Samstag, 08. November 2008

Tomb Raider

Ich sags mal so, wenn gutes Aussehen alleine schon einen guten Film ausmachen würde, dann hätte Lara Croft: Tomb Raider Filmen wie zum Beispiel der Indiana Jones Reihe ordentlich Dampf unterm Hintern machen können – nur macht die vorhersehbare, viel zu ausgeschmückte und vor allem schlecht ausgearbeitete Story dem Auftritt der Heroine auf der großen Leinwand einen Strich durch die Rechnung. Den schwarzen Peter für dieses melodramatische Kuddelmuddel muss man wohl dem Regisseur Simon West in die Schuhe schieben.

Lara Croft will die Welt vor dem Kult der Illuminati retten, die die Zeit durch ein uraltes Artefakt kontrollieren wollen, was nur zugänglich ist, wenn alle neun Planeten in diesem Sonnensystem konvergieren, also etwa alle 5000 Jahre. Lara will das Artefakt für sich selbst, dabei aber auch die Pläne der Illuminati sowie die des Antiquitätenhändlers Manfred Powell durchkreuzen.

Gute Actionfilme brauchen nicht nur einen fordernden Gegner sondern zumindest auch den Anschein einer schlüssigen Story, um die einzelnen Sequenzen zu verbinden. Nun, Iain Glen als Manfred Powell und damit Lara Crofts’ Gegenspieler weiß zu keinem Zeitpunkt wirklich zu beeindrucken, er wirkt eher blass, wenn man Vergleiche zu z.B. Darth Vader in Star Wars oder aktuell dem Joker in Dark Knight zieht. Zusätzlich gibt das gekünstelte, von einem Showdown zum nächsten springende Skript weder Glen noch Angelina Jolie die Möglichkeit, überhaupt erinnerungswert zu agieren. Eigentlich gleicht Tomb Raider mehr einer weltweiten Schnitzeljagd ohne eine ausreichende Anzahl von Cliffhangern oder Stunts, um den Zuschauer vom halbgaren Plot abzulenken.

Die Charaktere erinnern einen wiederholt daran, dass sich der ganze Film innerhalb einer Woche abspielt, trotzdem will sich deswegen keine Spannung einstellen. Sicherlich sind die Actionsequenzen sehr gut anzusehen, aber Lara Croft ist nur ein austauschbarer Teil davon, nicht der Mittelpunkt. Wenn ein Film sein eigenes Ende nicht rechtfertigen kann, dann sollte er wenigstens so opulent, so over the top sein, dass man darüber hinweg sehen kann – auch hier kann Tomb Raider nicht punkten, trotz einzelner Szenen. Schlimmer noch, man versucht sich in Comedy durch den Computernerd Bryce und den Alfred-ähnlichen Butler Hillary, kriegt aber meist nur Rohrkrepierer präsentiert.

Die Ähnlichkeiten mit Bruce Wayne aka Batman sind vorhanden, im Gegensatz zu ihm scheint Lara Croft aber nichts im speziellen zu wollen und weint stattdessen ihrem schon lange verstorbenen Vater, Lord Richard Croft, hinterher. Das ist im übrigen auch das einzige Merkmal, dass sie ein wenig sympathisch erscheinen lässt. Ansonsten hat sie nichts besseres zu tun als um die Welt zu reisen, Artifakte zu finden und sich wie eine reiche, arrogante Göre zu verhalten. Nur kann man die nicht wie im Videogame einfach wegklicken, stattdessen muss man sich jede Menge Geschwurbel anhören, Jolie dabei zusehen wie sie in und aus dem Wasser steigt und irgendwelche Übungen veranstaltet, für die man unbedingt hautenge Kleidung braucht. Nun ja.

Lara Croft: Tomb Raider ist knapp am Ziel vorbeigeschrammelt, unterhaltsam zu sein. Die Actionsequenzen sind sicherlich gut gemacht, dabei wurde aber alles andere vernachlässigt. Eine bessere Fokussierung auf die Namensgeberin hätte sicherlich geholfen, ebenso eine bessere Abgrenzung von Indiana Jones oder James Bond, was sich unterschwellig durch alle Tomb Raider Filme zieht. Sicher spannend genug wenn man nicht groß nachdenken will, aber auch nicht unbedingt besser als das Videogame im Demomodus.

1 Kommentar

  1. Björn

    Thumbs Up! für dieses Review, genau das würde ich an diesem Film ebenfalls kritisieren, dabei hätte es mit Angelina ganz gut funktionieren können. Aber man hat hier schlecht kopiert und vergessen diesem Filmfrankenstein ein Herz einzusetzen.

    Außerdem feue ich mich, dass sich auf deinem Blog wieder soviel tut!

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