Ich musste kurz nachschauen, aber mein letzter Jahresrückblick liegt tatsächlich schon drei Jahre zurück. Das muss jetzt nicht unbedingt bedeuten, dass 2007 und 2008 Scheissjahre waren, wahrscheinlich war ich einfach nur zu faul oder hatte keine Lust oder war mit anderen Dingen beschäftigt. Sei's drum, jetzt habe ich Zeit.
2009, das Jahr, in dem das Blog hier mehr oder weniger durchgestartet ist, und dann wieder auch nicht. Ich habe für mich einen Fokus gefunden, den ich mag, hinter dem ich mit Leidenschaft stehe, und der das Ganze hier in nackten Zahlen auch weiter gebracht hat. Die Anzahl der Feedleser hat sich mehr als vervierfacht, die Leserzahlen steigen kontinuierlich, und eigentlich könnte ich happy sein.
Vor kurzem erst meinte jemand zu mir, dass es doch nichts geileres gäbe, als auf einem Blog eine Diskussion anzustoßen und seine Meinung bestätigt zu sehen. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Bloß dass hier nicht mehr diskutiert wird. Dass darf man jetzt bloß nicht als Vorwurf verstehen, ich weiß selber am besten, dass Empfehlungen zu Photographen, Musik, Filmen und so weiter nicht gerade scharf genug sind, um ein Kommentar abzugeben. Aber dass sich die gesamte Kommunikation eigentlich Richtung Twitter verlagert hat, während der größte Teil der Interaktion auf dem Blog hier in Form von Trackbacks besteht, was eigentlich nur bedeutet, dass ich als Linkfutter angesehen werde, wirkt sich am Ende des Tages dann doch ein wenig auf die Motivation aus. Again, kein Vorwurf, nur überlege ich schon seit längerem, ob der Fokus, den ich seit gut einem dreiviertel Jahr habe, der Richtige ist, und ob eine leicht veränderte Richtung nicht besser wäre, was aber mit heftigst mehr Arbeit verbunden wäre. Mal sehen.
2009, das Jahr, in dem Twitter anfing, Spaß zu machen. Wenn man nicht versucht, irgendwelche Prosa, Kalauer, Doppeldeutigkeiten, Rumgemecker und dergleichen krampfhaft in 140 Zeichen zu pressen, weil man irgendwelchen kleinen Sternchen hinterherhechelt, sondern einfach so schreibt, wie einem gerade der (Blöd-)Sinn steht, und wenn das dann auch mal sechs Tweets gleichzeitig sind, einfach weil es gerade passt, dann ist es eben so. Mir machts jedenfalls Spaß.
2009, das Jahr, in dem ich nach Berlin zog. Ich finde das durchaus bemerkenswert, denn ist trotz meiner 27 Jahre, die ich auf dem Buckel habe, die erste Stadt, die ich mir komplett selber ausgesucht habe. Alles davor wurde mir gewissermaßen vorgegeben: Köln durch meine Eltern, der Odenwald durch meine eigene Faul-/Blödheit, Mannheim durchs Studium. Ein gutes Jahr bin ich jetzt hier, und ich bereue es kein bißchen - was zugegeben im Vergleich mit Mannheim auch wirklich nicht schwer fällt. Und trotzdem, es fühlt sich richtig an, in jeder Beziehung. Es gibt jeden Tag was Neues, eine Party, ein Konzert, ein Event, wasweissich. Berlin bietet dir alles, aufstehen und danach greifen musst du allerdings selber. Mannheim bietet einem übrigens gar nichts, da muss man auch nicht aufstehen.
2009, neue Freunde, alte Freunde. Wahre Freundschaften erkennt man daran, dass sie auch dann noch funktionieren, wenn man sich nicht mehr ständig sieht, wenn man sich nach einem halben Jahr Funkstille trotzdem wieder auf Anhieb versteht - oder eben auch nicht, aber so bißchen Streiterei gehört eben auch dazu. Umgekehrt aber auch zu merken, dass vermeintliche Freundschaften am Ende doch nur heiße Luft waren. Zugegeben, sehr stören tut es mich auch nicht mehr, dafür ist sowas schon zu oft vorgekommen.
Und dann das Glück, so viele neue, großartige Menschen kennenlernen zu dürfen. Die Hamburger Spackofatzen, mit denen man Party machen kann, bis morgens die Sonne wieder aufgeht, und mit denen ich aller Wahrscheinlichkeit nach auch ins neue Jahr feiern werde. Die Berliner Nerdtruppe, die mir die letzten vier Wochen ziemlich versüßt und so gewissermaßen ein Berlin gezeigt haben, dass ich im letzten halben Jahr eher vermisst habe. All die anderen Blogbekannschaften, die schon immer hier in Berlin waren oder auch zugezogen sind, was das Aufeinandertreffen so herrlich einfach werden lässt. Meine Eltern schauen immer noch etwas komisch, wenn ich ihnen von meinen "Freunden aus dem Internet" erzähle - die Wahrheit ist aber, dass zumindest der erste Kontakt bei all den Menschen fast immer digital zustande kam - und das mich das kein bißchen stört, ganz im Gegenteil. Ich sag mal Danke für ein ziemlich geiles Jahr!
2009, das Jahr, in dem ich gemacht habe, was ich wollte. Klingt das bescheuert? Arrogant? Vielleicht sollte ich ausholen: im Internat habe ich für mich gelernt, mir nicht ständig um alles Gedanken zu machen, oder es zumindest versucht - Empathie gehört immer noch zu meinen ärgerlichsten Eigenschaften - denn am Ende wird sich sowieso wieder alles gut. Oder auch nicht, was aber auch gut sein kann. Oder anders: Es ist egal, ob ich mir durch zuviele Gedanken schlaflose Nächte bereite, beeinflussen kann ich es sowieso nicht. Später dann wollten andere für mich mein Leben bestimmen, mich mich 25 oder 26 Jahren immer noch erziehen. Ich hab es ihnen aus falschen Gründen teilweise zugestanden, was ich heute eher bedauern würde, und was ich sicher nicht nochmal geschehen lassen würde. 2009 war das Jahr, in dem ich gemacht habe, was ich wollte, in dem ich einfach ich war. Und es hat mir kein bißchen geschadet. Glaube ich zumindest.
2009, das Jahr, das einfach nur awesome war. Hau rein 2010, du wirst dich ganz schön anstrengen müssen.














Ich bin mal gespannt, wie dieser Richtungswechsel sich auswirken wird– ich bin jedenfalls der größte Fan, egal, watt du für ein Linkfutter darstellst… ich würde auch mal sagen: 2010 wird ein Jahr voller Bäm, Bahatsches und Anschlag! WORD!
Ich hoffe mal, dass du weiterhin viel Zeit hast, denn das Blog hat an Quali schön was zu bieten. Naja und Zweinullnullneun war auf jeden Fall schick … wir sehen uns im Januar zur BloggerMädchenTreffen Teil zwo.
Servus und einen herrlichen SilvesterAbend ;-)
<3
Ich liebe es, wenn du einfach mal einen längeren Text schreibst. Mit deinem ganz eigenen Stil klingt das dann auch immer so ehrlich, dass man das Gefühl bekommt, dich ein wenig näher kennenzulernen.
Jeriko hat seinen festen Platz in meinem Feedreader, auch 2010. Ohne die vielen tollen Fotos würde sicherlich etwas fehlen. Ich kann schon verstehen, dass es dich ärgert, wenn die Kommentare abnehmen, mir geht das ja auch so. Manchmal fehlt mir einfach die Zeit, meine Eindrücke kurz in einem Kommentar zu hinterlassen, aber ich werde mich bemühen, das im neuen Jahr zu ändern.
Mach auf jeden Fall weiter so und lass es an Silvester ordentlich krachen :D
Das liest sich doch klasse! Klar wird 2010 noch awesomer! Als jemand der gerade eine Strähne hat (das dritte coole Jahr in a row) kann ich sagen: das geht tatsächlich! :-) Alles Gute für 2010, vllt klappts ja mal auf ein Bier in BLN.
Schließe mich r0ssi an – 2010 wird derbe! Wirste sehen. Wir sehen uns bestimmt auf der re:publica – und da genehmigen wir uns endlich mal’n Lütten, aight?! :)
bam. Netter Rückblick. Werde helfen deine gewünschten Diskussionen anzustoßen! Viel Erfolg für zwanzig zehn
Viel Spaß im neuen Jahr. Freut mich, dass du irgendwie du selbst geworden bist und mir immer noch nicht auf den Keks gehst, so als Leser.
2010 kann kommen!
(2010 komm ich sogar nach Berlin, wa?)
2010 wird der Hammer, wart’s nur ab. Und wenn nicht, dann spätestens 2011. Also wirklich. 2011 uiiii.
“Ein gutes Jahr bin ich jetzt hier, und ich bereue es kein bißchen – was zugegeben im Vergleich mit Mannheim auch wirklich nicht schwer fällt.”
Sach mal, wie meinst du das denn jetzt?
;)
“Ein gutes Jahr bin ich jetzt hier, und ich bereue es kein bißchen – was zugegeben im Vergleich mit Mannheim auch wirklich nicht schwer fällt.”
Also ich weiß genau, wie er’s meint ;) Schöner Text.
Einen guten Rutsch und alles Gute für 2010 – irgendwas wird das Jahr schon bereithalten