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Machen wir uns nichts vor, über kurz oder lang wird die digitale Verbreitung von Musik alle anderen Medien zur Nische verkommen lassen. Es ist ja auch so viel einfacher: Man muss nicht mehr im Regen zum CD-Laden des Vertrauens stapfen, sich nicht mehr in der Warteschlange die Beine in den Bauch stehen, um das so innig erwartete neue Album der Lieblingsband endlich zu besitzen, man muss auch nicht mehr die Mitarbeiter anbetteln, dass man diese oder jene CD mal probehören darf, und dass auch Medium Compact Disc über kurz oder lang Gebrauchsspuren aufweisen wird dürfte sowieso klar sein. Stattdessen erledigt man seinen Einkauf bequem vom Sofa aus, das Onlineshopsystem des Vertrauens spuckt einem gleich noch Empfehlungen aus, probehören ist nur einen, einkaufen zwei Klicks und ein paar Sekunden weit entfernt. Schöne neue Welt, und doch geht damit, neben einer gewissen Bewusstheit für Musik, ein Stückchen Kultur verloren.
Denn genau wie die CD gibt es auch heute noch Vinyl, damit DJs etwas zum Auflegen und Turntable-Hersteller einen Grund für ihre immer aberwitzigeren Konstruktionen haben, und das Tape. Und beides wird noch lange weiter existieren, für mich zumindest. Ich will das mal kurz erklären: Wann immer ich jemanden kennen lerne, versuche ich in Erfahrung zu bringen, ob bei ihm oder ihr noch ein Tapedeck zu Hause steht. Denn ein Mixtape, und die Betonung liegt auf Tape, ist mehr als nur die bloße Ansammlung von ein paar Songs, es ist ganzer Prozess, der eine kleine Geschichte erzählt. Das fängt schon bei der Auswahl der Titel an, und was diese dem Gegenüber vermitteln sollen. Das Arrangement, um die zur Verfügung stehende Zeit von zwei Mal 45 Minuten optimal auszunutzen, dabei aber nicht Gefahr zu laufen, einen Song abzuhacken. Das Aufnehmen an und für sich, das nicht mal eben in zwei Minuten erledigt ist, stattdessen ist man gezwungen, mindestens zwei Stunden dafür zu opfern, dabei jeden einzelnen Song mitzuhören, zu überlegen, ob die Komposition doch das richtige ist, in letzter Minute vielleicht noch einen Song auszutauschen oder alles über den Haufen zu werfen und von vorne anzufangen. Kein Mixtape gleicht dem anderen, jedes hat eine andere Message. Und zu guter Letzt die Kreativität bei der Unterbringung sämtlicher Titel und Interpreten auf dem Einleger.
Schon bedingt durch die analoge Bauart lässt sich im Gegensatz zu MP3 und CD, ja sogar zu Vinyl, ein Song nicht durch einen einfachen Tastendruck überspringen – man muss vorspulen, was Zeit beansprucht, und man weiß nicht, wo man wieder einsteigt. Eine natürliche Hürde, wenn man denn so will, eine wie ich finde aber positive Hürde. Lässt der Hörer sich darauf ein, so er wesentlich mehr über den Ersteller als nur seinen Musikgeschmack. Alle Titel als Gesamtkonzept, reißt man einen aus dem Verbund, kann die gesamte Komposition schon dahin sein. Es ist vermutlich in der heutigen Zeit dem Nischendasein des Tapes geschuldet, dass zumindest ich mehr darin sehe als ein ellenlanges Magnetband, nichtsdestotrotz freue ich mich jedes Mal, wenn ich nochmal die Möglichkeit habe, ein Mixtape zu erstellen. Ein Prozess, der einen ganzen Nachmittag einnimmt.
Und natürlich hätte ich auch in einem Satz erwähnen können, dass ich über Mixtapes ähnlich denke wie Rob Gordon aus High Fidelity. Es aber auf diesen einen Satz zu kürzen wäre ungefähr so wie Musik nur noch online zu kaufen.