Das Spiel “Silent Hill” ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Teil 4 habe ich zumindest ausprobiert, konnte mich aber nicht damit anfreunden, die Kreaturen nicht endgültig ins Jenseits schicken zu können, so dass das Spiel recht schnell im Regal gelandet ist. Ein Fehler, wie sich nun nach Anschauen des Films herausgestellt hat – und das meine ich leider nicht im positiven Sinne.
Wenn überhaupt, dann erinnert einen Silent Hill an einen anderen Horror-Thriller mit größeren Ambitionen, Constantine mit Keanu Reeves. Visuell ebenfalls überwältigend, dem nur das uninspirierte und ziemlich zusammengestückelte Skript den Erfolg verwehrte. Man wünscht sich gelegentlich, nur die Bilder mit der Musik sehen zu können, um nicht über den Rest stöhnen zu müssen. Ähnliches haben Regisseur Christophe Gans und Drehbuchautor Roger Avary hier ebenfalls hinbekommen. Ohne zu untertreiben, hier bekommt man ein visuelles Meisterwerk geboten. Die Kinematografie gleitet wie ein Flüstern durch die Szenerie, der Schnitt ist superb und Jeff Danna’s Score, der genau das richtige Feeling zu dieser Traumwelt beisteuert, gehört mit zum Besten, was er in seiner Karriere gemacht hat.
Hätte der Film diese Perfektion doch verdient. Avary’s Skript macht überhaupt keinen Sinn, gibt darüber hinaus aber auch keinen Deut, wichtige Punkte der Handlung aufzuklären, und driftet stattdessen lieber von einer malerischen Kulisse zur nächsten. Ob der Zuschauer überhaupt versteht, was auf der Leinwand vor sich geht, scheint nicht von Belang. Sind die Charaktere Geister? Befinden wir uns Hölle? Ist Silent Hill gefangen in der Twiligt Zone? Schmeißen sich die Bewohner einfach nur zu viele Pillen rein und das Ganze ist nur ein riesengroßer Trip? Hat Radha Mitchell einfach nur Pech mit ihrer Frisur? Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung. Und ähnlich müsste es den Machern gehen, wenn sie sich das Skript doch nur einmal genau angeschaut hätten. Auch hier wurde ähnlich wie bei Wing Commander der Fehler gemacht, von den Zuschauern Vorwissen zu verlangen.
Rose’s Adoptivtochter Sharon ist eine Schlafwandlerin, die während dieser Phasen von einer mysteriösen Stadt namens Silent Hill murmelt. Das Mädchen kann sich daran nicht erinnern, aber Rose treibt trotzdem die Sorge um sie. Um Klarheit zu schaffen bringt Rose gegen den Willen ihres Ehemanns Christopher Sharon nach Silent Hill. Schon bald ist die Tochter verschwunden, während Dämonen, Geister und Gollum-ähnliche fleischfressende Kreaturen Rose auf Schritt und Tritt folgen, während sie nach Sharon sucht, bevor beide sterben.
Das Skript ist wirklich ärgerlich, Silent Hill schwankt zwischen hypnotisierend und lachhaft, gelegentlich auch beides zur gleichen Zeit. Avary weigert sich, die Charaktere während des Films zu entwickeln, oder den Zuschauern überhaupt einen Grund zu geben, sich um sie zu sorgen, was nur wegen der guten Performance von Radha Mitchell dennoch tut. An einigen Stellen zwar übertrieben gibt sie ihrem Charakter dennoch eine gewisse Ausstrahlung, ganz im Gegensatz zum Rest der eindimensionalen Figuren, dessen Namen man sowieso direkt wieder vergessen hat. Regisseur Gans scheint es währenddessen nicht die Bohne zu interessieren, dass der Film keinen Sinn ergibt – er ist so sehr damit beschäftigt, visuell alles auszureizen, dass er darüber vergessen hat, den Zuschauer emotional mit einzubeziehen. Es ist, als ob er vergessen hätte, dass Pakt der Wölfe nicht wegen der ebenfalls tollen Optik, sondern wegen der ausgeprägten Charaktere und der Dramatik im Skript ein Erfolg geworden ist. Hier geht es nur um die Optik der Dinge, nicht, wie sie zustande kommen. Fantastisch anzuschauen, wenn man sich nicht mit dem Rest rumschlägt.
Und das ist umso enttäuschender wenn man bedenkt, dass von allen Goovies gerade Silent Hill das Zeug gehabt hätte, den Fluch der schlechten Filme endlich zu brechen. Die Vorlage ist geradezu perfekt, der Drehbuchautor hatte mit Pulp Fiction schon einmal einen Volltreffer gelandet, und der Regisseur hat mit Pakt der Wölfe gezeigt, dass er auch mehrere Genres prächtig in einem Film verpacken kann. Das Potential für einen Erfolg war enorm, und ist Silent Hill technisch großartig, so versagt der Film in so ziemlich allen anderen Punkten. Man möchte fast heulen ob der vertanen Chance.
Du musst mal Silent Hill 2 anspielen, dann macht der Film auch weitaus mehr Sinn.
oder silent hill selbst. hab ich damals bestimmt 5mal durchgezockt, den 2ten teil auch. eines der besten games damals auf der ps one.die andern hab ich dann nicht mehr so realisiert. aber der film ist mal eine gelungene videospielverfilmung.
Ich gebe zu: ich habe die Spiele nie gespielt, war aber von dem Film absolut begeistert. Super tolle Atmosphäre und super Bilder. Sehr empfehlenswert.