Vergesst The Shining, vergesst Event Horizon, vergesst The Ring – die wahre Bedeutung von Horror hat man erst nach diesem Uwe Boll Film wirklich erfahren. Man sollte ja meinen dass nach dem Fiasko namens House of the Dead niemand so geisteskrank ist und dem Mann nochmal Geld für einen Film gibt. Man wurde eines besseren belehrt, es hat nicht einmal zwei Jahre gedauert, und das Ergebnis heißt Alone in the Dark.
Der Plot ist verworrener als es einem blöden Actionfilm wie diesem zusteht: zu Beginn kriegt man einen scheinbar endlos scrollenden Kommentar über Jahrhunderte alte amerikanische Ureinwohner, die unfreiwillig ein Tor zu einer Welt des Lichts und zu einer Welt der Dunkelheit geöffnet haben, wodurch das Böse auf die Erde kommen konnte. Der Film selber beginnt im Heute, ein Wissenschaftler namens Hudgens befindet sich auf der Suche nach Artefakten im Zusammenhang mit einem geheimnisvollen Tor. Derlei Artefakte sucht auch der Detektiv für Paranormales, Edward Carnby, da er versucht, das mysteriöse Verschwinden von 20 Waisenkindern zu klären. Dann gibt es da noch die Regierungseinheit Bureau 713, die sich für potentielle Kriege gegen übernatürliche Bösewichter rüsten, inklusive irgendwelchen Parasiten, die Menschen als Wirte nutzen und ihren Willen kontrollieren. Also das ist zumindest mein Eindruck vom Plot, ganz sicher bin ich mir nicht, da der Film nicht wirklich zusammenhängend ist.
Mehr noch, er ist ein komplettes Durcheinander, die Schauspieler agieren unterdurchschnittlich, die Regieführung ist entsetzlich – das einzige, was einen wach hält ist die Frage, ob man angesichts der grottigen Dialoge einfach nur lachen soll, oder aber ob man das durchaus beliebte Spiel “Erkenne die Rip-Offs” spielen sollte. Wie das funktioniert? Na man erkennt einfach die Filme, die in Alone in the Dark plagiarisiert wurden – und das ist ungefähr so einfach wie Solitär. Der scrollende Prolog erinnert einen an eine ähnliche Eröffnung in Blade Runner, der übrigens auch einen Detektiv im Trenchcoat hatte, der auch Menschen gejagt hat, die nicht ganz menschlich waren. Und als wäre das nicht genug gibts auch hier die Frage ob Carnby wirklich Mensch ist oder vielleicht doch zu den anderen Wesen gehört. Aber Moment mal! Das mit dem Trenchcoat, das könnte natürlich auch ein Rip-Off von Connor McLeod aus Highlander sein, in dem es ja auch quasi unsterbliche Menschen gab, die nur dann das Zeitliche segneten, wenn man ihnen die Rübe abschlägt. Die Kreaturen wiederum weisen eine ziemliche Ähnlichkeit mit denen aus den Alien-Filmen auf: langer Schwanz, scharfe Zähne, entstellt und so weiter. Wenn man die wirklich bekämpfen will, dann sollte man schon eine Elite-Militärtruppe rein schicken, die – oh welche Überraschung – aussehen und agieren wie die Marines in Aliens. Und es ist mir schlicht unbegreiflich, wie man all diese guten Filme kopieren kann und nichts, aber auch gar nichts von der Spannung, der Faszination, dem Horror rüberretten konnte. Stattdessen lacht man nur. Oder weint. Je nachdem.
Alone in the Dark gehörst zum schlimmsten Filmgenre überhaupt: dem der stinklangweiligen Filme. Viel zu langwierige Action, grundloser und fehl am Platz wirkende Sexszenen, emotionslose Dialoge, die von Robotern hätten kommen können, Beleuchtung wie bei einem Mittelalterfilm, Christian Slater zeigt seine Kung Fu-”Künste”, Tara Reid (American Pie anyone?) spielt eine Wissenschaftlerin, Stephen Dorff (bekannt aus Blade) als Kopf einer Regierungseinheit – gab es überhaupt jemals die Absicht, irgendetwas Gutes aus diesem Film zu machen?
Mein Tipp, wenn ihr euch den Film antun wollt: schaut ihn euch mit Freunden an, dann könnt ihr euch gegenseitig hauen wenn die Gefahr droht, dass ihr einschlaft. Und das wird passieren, garantiert. Oder noch viel besser, tut euch das erst gar nicht an. Wirklich nicht. Eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt ist besser als dieser Film. Ohne Scheiss.
Oho das hört sich so gut an das ich ihn sehen muss!
Ein zwei, acht Bier, ein paar gute Freunde um einen rum und Filme wie Anaconda vs. Phyton 2 werden zu ganz ganz großem Blockbusterkino.
Du hast ja so Recht!
Nach der ersten (gibt es da etwa mehrere?!) fehl am Platz wirkenden Sexszene, die, ich weiß es noch wie gestern, mit “7 seconds” von Neneh Cherry untermalt wurde (ebenfalls ziemlich fehl am Platze, wenn man den Songtext bedenkt), habe ich den Film übrigens ausgeschaltet und nie wieder einen Versuch unternommen, ihn mir anzusehen.
Danke, dass ich jetzt definitiv weiß, dass es das Richtige war.
Dabei fand ich die Spiele eigentlich ganz gut… schade.
Fast jeden Abend so einen Schrott gucken – Du gibst ja wirklich alles. Hohe Anerkennung :-)
Ich kann mich im Nachhinein nicht mehr ganz daran erinnern welche unglücklichen Umstände dazu geführt haben, aber den Film habe ich damals sogar im Kino gesehen!
Ich war noch nie so kurz davor mein Geld zurück zu verlangen. Der ganze Film eine bodenlose Frechheit. Und dann noch die übergrottigen Spezialeffekte…
@thegrouch: Ich hab mir zwischendurch ein Sandwich gemacht und den Film weiterlaufen lassen, damit die Qual schneller vorbei ging – ob da nochmal was gelaufen ist, keine Ahnung. Ich weiss jedenfalls genau, dass ich “7 Seconds” nie wieder hören kann…
@Jörn: Mit Alkohol und einer gehörigen Portion Desinteresse lässt sich vieles ertragen. Wobei die Boll-Filme echt ans Limit der Schmerzgrenze gehen ;-)
@maYO: Na, dann konntest du dich ja wenigstens über die Reaktionen der anderen Zuschauer amüsieren :-)
Und das schlimme zum Schluss… es gibt ja auch noch nen zweiten Teil davon *würg* den habe ich zum Glück nur nebenbei sehen müssen :P
Hab ich mitbekommen, aber der ist ja nicht von Boll. Ich hab mir im Rahmen der Reihe hier aber gesagt, dass ich bei Serien immer nur den ersten Teil bespreche, sonst werd ich ja nie mehr fertig (Resident Evil 2 und 3, Tomb Raider 2, Alone in the Dark 2…)
Irre ich mich, oder hat die Filmindustrie es noch nie geschafft aus einem Horrorgame eine gute Verfilmung zu machen. Liegt warscheinlich daran das der Reiz des Spiels darin besteht das der Spieler die Hauptfigur ist, und das fällt im Film weg.