Eine kurze Überlegung zu den angekündigten Netzsperren

Eine kurze Überlegung zu den angekündigten Netzsperren

Ich hatte versucht, es in 140 Zeichen zu packen, hab es aber nicht geschafft, daher muss ich thematisch hier wohl doch eine Ausnahme machen. Am Mittwoch war die öffentliche Anhörung, in der es unter anderem darum ging, ob die Sperrlisten durch das Mehraugen-Prinzip überwacht werden sollen bzw. ob ein richterlicher Entscheid nötig ist, damit eine Domain, URL, Website, wasauchimmer auf besagte Liste kommt. Dazu zwei Punkte, die mich ein wenig nachdenklich gestimmt haben.

Zum einen erlaube ich hier jedermann, eigene Beiträge zu schreiben. Durch Kontrollmechanismen, angekündigt wie unangekündigt kann ich sowohl automatischen als auch manuellen Spam ziemlich effektiv verhindern. Wenn mir aber jemand an die Karre fahren will, dann kann er das auch. 10 Bilder unbemerkt auf dem Webspace hier abgelegt, kurze Benachrichtigung wo auch immer und schon könnte ich mich auf einer dieser Sperrlisten wiederfinden. Vielleicht bin ich da ein bisschen zu paranoid, aber kollaborative Zusammenarbeit dürfte mit einem derart installierten Sperrsystem merklich zurück fahren. Und ich bin nur ein kleiner Fisch im Internet-Teich, da gibt es ganz andere Größenordnungen, auch was Neid, Missgunst, Hass betrifft.

Zum anderen, und das wiegt viel schwerer, wurde der Punkt des Overblockings angesprochen, den ich aber als absolut kritisch ansehe. Ich hole dazu jetzt mal aus, irgendein Arschloch hat vor etwas mehr als 10 Jahren die Eltern eines Kumpels beim Finanzamt angeschwärzt, sie würden Steuern hinterziehen. Der Vorwurf war nicht haltbar, das Haus wurde aber trotzdem durchsucht und dabei unter anderem auch der Computer konfisziert. Es hat mehr als ein halbes Jahr sowie den Einsatz eines Anwalts gebraucht, um diesen Computer wieder zu kriegen, und ich wüsste nicht, warum es unwesentlich kürzer dauern sollte, von der Sperrliste wieder runterzukommen, wenn man als Websitebetreiber fälschlicherweise dort gelandet sein sollte, beispielsweise wie oben beschrieben.

Vor ein paar Jahren, als es den Banken noch gut ging, hat mal jemand gesagt, die Server der Deutschen Bank müssten nur einen Tag lang nicht erreichbar sein und der ganze Laden wäre bankrott. Und mal abgesehen von der Stigmatisierung durch den Vorwurf, im Besitz von Kinderpornographie zu sein, sehe ich da Parallelen - kein Business, was im Internet operiert, kann es sich leisten, länger als nur einen Tag nicht erreichbar zu sein.

 
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1 Trackback

  1. 29.05.2009 - Internetsperren 29.05.2009: Artikel und Kommentare « Wir sind das Volk

Diskussion: 1 Kommentar

  1. Dirk (Website)

    wenn deine Webseite erst einmal gesperrt ist kommst Du ja auch nicht mehr ran um die fragwürdigen Inhalte zu löschen ! Du wärest gezwungen diese Netzsperre zu umgehen… eine tolle Logik wie ich finde :-o

    29. Mai 2009 um 14:21 Uhr - AntwortenReply to this comment

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