Das Beste, was man über Bloodrayne noch sagen kann, ist dass es keine so unglaubliche Qual wie Alone in the Dark war. Nein, die meiste Zeit über war der Film einfach nur doof, was für Boll-Verhältnisse immerhin ein Fortschritt ist. Darüber hinaus kann man Bloodrayne aber nur schwer etwas abringen: die Effekte sind langweilig, die Kämpfe öde, die Story ziemlich bekannt, wenn man ihr wirklich folgen mag. Die Kostüme kommen direkt vom Mittelaltermarkt, die Sets wirken, als würden sie beim nächsten Windstoß zusammen klappen und eigentlich hat man das Gefühl, das meiste vom Budget wurde in etwas komplett anderes als den Film investiert. Als Filmfan kann man mehr verlangen. Sehr viel mehr.
Das Spiel dahinter ist nicht wirklich populär, schließlich gibt es wesentlich bessere Vertreter dieses Genres, die Prince of Persia Reihe zum Beispiel. Ich rate jetzt mal ins Blaue, dass die Protagonistin der Hauptgrund für die Filmadaption ist: Redhead, viel Leder, Vampirzähne, zwei riesige Schwerter, als Regisseur mit einem Faible für Trash muss man von so was ja angezogen werden. Der Hintergrund selbst ist auch nicht viel mehr als zum Beispiel in Blade: Rayne ist halb Mensch, halb Vampir, die sich mit einem Geheimbund namens Brimstone Society zusammentut, um das Böse zu bekämpfen. Weil Blutsaugen okay ist, wenn man es den bösen Buben antut. Während die Spiele irgendwo im zweiten Weltkrieg und in der Moderne angesiedelt waren findet man sich im Film irgendwo in einem osteuropäischen Land zu einer undefinierten Zeit wieder, dem Gefühl nach so 18., frühes 19. Jahrhundert würde ich sagen. Alle sprechen bestes Englisch und lassen nur hier und da mal einen Vokal unter den Tisch fallen in der Hoffnung, man erkenne darin einen Akzent.
Rayne jedenfalls ist ein unfreiwilliger Teilnehmer einer Freakshow, gequält, damit sie ihre unglaubliche Fähigkeit der Sofortheilung, nachdem sie ein paar Tropfen Tierblut zu sich nimmt, präsentieren kann. Der Vampir in ihr schläft noch und erwacht erst beim ersten Kontakt mit menschlichem Blut. Und irgendwann, sehen tut man es jedenfalls nicht, entscheidet sie sich dafür, nur noch Vampire und ihre Verbündeten zu töten. Die Lücken in der Story werden von einer Wahrsagerin gefüllt – immerhin mal kein Sprecher aus dem Off. Rayne stammt wohl vom Obervampire Kagan ab (gespielt von Ben Kingsley, was mir wirklich wirklich Schmerzen bereitet hat…), der ihre Mutter vergewaltigt und getötet hat, und natürlich einen Plan zur Eroberung der ganzen Welt in petto hat, inklusive Unbesiegbarkeit versteht sich. Eigentlich sitzt Kagan die meiste Zeit nur in seinem Thron, während Untertanen ihm wichtige Utensilien bringen. Die Szenen mit ihm wurden vermutlich an einem Nachmittag gedreht. Das scheint übrigens das Konzept für die meisten der bekannteren Schauspieler in dem Film zu sein: Sie kurz über die Leinwand hopsen zu lassen und sich mit ihren Namen in den Credits zu brüsten – mit Ausnahme von Michael Madsen, der mir in seinem lächerlichen Outfit einfach nur leid tut. Nicht dass er an der Rolle als Anführer der Brimstone Society überhaupt Freude zu haben scheint. Er jedenfalls trifft Rayne und bringt sie zum Training im Hauptquartier. Wirklich wichtig, bisher ist sie ständig in Fallen gestolpert oder wurde direkt ausgeknockt.
Wer es bis hierhin noch nicht gemerkt hat: Bloodrayne macht überhaupt keinen Sinn. In einer Szene warnt ein Mönch (gespielt von Udo Kier, was mich wiederum nicht überrascht) Rayne, Brimstone zu verlassen sei nicht sicher, Kagan’s Armee sei auf der Suche nach ihr – im nächsten Moment stürmt besagte Armee das Kloster. Dumm gelaufen sozusagen. Einer der Sidekicks hält viele Stücke auf sein heiliges Wasser, obwohl man früher erfährt, die Vampire seien gegen jede Art von Wasser immun. Selbiger Sidekick hat auch das Glück in der Liebesszene mitspielen zu dürfen, die Boll-typisch kein Stück leidenschaftlich wirkt sondern einfach nur lustig. Oder peinlich. Oder beides.
Boll-Filme machen mir mittlerweile eigentlich Spaß. Es gibt so wunderbar viele “What the fuck!?”-Momente, und man muss sich gar nicht großartig Mühe dabei geben, etwas Gutes in seinen Filmen zu sehen – man wird ja doch nicht fündig. Immerhin gibt er Schauspielern, die sonst nur in ihren Villen auf und ab laufen würden, etwas zu tun, obwohl mir schleierhaft ist, wie ein großartiger Darsteller wie Ben Kingsley sich auf so ein Niveau herab begibt. Auf eine gewisse, sehr masochistische Art und Weise könnte man Bloodrayne sogar als unterhaltsam ansehen. Dem geneigten Filmfan empfehle ich stattdessen lieber Terminator 3: Ebenfalls mit Kristanna Lokken, dafür mit anständiger Action, wirklichem Humor und ohne Boll.
Wahnsinn, dass du das echt durchziehst. Hast du keine Angst, dass du bleibende Schäden davonträgst, wenn du dir alle Videoverfilmungen angeguckt hast?
Da frage ich mich, welche Gage Kingsley für so einen Film nimmt!?
Ich werde Deinen Rat befolgen und mir T3 anschauen, habe in letzter Zeit einfach zu viele schlechte Filme gesehen. Gestern war es “Manhunt – Backwoods Massacre”, da hilft nicht mal Uncut :o/
Laut The Numbers waren es ~ 2.5 Mio. $