Dienstag, 02. Februar 2010

Drei Beispiele für Urban Landscapes

Architektur – oder neumodisch: Urban Landscapes – halte ich ja für einen guten Einstieg in die Photographie. Gebäude und dergleichen sind geduldig, man kann sich alle Zeit der Welt nehmen, mit der noch neuen Welt und dem Fachchinesisch drumrum vertraut zu machen (außer es ist nervtötend kalt, dann will man auch keine Minute zuviel draußen verbringen…), das Motiv rennt einem sicher nicht weg. Außerdem habe ich an mir bemerkt, dass sobald ich mit der Kamera unterwegs bin, einen ganz anderen Blick für die Dinge kriege. Es geht nicht mehr darum, von Punkt A nach Punkt B zu kommen, der Weg ist jetzt das Ziel, und alles, was sich an und auf diesem Weg befindet. Da kann eine Glühbirne in einem Mülleimer, was mir sonst höchstens ein Grinsen abgerungen hätte, ein gelungenes Motiv abgeben, für dass ich mir dann auch mal 10 Minuten oder mehr Zeit nehme. Und ich komme an Orte, die ich sonst nur vielleicht von anderen Bildern kenne oder gar nie zu Gesicht bekommen hätte – warum sollte ich denn auch sonst diverse Abandoned Places in und um Berlin aufsuchen, wenn ich dort keine Photos machen will? Genau.

Und es lässt sich einfach viel von anderen abschauen. Motivwahl, Perspektiven, Farben, man kann sich bei Urban Landscapes sehr leicht inspirieren lassen und davon lernen. Daher an dieser Stelle drei Photographen, die mir in letzter Zeit untergekommen sind.

Tomasz Przetacznik

Die Photos von Tomasz Przetacznik (via) würde ich – im absolut positiven Sinne! – als die Einfachsten ansehen. Allen gemein ist sind die blassen Farben und größtenteils Weitwinkel-Aufnahmen, die den Bildern eine verzerrte Optik geben. Zusätzlich hat die Wahl der Motive etwas futuristisches an sich, ich hab mich teilweise an Filme wie Aeon Flux oder V for Vendetta mit ihren monumentalen Bauten erinnert.

Damien Vassart

Die Photos von Damien Vassart (via) sind da schon einen Tick aufwändiger, wirken durch die Nachbearbeitung mit den Blur-Effekten im Himmel und in den Gewässern aber fast ein wenig surreal. Und dann natürlich das exzellente Spiel mit den Kontrasten, die den Blick des Betrachters sehr genau lenken. Nicht jedermanns Geschmack, stimmt, aber irgendwann will ich sowas auch mal können.

Jens Fersterra

Jens Fersterra ist für mich im Moment gewissermaßen die Referenz. Jedes Photo von ihm ist ein Knaller, das Treppenhaus im Tacheles zierte das Cover von Ausdruck, und ich bin bei jedem Bild aufs neue schwer beeindruckt. Und da er wie ich auch aus Berlin kommt fungiert er für mich sozusagen wie eine Art Lehrer, in dem ich versuche, seine Photos nachzustellen. Und damit schließt sich auch der Kreis zu meiner Beschreibung oben, dem Lerneffekt und den meiner Meinung nach recht schnellen Erfolgen.

Haltet ihr Urban Landscape für einen guten Einstieg in die Photographie? Habt ihr mit was anderem angefangen?

15 Kommentare

  1. Pascal

    Kennst du dich da eigentlich ein wenig mit den rechtlichen Themen aus? Wenn ich jetzt hier auf dem Land in einem Dorf mit runden 1000 Einwohnern Straßen oder gar einzelne Häuser fotografiere, dann sind die ja einfach zu finden und eventuell ist auch noch ein Straßenname oder eine Hausnummer zu erkennen. Kann mir da irgendjemand dumm kommen, wie die Leute, die Google wegen Street View angezeigt haben?

  2. Jeriko

    @Pascal: Das Recht am Bild der eigenen Sache existiert in Deutschland nicht.

    Privatgrundstücke, Fabrikanlagen, Flugplätze usw. dürfen ohne vorherige Genehmigung fotografiert und die Bilder auch kommerziell verwendet werden, wenn die Aufnahme vom öffentlichen Grund heraus erfolgt.

  3. farbanomalie

    Ich glaube, es ist total egal, womit du anfängst, solange sich der Effekt einstellt, den du da beschreibst. Ich musste ein bisschen grinsen, weil es mir ganz genauso ging. Dass ich mir lange Zeit für Details genommen habe und plötzlich der Weg das Ziel war. Dass ich immer neue Wege von A nach B gegangen bin, um dazwischen Neues zu entdecken.

    Meinst du, der Himmel ist nachbearbeitet? Ich dachte beim Betrachten eigentlich, dass so lange belichtet wurde, dass die Bewegungsunschärfe der Wolken sichtbar wird. Und das geht ja auch mal schnell, wenn sie sich etwas fixer bewegen.

  4. Florian

    @Pascal: Ich glaube, bei Außenaufnahmen stellt das kein größeres Problem dar, solange nicht ein bestimmtes Haus klar im Vordergrund steht. Mir fiel spontan der Streisand-Effekt ein.
    Juristisch gesehen gibt es in der Fotografie wohl aber ziemlich viele Grenzfälle, ich kenne mich da nicht besonders gut aus. Einfach mal googeln ;)

    Urban Landscapes gefielen mir schon immer, als Einstieg eignen sie sich bestimmt sehr gut, wobei dieses Thema sicherlich auch noch viel mehr Potential bietet.

  5. Jeriko

    @farbanomalie: In dem konkreten Beispiel von Vassart wohl nicht, stimmt (mir hats einfach gut gefallen :D ), aber schau dir zum Beispiel mal seine Waterscape-Serie an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das durch Langzeitbelichtung hinkriegt.

  6. Sandra

    Die Bilder sind wirklich genial :) besonders das letzte gefällt mir sehr gut.

  7. farbanomalie

    @Jeriko: Also ich glaube schon, dass er es so macht. Vielleicht hilft er ja noch etwas nach, um hinterher den Effekt zu verstärken, aber das Prinzip haut ja mit dem hin, was man da sieht: z.B. Wolken im Vordergrund sehr verschwommen und zum Horizont meist klarer. Unterschiedliche “Wisch-Richtungen” je nach Windrichtung. Unscharfe Objekte wie Bojen oder Bote, die in der Aufnahmezeit geschaukelt haben. Und die Wasseroberfläche, die einfach nur noch weich ist.
    Man sollte das definitiv mal selbst testen. :)

  8. Anna

    Ob es wirklich ein guter Einstieg für die Fotografie ist, das weiss ich nicht genau. Aber , es bietet schonmal eine gute Möglichkeit sein Auge zu schulen.

  9. Oliver

    Ich fotografiere schon eine ganze Weile und muss doch gestehen, mich bisher eher selten mit der Vorgabe einen bestimmten Stil zu verfolgen, auf eine Fototour begeben zu haben. Dankbare Motive findet man in dieser Kategorie sicher viele, sie laufen (wie du schon schreibst) nicht weg und schulen den Blick fürs wesentliche!

  10. Jeriko

    @farbanomalie: also wenn ich den Effekt mit dem Wasser ohne Nachbearbeitung in Photoshop o.ä. hinkrieg… DANN WILL ICH DAS AUCH KÖNNEN! :-)

    @Anna: Eben, genau das meine ich ja. Man läuft anders herum, nimmt seine Umgebung bewusster wahr. Win-Win-Situation, nicht nur für die Photographie.

    @Oliver: Ich meinte ja auch nicht, dass man alles andere unter den Tisch fallen lassen sollte – aber nehmen wir als Gegenbeispiel mal Portraitfotografie, die noch ganz andere Dinge erfordert als nur das Beherrschen der Kamera. Ich finde eben, dass Architektur und dergleichen gut sind, um sich mit der Technik vertraut zu machen – das Motiv ändert sich nicht und geänderte Einstellungen lassen sich sofort nachvollziehen. Darum gings mir.

  11. Kai Müller

    JEDES Thema ist gut um einzusteigen. Wenn du direkt Bock hast, Essen im Studio zu fotografieren, mach das. Wenn du Lust hast, Stimmung – egal wo – einzufangen, machen. Wenn du Gebäude fotografieren willst, bitte. Bei jeder Spielart lernst du deine Kamera kennen. Danach, das dauert meist doch was länger, checkst du, dass du dich vor allem mit Technik beschäftigt hast, und selten aufmerksam mit dem Motiv. Dann geht’s wieder von vorne los.

    Du bemerkst, dass alte Fotos, die du ursprünglich aussortiert hast, viel mehr transportieren, als die, die den Fokus an der richtigen Stelle hatten. Sie hatten “Soul” – und ich ne Flasche Wein :)

  12. hausi77

    @Jeriko:

    Hi, ich denke schon, dass auch die Waterscapes einzig durch Langzeitbelichtung entsanden sind. Wenn man z.B. einen Graufilter benutzt, kann man auch bei Sonne recht lange Zeiten erzielen. Da sich das Wasser immer leicht bewegt, entsteht durch die lange Belichtung dieser Blur-Effekt.

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