Dienstag, 04. August 2009

Schönheitswettbewerbe

Beauty Pageant

Ich habe eben kurz bei Wikipedia nachgeschaut, wieviel die Gewinnerin von Miss Universe kriegt. Die Information gibt es dort nicht, wohl aber, dass der Miss Universe Wettbewerb zusammen mit Miss World und Miss Earth zu den weltweit bekanntesten gehört. Von Miss Earth habe ich noch nie gehört, von Miss World vielleicht und Miss Universe kenne ich, weil es einen gleichnamigen Bodybuilding-Contest gibt. Soviel zur Bekanntheit, wenn man mich als Maßstab nimmt.

Beauty Pageant

Schönheitswettbewerbe sind eine kleine Welt für sich. Die Natürlichkeit wird unter tonnenweise Makeup versteckt, das Lächeln im Gesicht wirkt eingemeißelt, die Phrasen sind gründlichst einstudiert – oder auch nicht – und ich habe das Gefühl, dass jede Kandidatin völlig austauschbar ist, ja sogar der ganze Contest Jahr für Jahr der Gleiche sein könnte. Die Gewinnerin, von der ich immer noch nicht weiß, was sie an Sach- oder Geldpreisen erhält, wird für ein Jahr durch diverse Veranstaltungen durchgereicht, und wenn sie in der Zeit nicht noch einen kleinen Skandal oder sowas produziert wird sie ziemlich genau bei der Übergabe der Krone an die nächste Schönheitskönigin in der Versenkung verschwinden.

Beauty Pageant

Aber immerhin suchen die Frauen es sich selber aus. Kinderschönheitswettbewerbe sind nochmal eine ganz andere Dimension, bei der ich ständig ein kleines “Das ist krank…” im Hinterkopf habe. In den meisten Fällen dürften die Eltern die treibende Kraft dahinter sein, sei es wegen Geld, Verwirklichung durchs Kind oder wasweissich. Ganz davon abgesehen, dass das finale Aussehen lächerlich wirkt und ich mich ernsthaft frage – auch in mehrdeutiger Hinsicht – wer darin Attraktivität sieht. Susan Anderson und Colby Katz haben separat voneinander Photoserien über Kandidaten von solchen Wettbewerben gemacht, und jetzt achtet bitte mal auf die Gesichtsausdrücke: diejenigen, die überhaupt ein gezwungen wirkendes Lächeln hinkriegen, kann man an einer Hand abzählen. Soviel zum Spaß dabei.

Gefunden bei kottke

6 Kommentare

  1. josh

    Wie unglaublich traurig die Kinder wirken.

  2. sebastian b.

    falls noch nicht gesehen, empfehle ich an dieser stelle mal fix den film “little miss sunshine”, der sich in großartiger weise um einen kinderschönheitswettbewerb (bzw. die fahrt dorthin…) dreht.

  3. Marco

    So ein Bild, von einem Kind bei einem Schönheitswettbewerb, zeigt mir einfach eine Menge, wofür die USofA so stehen: Dort kann es einfach jeder vom Tellerwäsche zum Millionär schaffen, aber tatsächlich schaffen es nur wenige. Am leichtesten schafft man es aber scheinbar mit Oberflächlichkeit und dem Abgeben der eigenen Würde. Wenn man halt zu klein ist, um Begriffe wie “Oberflächlichkeit” und “Würde” zukennen, machen das gleich die Eltern für einen. Ich glaube einfach, dass der gesellschaftliche Druck dort viel zu groß ist. Wenn man nicht gerade den “perfekten” Körper, die weißesten Zähne, die blondesten Haare und die dicksten Hupen hat, ist man dort auch einfach nix… natürlich muss man auch ein Sportfanatiker sein, ist ja klar. So gehört sich das für die größte Nation der Welt…

  4. Jonathan Nixdorff

    @Marco: Eine sehr schöne Zusammenfassung der gängigen Vorurteile.
    Ich weiß nicht mit was für Menschen du in den Staaten zu tun gehabt hast und vor allem nicht wie lange, aber da ist wohl etwas schief gelaufen. Ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht.
    Wie viel oberflächicher sind “die Amerikaner” als wir “Deutsche”? Schau mal RTL2, ProSieben und Vox!

  5. el-flojo

    Ich kann mich sebastian b. nur anschließen und einfach nur drauf bestehen, “unbedingt” Little Miss Sunshine zu gucken! Wirst ihn mögen. :-)

  6. Franziska

    Traurig, traurig… im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man die Fotos sieht.
    Was mich aber immer wieder überrascht (und das betrifft alle Schönheitswettbewerbe, egal in welchem Land), ist die dort vorherrschende Ästhetik. Barbiepuppentraumwelt trifft es eigentlich nur ungefähr. Grauselig.

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