Ein Plädoyer für HDR

Kennt ihr das? Sobald man sich über Bilder oder Phototechniken unterhält und der Begriff HDR fällt gibt es immer mindestens einen, der einen leisen Stoßseufzer loslässt oder die Augen verdreht oder die Technik gleich komplett verteufelt. Geht mir auch nicht unbedingt anders, aber ganz so einfach machen kann ich es mir dann doch nicht.

Was ist HDR überhaupt? Ein HDR-Bild, oder High Dynamic Range Bild ist ein Photo mit einem hohen Kontrastumfang, dass die großen Helligkeitsunterschiede, wie sie in der Natur nun mal vorkommen, detailgetreu speichern kann. Etwas, wozu eine DSLR normalerweise nicht in der Lage ist. Stellt euch einfach mal eine Landschaftszene mit einem Berg vor, hinter dem die Sonne scheint, die wiederum von ein paar Wolken verdeckt ist. Wenn ihr die Belichtung für das Bild nach der Sonne bemesst, dann könnt ihr die Details des Berges, die sich ja im Schatten befinden, komplett vergessen. Umgekehrt verhält es sich genauso, wenn ihr die Wiesen und Bäume und vielleicht die Schneespitze des Berges erfassen wollt, dann wird euer Himmel völlig überbelichtet sein. Ein HDR-Bild dagegen ist quasi das Beste aus beidem: sowohl der Himmel als auch der im Schatten liegende Berg können dank des erhöhten Dynamikumfangs erfasst werden. HDR eignet sich also prima dazu, Unter- bzw. Überbelichtungen zu korrigieren.

1997 wurde eine Technik vorgestellt, mit der sich Belichtungsreihen kombinieren lassen, um HDR-Bilder künstlich zu erzeugen. 2005 dann wurde in Photoshop CS2 eine Funktion integriert, um diesen Prozess zu automatisieren. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Ihr macht ein Bild, das die Details des Berges erfasst, und ein weiteres für den Himmel, um diese dann später in Photoshop & Co. zu einem HDR-Bild zu kombinieren. Eigentlich toll.

Bloß dass es mit HDR gerne übertrieben wird und es sich daher einen eher schlechten Ruf eingefahren hat. Ein sehr populäres Beispiel dürften Stuck in Customs sein, deren Photos auf mich für zehn Minuten spektakulär wirkten, um danach nur noch Ausdruck totaler Künstlichkeit zu sein. Plastik, wenn man so will. Ein häufiger Fehler bei HDR ist der Gedanke, man könnte den gegeben Kontrast erhöhen, was nicht stimmt - am Ende bestimmt immer noch die Realität das Limit. HDR auf ein Motiv angewendet, dass es eigentlich nicht nötig hat, erhöht nur den gegebenen Kontrast, was wiederum in dem so häufig angemeckerten künstlichen Aussehen endet. Dabei kann es, an den richtigen Stellen eingesetzt, Photos möglich machen, die allein von der Technik bisher überhaupt nicht machbar waren und völlig realistisch wirken. Zwei Beispiele:

Ihr seht, mit ein wenig Übung und vor allem manueller Nachbearbeitung lässt sich aus HDR eine Menge machen, fernab von dem Spielzeugaussehen, dass die Technik so in Verruf gebracht hat. Ich hoffe, damit wenigstens ein bißchen geholfen zu haben.

Ach und das Photo ganz oben? Kein HDR.

Die Landschaftsaufnahmen sind von Alexandre Buisse

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1 Trackback

  1. 16.08.2010 - HDR-Bilder mit HDRtist | der tag und ich

Diskussion: 14 Kommentare

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  1. 1 prayerslayer (Website)

    Mich stört ja allein schon, dass die 32 Bit TIFF HDRs dann als 8 Bit JPEG verbreitet werden, zumal eh kaum Monitore über sRGB hinauskommen.

    Davon abgesehen, kann man damit – wie bei jeder Technik – schöne Fotos machen, wenn man sie richtig einsetzt.

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  2. 2 Jeriko (Website)

    Wie die Bilder am Ende verarbeitet werden ist ja Sache des Photographen – dass sie als JPG im Internet landen ist wohl mehr der Verbreitung und der Platzersparnis geschuldet ;-) Auf Ausgabegeräte bin ich allerdings auch nicht wirklich eingegangen, da steht man ja mehr oder weniger immer noch am Anfang.

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  3. 3 Emanuel (Website)

    ich habe durchaus selbst schon spaß mit hdr gehabt. was nämlich bei dem übermaß an quietschbunten lollipop-bildern häufig übersehen wird, ist die tatsache, dass man mit der hdr-technik ganz ausgezeichnete schwarzweiß-bilder machen kann.

    aber wie du schon schreibst: man sollte nicht jeglichen kontrast aus den bildern saugen. diese flachen fotos, bei denen alle stellen gleich hell sind, sehen furchtbar aus und tragen die schuld daran, dass beim thema hdr immer wenigstens ein stoßseufzer zu vernehmen ist.

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  4. 4 Jeriko (Website)

    @Emanuel: Absolut! Guck dir Ramparts oder Ben Nevis an, beides super Beispiele für Schwarzweiß-HDR. Dieser Buisse hats schon drauf :-)

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  5. 5 Martin Schneyra (Website)

    Ich unterschreibe das.

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  6. 6 MC Winkel (Website)

    Ziemlich geil! Kriegt meine ixus II (3.2 MP) nicht hin! :)

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  7. 7 Sebastian (Website)

    Ich versteh nur nicht warum du jetzt HDR gegenüber skeptisch bist.

    Deine Kritiken über HDR sind equivalent zu meinen Kritiken von Bildbearbeitung.
    Wird manchmal übertrieben und schlecht angewendet, deswegen ist Photoshop und Co. aber nicht schlecht…

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  8. 8 Jeriko (Website)

    Na deswegen heißt es ja auch Plädoyer FÜR hdr, nicht GEGEN hdr. Ich versuch ja, dafür hier eine Lanze zu brechen ;-)

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  9. 9 Sebastian (Website)

    @Jeriko: Im Artikel: “…der Begriff HDR fällt gibt es immer mindestens einen, der einen leisen Stoßseufzer loslässt oder die Augen verdreht oder die Technik gleich komplett verteufelt. Geht mir auch nicht unbedingt anders, … ”

    Klingt mir nicht wirklich nach Begeisterung, deswegen fragte ich mich, woher dieses “ich würde auch gern seufzen” kommt….

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  10. 10 Jeriko (Website)

    Stimmt, etwas missverständlich. Ich beziehe mich da eben auf Arbeiten a la Stuck in Customs, also diese völligen Realitätsverzerrungen. Als Kunstwerk ganz nett, als Werk der Photographie aber… naja, eben nicht so.

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  11. 11 tobi (Website)

    Ich hab auch HDRs in “Spielzeug”-Look gemacht und anfangs wars ja toll – nach nur ein paar verlässt einen dann aber schon der Spass weil irgendwie keine Herausforderung mehr besteht. Inzwischen versuche ich so natürlich wie möglich die HDRs zu halten und das ist eine ziemliche Herausforderung. Mir gefallen HDRs auf jeden Fall sehr gut, es kommt nur darauf an was daraus gemacht wird. Die Technik allein ist zu wenig um etwas zu beurteilen.

    @MC Winkel: Doch doch, ich hab das mit meiner IXUS 500 sogar hinbekommen, das funktioniert schon. Brauchst nur a bisserl Übung.

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  12. 12 Florian (Website)

    Die beiden letzten Bilder sind wirklich fantastisch, man würde niemals ein HDR dahinter vermuten. Als Schwarzweißfotos kann ich die Bilder mit hohem Dynamikumfang auch sehr gut annehmen, ansonsten hast du leider absolut recht, die Farben sind in den meisten Fällen absolut übersättigt.

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  13. 13 Jan (Website)

    Ich glaube, dass HDR ein ziemlich ambivalentes Thema ist und leider dominieren diese kitschigen Bonbon-Bilder die Diskussion, weil man sie so schlecht wieder aus dem Kopf bekommt.
    Dennoch behaupte ich einfach, dass HDR, besonders in der hier zu sehenden angenehmen Form, aussterben wird, weil moderne Kameras schlicht und ergreifend immer bessere Bildqualität (Stichwort: Dynamik) liefern und auch die herkömmliche (also nicht ausschließlich auf HDR abzielende) Bearbeitungssoftware mittlerweile sehr viel besser mit Werkzeugen wie Highlight Recovery und Belichtungskorrektur umgehen kann als frühere Generationen.

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  14. 14 joe ekine (Website)

    Mir scheinen neue Techniken immer eine Bereicherung.

    Zum Beispiel war das analoge Fotografieren extrem kostenintensiv und aufwendig. Und immer diese Wartezeiten bis der Film endlich entwickelt war. Das eigenhändige Entwickeln war teuer und und und…
    Was haben die “etablierten” Fotografen damals über die Digitaltechnik gelässtert und trotzdem hat sie den gesamten Markt in Windeseile erobert.

    HDR kann ruhig kommen… :)

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