Als ich mit Ausdruck Anfang Oktober begonnen habe hatte ich ja nicht den blassesten Schimmer von Print. Naja also ein wenig Schimmer vielleicht, eine ungefähre Vorstellung hatte ich von Anfang an und in meinem Feedreader tauchten auch immer wieder sehr schöne Print-Beispiele auf. Trotzdem, am Anfang war vor allem Studieren angesagt, das heisst ich habe mich massig mit Zeitschriften aller Art eingedeckt. Von der BRAVO über den Spiegel bis hin zu irgendeinem Rezeptblättchen, dessen Name mir gerade nicht einfallen will. Und den Playboy.
Mein letzter Playboy war noch zu einer Zeit, als Pamela Anderson quasi ein Abonnement auf das Cover für sich inne hatte, also gut und gerne 15 Jahre her, und ich weiß nicht, ob es damals auch schon so war, aber ich finde das Magazin rein von der Aufmachung her entsetzlich: überfrachtet, bunter Overkill, keine klare Linie, die das Auge führt, und ich hatte ständig das Gefühl, man will in die vorgegebene Anzahl von Seiten so viel Informationen wie nur absolut möglich unterbringen. Ich hab mir vor kurzem sagen lassen, dass Frauenmagazine ähnlich sind, was den Umstand aber auch nicht besser macht. Übrigens, aber das nur am Rande: Das einst wichtigste (und wahrscheinlich stylischste, aber das kann ich nicht beurteilen) Männermagazin überhaupt unterscheidet sich inhaltlich gar nicht mehr von der Konkurrenz wie FHM, GQ oder Maxim, es gibt vielleicht nur ein bisschen mehr zu sehen - kein Wunder, dass es dem Playboy eher schlecht geht.
Playboy Rebranding

Alex Cornell hatte wohl einen ähnlichen Gedanken, für seine Semesterarbeit hat er sich deshalb folgende Frage gestellt:
What would happen if the magazine removed all nudity and became a purely literary publication, allowing people to actually "read it for the articles".

Und das Ergebnis finde ich durch die Bank weg gelungen: die erste Hälfte führt den Leser durch die Geschichte des Männermagazins, von den Anfängen bis hin zum aktuellen, eher trashigen Zustand, bevor in der zweiten Hälfte klar vom Rebranding dominiert wird, und wie es möglicherweise eingesetzt werden könnte. Diese neue Marke soll die Klasse aus den frühen Jahren des Playboys in die Gegenwart holen, keine nackten Frauen mehr, nur noch das Wort, für den anspruchsvollen Mann. Lifestyle, so man denn will.

Cornells Portfolio gibt einen guten ersten Überblick und auf ISO50 gibt es längere Beiträge mit den Überlegungen zum Rebranding sowie der Buchproduktion. Gefunden habe ich das Projekt bei FormFiftyFive.
Alternative 1: Jaques



Bei TheJunction bin ich auf Jaques gestoßen, ein vierteljährlich erscheinendes Magazin aus den USA, quasi eine moderne Version der Männermagazine von anno dazumal. Sozusagen Back To The Roots, Meinungsmache, Interviews und ziemlich abgefahrene Stories, alles in einer sehr schönen, luftigen Aufmachung, kein Vergleich zum vorhin angesprochenen Wirrwarr. Und dann natürlich die Photostrecken, die nicht diesen Exploitation-Charakter hat, wie man ihn heute so häufig antrifft.

Kleine Anekdote am Rande: Das Magazin hat ebenfalls 48 Seiten und kostet 10€. Und auf einmal kommt mir der Preis von Ausdruck gar nicht mehr so hoch vor. Kann man bei Do You Read Me? kaufen. Übrigens, aber das nur am Rande, der kleine Laden aus Berlin ist ein wahres El Dorado für Printliebhaber, ich könnt da ganze Tage drin verbringen!

Alternative 2: S Magazine



Über das S Magazine bin ich über diverse Photographen, die mir immer wieder mal über den Weg gelaufen sind, gestoßen David Bellemere (via). Kein Männermagazin im klassischen Sinne, wenn man das überhaupt definieren kann, geht es doch eher in den Bereich Fashion - natürlich gibt es trotzdem genug zu sehen für all diejenigen, die auch beim Playboy "nur die Artikel lesen" - das dann aber mit einer gehörigen Portion Klasse.


Und da die aktuelle Ausgabe satte 430 Seiten stark ist bleibt auch genug Platz, um alles mit Style unterzubringen. Erscheint dafür aber auch nur halbjährlich, für 19,50€ ebenfalls bei Do You Read Me? erhältlich.
(Apologies für die eher bescheidene Qualität der Photos, ich hab nun mal kein Studio.)