Mittwoch, 10. März 2010

Reginald van de Velde, oder: hartnäckig bleiben!

Als ich euch zuletzt meine Photos von den Beelitz Heilstätten gezeigt habe kam in den Kommentaren auch die Anmerkung , dass Abandoned Places ziemlich ausgelutscht wären, es sind ja ohnehin immer die gleichen Motive von verrottendem Zeug, und eigentlich wird mehr die Abenteuerlust als die Leidenschaft für die Photographie bedient. Stimmt, aber eben nur teilweise. Denn ohne ein konkretes Ziel – das Photo – würde ich solchen Orten wohl keinen Besuch abstatten. Und umgekehrt will ich dieses Photo machen, von einem Ort, den in jüngster Zeit nur noch sehr wenige mit eigenen Augen gesehen haben. So, wie Reginald van de Velde.

Château L'Île de la Lagune

Ganz oben ist ein Photo vom Château des Anges, einem kleinen Schloß irgendwo in Frankreich (Reginald wollte mir den genauen Ort nicht sagen. Was es eigentlich nur noch spannender macht!), an drei Seiten von Wasser umgeben, von den ehemaligen Besitzern in den 70ern aufgegeben, und es hat fast ein Jahr gedauert, es aufzunehmen: Der erste Versuch war im Frühjahr 2009, über die Brücke, die das Schloss mit dem Festland verbindet. Der Zaun war noch kein Problem, die verriegelte Tür natürlich schon. Der zweite Versuch, mit einem Schlauchboot. Nur dass das Schloss fast komplett mit einem schier undurchdringbaren Dornendickicht umgeben ist, so Reginald nach einer Stunde wilden Rumhackerei inklusive blutiger Hände und zerrissenem Shirt und einem absaufenden Schlauchboot aufgab.

Danach hieß es warten auf einen besonders harten Winter. Acht Monate Warten, um an einem der kältesten Wintermonate bei -10°C den umgebenden Teich, der völlig zugefroren war, betreten zu können. Das Dornendickicht war jetzt auch kein Problem mehr. Da war es fast schon ironisch, dass die Hintertür natürlich offen war.

Båstnäs Bilskroten

Seine Hartnäckigkeit hat sich gelohnt! Und das war beileibe nicht das erste Mal, in seinem Flickr-Stream, den ich übrigens bei grinding.be entdeckt habe, finden sich mehr als 1.000 Bilder von Abandoned Places, alle mit ähnlichen Stories, für den Einstieg könnt ihr auch ja die Photos zum Château L’Île de la Lagune, dem Autofriedhof Båstnäs Bilskroten oder den Panacolor Filmstudios anschauen. Ich will mich nicht mit ihm vergleichen, sicher nicht, dafür ist es in Berlin doch zu einfach, in verlassene Gebäude zu kommen (und weil er ohnehin viel bessere Photos macht als ich…). Aber trotzdem, ein bisschen Hartnäckigkeit, ein Prise Mut und natürlich die Abenteuerlust gehören für mich bei Abandonded Places einfach dazu. Und das Ergebnis, das Photo, festgehalten für die Ewigkeit, für mich und für alle, entschädigt eigentlich immer für alle Strapazen. Kitschig? Mag sein. Wie seht ihr das?

3 Kommentare

  1. Marius

    Das muss ja wirklich ein Kampf gewesen sein, die Fotos zu bekommen. Und wer sie sieht muss aber sicherlich zustimmen, dass es sich gelohnt hat. Schon das oberste Bild fand ich beeindruckend, aber die Lichtstimmung auf dem Foto mit den Sofas finde ich einfach nur klasse.

  2. S

    Ich fühl mich immer ein bisschen doof wenn ich als nicht-Photograph meine Meinung dazu abgebe, aber ich will es trotzdem mal versuchen, weil es sich wahrscheinlich auf alle Sorte der Künste übertragen kann.

    Abandoned Places, Katzenbilder oder Skylines, es ist doch völlig egal, wie “ausgelutscht” die Motive sind. Das, was noch nicht fotografiert wurde, ist wahrscheinlich nur noch nicht passiert oder eben unerreichbar. Die Interpretation des ausführenden Künstlers ist ausschlaggebend. Wenn ich in Beelitz bin sehe ich etwas anderes als du, und forme daraus auch etwas anderes für mich (und bei mir kommt kein Foto dabei heraus, und wenn, dann nur eins für das familiäre Bilderglück). Es sagt ja auch keiner “hey, du brauchst doch jetzt hier nicht Brad Pitt zu fotografieren, das haben schon tausend andere gemacht”, oder? Weil es nicht auf das Motiv ankommt, sondern darauf, was aus dem Motiv gemacht wird.

    Übrigens finde ich “ausgelutschte” Themen, die von vielen “Experten” schon bearbeitet wurden, gut um Maßstäbe zu setzen (jedenfalls was Technik angeht). Einfach mal messen, verbessern und nach eigenem Geschmack verfeinern. Kann ja nicht jeder Maggi kochen wollen, oder?

  3. Florian

    In einem solchen Fall ist das besondere doch gerade die Verbindung aus Geschichte und Bild. In jedem Fall ergeben sich so völlig neue Blickwinkel, egal, ob die Fotos jetzt der absolute Hammer oder nur okay sind.

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