoshop. tonwertkorrekturen und etwas nachschärfen sind die basis für ein gutes foto. das muss noch nicht mal was mit “fotobearbeitung” zu tun haben. eine gute bearbeitung unterstützt auch nur die aussage des bildes. man kann sich aber eben auch eine aussage reinbearbeiten.

    ansonsten gibt es kein zu früh oder zu spät für tipps. da ist es wie beim fotografieren, auch einfach mal drauf halten.

  17. Wolken-Kratzer

    Die Tipps sind alle richtig. Aber einen muss ich ergänzen:

    Tipp: Lernt von den Meistern.

    Ich hatte mal einen Photographie-Dozenten, der uns einfach jede Stunde ca. 50 – 100 Bilder von berühmten Photographen gezeigt hat. Dabei lernt man nicht nur was einem selbst gefällt, sondern wie sich Stil entwickelt, was Beschäftigung mit einem Thema bringt und vor allem, was alles schon fotografiert wurde. Insbesondere im Hinblick auf Bildkomposition und Motivwahl kann man dadurch einiges lernen.

    In dem Seminar haben wir unter anderem auch verschiedene Künstler in der Arte-Reihe “Kontaktabzüge” angeschaut. Sehr interessant! ( Gibt’s jetzt auf DVD http://www.absolutmedien.de/main.php?view=film&id=1302&list=editionen&list_item=0 )
    Weiterhin sind gut ausgestattete Bibliotheken von Kunsthochschulen sicher eine Fundgrube für gute Photographie-Bücher.

    P.S.:
    Mir ist gerade aufgefallen, dass der Dozent (Johannes Paffrath) mittlerweile Fotografie-Workshops anbietet (allerdings in Regensburg, http://www.elfpunkt.de)

  18. wax

    Spiele auch schon ewig mit dem Gedanken mir eine Kompakte zuzulegen. Merke es gerade hier in London. Jeden Tag schleppe ich meinen Klopper mit mir rum. Nervt mich gewaltig, zumal ich nicht mal täglich ein Bild mache. Aber eben, es könnte ja sein, dass mir das Motiv meines Lebens begegnet.

    Nächste Anschaffung ist ne Kompakte. Nach dem neuen Hifi-System, dem Rennrad, dem …

  19. Fabian

    Wahnsinn, das letzte Foto hat mich sofort sehr angesprochen. Es strahlt etwas unheimliches und zugleich angenehmens aus – Ruhe und Gelassenheit, finde ich. Durch die einfallenden Lichteffekte auf dem Rasen wirkt das Bild freundlich statt trüb durch ein Gewitter beispielsweise. Dieses Foto würde ich mir sofort im Großformat an die Wand hängen, denn für mich ist nur Fotographie Kunst. Nichts ist besser als die Realität, wie ich finde.

  20. Natascha

    Ich muss sagen, ich finde vieles ziemlich schwachsinnig daran.
    Wenn ich digital fotografiere, kommt eigentlich NIE ein gutes Bild raus. Man konzentriert sich nicht so sehr auf ein einzelnes Bild, macht sehr viele hintereinander, sucht dann das beste raus und bearbeitet es nach, das ist doch viel zu schwammig.
    Ich bin auch dafür, mit einer analogen SR zu fotografieren. Man lernt den <bezug zum Bild so viel besser, lernt, durch die Kamera zu sehen. Man konzentriert sich auf jedes Bild, wenn man nur 36 zur Verfügung hat!
    Ich weiß nicht, aber vielleicht probierst du das mal.
    Insgesamt hab ich nicht viel Ahnung vom Fotografieren, nur vom Prozess, ich mache sicherlich keine guten Fotos im Vergleich und will deswegen nicht belehren, aber das ist meine Ansicht dazu.

  21. Simson

    “hab immer eine kamera dabei” ist echt wichtig find ich.
    hatte es schon so oft, dass ich keine dabei hatte , ein motiv gesehen hab mich sowas von geärgert hab es jetzt nicht so und so knippsen zu könnne. zwar ist wie du sagst das iphone eine kleine abhilfe, aber damit zoomen?! mmmh
    find den blog eintrag echt gelungen ;) hat spaß gemacht zu lesen und man konnt sich drin wiederfinden!
    lg

  22. kiel-fotograf.de

    Jedes Objektiv hat eigene Eigenschaften und bestimmte Blendeneinstellungen definieren in unterschiedlichen Situationen die optimale Schärfe. MTF Charts sind eine Möglichkeit, sich mal mit der Qualität eines Objektives zu beschäftigen.

  23. Wioleta

    interessanter Artikel! Wenn du diesen Artikel in dem Photoshop Magazin (auf der Seite: http://photoshop-magazin.net/) veröffentlichen möchtest, sag Bescheid! Der Artikel wird in Newsletter publiziert. Dieser Newsletter erhalten 20 000 Benutzer. Es wäre toll, wenn die anderen von deiner Arbeit erfahren könnten. Lass den anderen die Ergebnisse deiner Arbeit sehen!!

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