Kurze Gedanken zu den von mir besuchten Sessions auf dem WordCamp 2009 in Jena
Keynote Matt Mullenweg
Inhaltlich ging es um – Überraschung – WordPress gestern, heute und morgen. Matt hat ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, wie WordPress entstanden ist, wo wir gerade sind und wo die Reise hingehen wird – beim letzten Punkt auch mit Hilfe der Zuhörer, die sich Features wünschen konnten, u.a. bessere Integration von benutzerdefinierten Taxonomien und ein schnelleres Backend, welches ja mittlerweile hübsch anzusehen, aber völlig überladen ist. Ziemlich charismatischer Kerl, auch wenn natürlich mittlerweile genoug Routine bei sowas mit reinspielt. Habe natürlich vergessen, ihn nach einer besseren Suchfunktion auf wordpress.org zu bitten. Aber man kann ja nicht alles haben.
Konfigurierbare WP-Themes
Michael Preuß hat sein aktuell noch in der Entwicklung befindliches, demnächst kommerziell verfügbares Theme bzw. die Konfigurationsmöglichkeiten dahinter vorgestellt, die sich bequem vom WordPress-Backend vornehmen lassen. Optisch nicht mein Ding gewesen, aber der schiere Grad an Möglichkeiten war schon beeindruckend. Auch ein paar interessante Ideen dabei, die ich so noch nicht kannte, beispielsweise kann man sich, nachdem alles konfiguriert wurde, aus den zig verschiedenen Stylesheets ein “Produktions”-CSS generieren lassen, um Platz und HTTP-Requests zu sparen. Oder aber Theme-Optionen, die nur einmal beim Installieren vorgenommen werden müssen (z.B. das Erscheinungsbild) in ein Plugin auszulagern, dass danach deaktiviert werden kann, damit der Benutzer nur noch die für ihn wichtigen Kofigurationsoptionen sieht. Hab da auf jeden Fall ein paar Ideen gewonnen.
Kauf/Verkauf von Blogs
Der Preis in der Kategorie “Größte gelaberte Grütze pro Quadratmeter” geht an Torsten, der am Anfang der Session die Frage stellt, ob es moralisch vertretbar wäre, sein Blog zu verkaufen, nur um im Folgenden klarzumachen, dass er alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist, verkaufen würde, sämtliche Blogs ausschließlich an ihrem monetären Wert misst. Unvorbereitet, redet sich irgendwas zusammen, und vor allen Dingen (abwertend) über Personen, die nur einen Raum weiter sitzen, was ich mal so gar nicht abkann.
Und nein, es ist nicht moralisch verwerflich, sein Blog zu verkaufen, jeder kann schließlich tun und lassen, was er will. Wenn dem Inhalt aber keinerlei ideeller Wert beigemessen wird, der Wert sich nur in Form von Werbeeinahmen bzw. Verkaufserlös bemisst, wenn man in einem Monat zwei Blogs startet, “sie nach einem Monat rankt und in drei Jahren spätestens verkaufen will”, dann bin ich doch nicht mit derselben Motivation, mit demselben Enthusiasmus dabei, dann ist ein Blog nur noch eine Ware, die gehandelt wird. Das ging aus dieser Session allerdings nicht hervor. Oder vielleicht doch, ich weiss es nicht, da ich den Raum nach einer halben Stunde verlassen habe.
Und sein Promiblog find ich auch scheiße.
Diskussion Bloggerverband
Dass es gut und richtig ist, Blogneulinge über die rechtlichen Fallstricke aufzuklären halte ich für mehr als sinnvoll, gerade in Deutschland leben wir da in einem regelrechten Minenfeld. Einen Vorstoß für einen Bloggerethik, die ebenfalls vorgeschlagen wurde, gab es vor ein paar Jahren schon mal, Tim O’Reilly hatte einen Code of Conduct vorgeschlagen – das Echo war allerdings eindeutig und niederschmetternd, und lässt sich für mich auch auf Heute übertragen. Generell sehe ich kein Alleinstellungsmerkmal, warum man einen Verein bräuchte: Informationen lassen sich web2.0-like auch in einem Wiki zusammentragen, Lobbyarbeit gegenüber der Politik (oder wem auch immer) funktioniert nur, wenn ein solcher Verein auch genügend Beachtung bzw. Einfluss hätte, dem ich ihm ehrlich gesagt auf längere Zeit nicht zusprechen würde, da gibt es prominentere Vertreter in der deutschen Blogosphäre. Ich habs nur auf halbem Ohr mitbekommen, aber als Vorbild hat man sich einen ähnlichen Verein in den USA genommen, was aber meiner Meinung nach der falsche Ansatz ist: Erstens haben die USA das Fair Use Prinzip, was mal so geschätzten 90% der Abmahnungen den Wind aus den Segeln nimmt (und von dem wir in Deutschland noch Lichtjahre weit entfernt sind), zum anderen haben Blogs da drüben eine ganz andere Dimension, so dass Lobbyarbeit dort überhaupt nicht mehr nötig ist, Blogs a la TechCrunch sind bereits seit langem im Mainstream angekommen.
Klingt alles so kritisch, daher nur kurz: Informationen, unbedingt, aber deswegen einen Verein aufziehen halte ich für unnötig.
Und sonst?
Nach dem BarCamp Berlin war das hier erst mein zweites BarCamp überhaupt, was mir aber auch besser gefallen hat, einfach weil mich die Themen mehr interessieren, ich mit den Namen eher etwas anfangen konnte und der Gedanke der Unkonforenz hier besser rüber kam. Die Location, der Intershop Tower in Jena, ist grandios, kann man nicht anders sagen, super Aussicht auf die gesamte Stadt, schicke Ausstattung, gemütliche Stühle, wenn ich denn unbedingt meckern müsste, dann nur, dass einer der Sessionräume quasi als Durchgangszimmer herhalten musste. Die Organisation war super, dickes Lob an das WPDE-Team (hat sich de.wordpress.org überhaupt irgendwie eingebracht?). Für den letzten Lacher sorgte übrigens die Agip-Tankstelle kurz vor der Autobahn hinter Jena, die einen 2 Liter Colaflasche mit supergünstig beworben haben – für 3,19€. Ist klar.
Da hast du dir aber echt die schlechtesten Sessions (abgesehen von Michaels) angehört ;-)
Blogverkauf war echt ein Griff ins Klo, das stimmt, das Ding hätte echt spannend werden können, stattdessen hab ich mich eine halbe Stunde einfach nur geärgert. Mit der Bloggerverbandsgeschichte wollte ich mich ohnehin noch etwas intensiver beschäftigen, einfach nur rumkrakelen kann ja schließlich jeder, und die anderen Sessions waren mir schon bekannt (Blog & Recht von Henning Krieg gabs z.B. auch auf der letztjährigen re:publica) oder interessierten mich nicht so sehr. Und Diskussionen wollte man ja auch noch führen, nech? :-)
Schade, hätte dich gern mal persönlich kennen gelernt.
wp.org hat keinen Anteil, außer einige Sticker etc, die überall für euch aus lagen. Der Rest war viel Arbeit, die sich nun aber in unseren Augen gelohnt hat. Wir haben viel dazu gelernt, es gibt Sachen, die man besser machen könnte und wie immer ist es nicht fehlerfrei – aber wir sind, so denke ich, zufrieden.
@Jeriko
Ich war froh das ich mir beide Sessions von Dirk Jesse angehört habe. Die waren in meinen Augen die bessere Alternative zum Thema “Blogverkauf” und “Bloggervereinigung” – von beiden Themen wüsste ich nix mitzunehmen. Sollen stinklangweilig gewesen sein :(
Ich hoffe die Sessions von Henning Krieg auf irgendeinem anderen Barcamp hören zu können.
PS: Wir saßen beide in der Session von Michael?
Die Sessions vom Henning Krieg werden wir (, solange er uns nicht abmahnt oder verglagt, was ich aber nicht glaube, da er sich ja nicht gegen das Filmen gewehrt und somit sein konkludentes Einverständnis gegeben hat ;) ) werden wir als Videoaufnahme auch online verfügbar machen. Das kann im schlechtesten Fall noch eine Woche dauern, weil dazu erst unsere neue Site ScreenPress gelaunched werden muss.
Da habe ich ja sogar noch was verpasst, hoffentlich gibts die Session mit dem Blogverkauf auch als Video zum Download. Wäre für mich sicher was zum lachen gewesen. Mag oberflächliches gequatsche nicht, aber habe garnicht mitbekommen, das die überhaupt stattgefunden hat. *lol* Übrigens, ich bin derjenige der auf dein Notbook aufgepasst hat, während du uns Getränke geholt hast. Danke, war nen kurzes aber durchaus auch interessantes Gespräch und einen Leser mehr hast nun auch, durchs Wordcamp.
dann warst du es also doch… der mit dem smogbild (diese maske da… :D) auf der tasche…. :D.
mir hats auch gefallen.
@Frank: Du sahst die ganze Zeit so beschäftigt aus, da wollte ich nicht stören. Aber die nächste Gelegenheit kommt schon noch ;-) Und das Engagement von de.wp.org bewerte ich an dieser Stelle mal nicht – man kann sich ja denken was ich davon halte.
@Jared: Dirk hatte die Sessions auch auf dem BarCamp Berlin gehalten, von daher wäre es für mich redundant gewesen. Und die Session von Michael, da saß ich in der Fensterbucht in der Ecke.
@Sandkorn: Hat mich ebenfalls gefreut! :-)
@bastih: Ach damn, hab ich doch richtig gesehen… wird alles nachgeholt!
@Jeriko: das war auch so; das ist definitiv ein Nachteil als Teil des Orga-Team.
Dann freue ich mich auf die nächste Gelegenheit, allerdings kann ich mich noch nicht so richtig für die re:publica begeistern, mir fehlen noch einige Themen.
Dann meldet euch für das Barcamp Ruhr an ;-)