Wie weit darf Kunst gehen?

Wie weit darf Kunst gehen?

Als ich noch zur Schule ging dachte sich mal einer der Lehrer, es wäre doch eine wunderbare Idee, die gesamte Oberstufe zur documenta 11 in Kassel zu karren und sich an der dort präsentierten Kunst zu laben. Mein Verständnis für diese Aktion wurde nur noch unterboten durch mein generelles Verständnis für Kunst. So konnte man dort Dinge, pardon, Exponate sehen wie den Film, in dem ein Marienkäfer einfach nur hin und her läuft, und vor der eine Gruppe Franzosen bestimmt eine halbe Stunde standen und darüber redeten. Oder aber das abgebrannte Atelier. Der Besitzer hat zu tief ins Glas geschaut, ist im Suff eingeschlafen und hat dabei mehrere Kerzen umgeschmissen. Und dachte sich danach, er stellt seine Räumlichkeiten aus und nennt das ganze "Die Leichtigkeit des Seins im Angesicht der Zerstörung". Ein treffenderer Titel wäre meiner Meinung nach "Meine gesammelte Blödheit" gewesen, aber ich bin ja auch kein Künstler. Wir zogen es damals jedenfalls vor, uns von der Gruppe abzuseilen und den Rest des Tages in einer ziemlichen Spelunke zu verbringen.

Im Sommer hatte ich irgendwo gelesen, dass in einer Ausstellung in Sidney ein totes Pferd von der Museumsdecke hing und als Kunst angesehen wurde. Und jetzt ganz aktuell die Bilder (und Musikvideo) dort oben, die dadurch entstanden sind, dass man zwei Hähne mit Farbe angemalt und aufeinander losgelassen hat - Hahnenkampf eben. In einem Statement wird noch gesagt, dass man es gut findet, dass Hahnenkämpfe fast überall verboten sind, im selben Atemzug wird aber noch festgestellt, dass man aus rechtlichen Gründen in Thailand arbeiten musste. Für mein Empfinden steht da in etwa "Ey, wir finden das zwar total knorke und so, nech, Liebe und so auch für Tiere, aber noch vieeeel besser finden wir es, dass es trotzdem noch Länder gibt, wo man auch so eine krasse Scheisse unter dem Deckmantel der Kunst abziehen kann!"

Die Frage im Titel ist unvoreingenommen, denn wie schon angemerkt habe ich für moderne Kunst nicht viel übrig bzw. kann damit nicht viel anfangen. Aber bei den beiden genannten Beispielen hört mein Verständnis dafür wirklich auf.

 
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Diskussion: 3 Kommentare

  1. el-flojo (Website)

    Freunde von mir haben Kunst studiert, weshalb ich schon auf so einigen Ausstellungen war. Meist aber nur, weil meiner Einladung ein Zettel mit dem Vermerk “Freibier” beilag oder ich mal wieder Bock auf völlig durchgeknallte Leute hatte.

    Das mit den Hähnen geht mir auch zu weit. Ich bin ja selbst bekennender Fleischfresser, aber zum Spaß oder aus “künstlerischen” Gründen tötet/quält man keine Tiere. Schuss in’ Kopp und aufn Grill ist okay – das hier nicht.

    24. November 2008 um 16:53 Uhr - AntwortenReply to this comment
  2. el-flojo (Website)

    off topic: Das neue Theme ist großartig. Schön nüchtern und klassisch. Chapeau! Das haste ganz schwer drauf!

    24. November 2008 um 16:56 Uhr - AntwortenReply to this comment
  3. roitsch (Website)

    aber krass, fandest du die domumenta insgesamt so mies, dass man sich in einer spelunke zurückziehen musste?
    ich finde das thema kunst und wie weit sie gehen darf, was als kunst anerkannt wird, etc. auch ungemein schwierig! ich habe mal einen interssanten artikel darüber von/über damien hierst gelesen. damien hirst wird ja selbst sehr krass kritisiert. ich finde ihn aber leider nicht online.
    ich habe selbst 2 jahre lang in einer kleinen galerie bzw. bei einem kurator gearbeitet und tja das milleu ist freaky aber nicht anders als jeder andere künstlerische berreich auch, egal ob fernsehen, kino oder musik!
    aber die oben genannten beispiele sind für mich auch nicht kunst, sondern traurig!

    18. Dezember 2008 um 19:40 Uhr - AntwortenReply to this comment

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