Mittwoch, 04. Juni 2008

Woopra ist mehr als nur Statistik

Woopra, für alle Unwissenden, ist ein weiterer Statistikdienst für Websites, also Erfassung und Auswertung von Zugriffszahlen, Peaks, Referern, das Übliche eben. Neu ist daran die Client-Software, die auf dem Rechner des Website-Betreibers läuft und als Schmankerl quasi eine Liveansicht über die Besucherströme auf der Website anbietet. Quasi sowas wie ein aufgebohrtes whos.amung.us. Und soweit so gut.

Aber, und hier wirds knackig, ein weiteres Feature ist die Zuordnung von IP-Adressen zu Klartextnamen. Jeder, der hier schon mal kommentiert hat, hat, sofern nicht gelöscht, ein Cookie auf seinem Rechner mit eben diesen Daten (Name, Email-Adresse, URL). Und dabei ist es völlig egal ob es nun vorgestern oder letztes Jahr war, sobald man die Website wieder aufruft werden zusätzlich zur IP-Adresse auch diese Daten übermittelt, und ich kann im Client schön sehen, was ihr da gerade so macht.
Sicher, die IP-Adresse im Verbund mit der Zeit ist ebenfalls eindeutig, bloss kann ich damit nichts anfangen. Einerseits weiss ich nicht, wer sich dahinter verbirgt, andererseits werde ich es auch nicht erfahren, solange ich nicht beim Staatsanwalt vorstellig werde. Aber hier bekomme ich auf dem Präsentierteller, wer sich gerade auf meiner Website befindet, und das auch noch live und in Farbe.

Ein weiteres Feature ist das Chat-Modul, dass es mir als Website-Betreiber erlaubt, jederzeit mit meinen Besuchern über ein Chatfenster Kontakt aufzunehmen. Halte ich ebenfalls für mehr als grenzwertig, ich möchte als Besucher jedenfalls nicht auf einer Surftour plötzlich ein Chatfenster vor mir haben, in dem ich gefragt werde, ob mir der Bericht über asiatischen Bondageporn auch gefallen hat – ums mal überspitzt zu formulieren.

Finde ich alles mehr als bedenklich. Woopra wird damit irgendwo zu einem Tool zum Stalken, gleichzeitig ist es, wie ich finde, ein Vertrauensbruch zwischen mir und meinen Lesern, wenn diese sich auf einmal beobachtet fühlen müssen. Ich kann natürlich versprechen, besagte Option der Klartextnamen nicht zu aktivieren, da es sich dabei aber auch nur um das Setzen eines einzigen Häkchens handelt kann ich hier von niemandem erwarten, mir das zu glauben – umgekehrt verhält es sich bei mir und anderen Websites übrigens auch so.

Ich hab stichprobenweise auf diversen Websites, die Woopra ebenfalls einsetzen, die Datenschutzbestimmungen durchgelesen, diese gehen damit fast komplett nicht konform. Personenbezogenen Daten werden gespeichert, der Besucher hat darüber keine Kontrolle (Cookie löschen ist nicht zumutbar, es müsste eine Option auf der Website geben), personenbezogene Daten werden weiter gegeben (diese werden ja bei Woopra selbst gespeichert) und meistens wird nicht erwähnt, dass zusätzlich zu IP-Adresse, Zeit, etc. auch der Name, Email-Adresse und URL eines früheren Kommentars übermittelt wird.

Kurzum: Mit den beiden genannten “Features” hat Woopra für mich übers Ziel hinaus geschossen und wird hier definitiv nicht mehr eingesetzt, geht es damit doch nicht mehr um die reine Statistik. Das Vertrauen meiner Leser ist mir wichtiger als ein paar Zahlen, die ich im Übrigen auch von 100 anderen Diensten bekommen könnte, so ich denn wollte. Gleichzeitig empfehle ich, solltet ihr ebenfalls etwas dagegen haben, mit Name, Email und URL in Woopra zu erscheinen, den Download und die Ausführung von “woopra.js” zu blockieren (beispielsweise mit einer neuen Regel in AdBlock Plus).

10 Kommentare

  1. Florian

    diese funktion von woopra hat mich auch ziemlich schockiert. hab vorgestern meine einladung dazu bekommen und das ding gleich mal installiert weil ich einiges gutes darüber gehört hatte. mein blog ist ja nicht so das da ständig besucher drauf sind und als ich dann irgendwann gestern abend reingeschaut hab und da der name stand, dachte ich mir schon, dass das jetzt ein wenig heftig ist.

    btw: im javascript code sieht man ob name, etc getrackt werden. aber, und das muss man schon deutlich sagen das theoretisch jede javascript statistiksoftware den namen auslesen könnte (woopra lasst das das wordpress plugin erledigen, theoretisch könnte man per javascript aber auch einfach die formularfelder auslesen)

    trotzdem ist woopra auch bei mir wieder vom blog verschwunden. die paar extra funktionenen sind es absolut nicht wert die privatsphäre und das vertrauen meiner leser zu missbrauchen.

  2. el-flojo

    Danke für den Tipp. Habe auch mit dem Gedanken gespielt, das mal auszuprobieren, aber unter diesen Umständen wird’s dann doch etwas haarig. Würd ich ja woanders auch nicht wollen.
    Vor allem macht man sich völlig unglaubwürdig. Ich kann ja nicht ständig gegen Stasi 2.0 schreien und dann meine Leser zwingen die Hosen runterzulassen.
    Wir sind ja hier schließlich nicht an der Ami-Grenze!
    PS: Das neue Design ist wirklich mal wieder großartig. Bin weg, sonst werd ich wieder neidisch. ;-)

  3. dfusion

    Ich habe woopra für eine Diskothek laufen, da gibt es entsprechende Zugriffszahlen um auch in der Live Ansicht anständig Datenmassen zu bekommen.

    Soweit so schön, aber auch mich hat ein Feature vom Stuhl gehauen: Start a conversation
    Damit kann man gezielt Besucher ansprechen und ein Chat Fenster öffnen. Ist zwar auf Grund der Farbgebung noch Fehlerbehaftet, aber ansonsten ein sehr krasses Feature!

    —-

    Nachtrag:
    Ich brauche nen Kaffee, das Chat feature hattest Du ja angesprochen :D sry!

  4. HR

    Was muss man bei ABP als Filterregel eingeben? Einfach nur “woopra.js” und dann hat sich das?

  5. Jeriko

    Ich denke das sollte reichen, zumindest wirds bei mir dann in der Liste der geblockten Items angezeigt.

  6. Herculez

    Hey, so übel hatte ich das auch noch nicht mitbekommen. Ich find’s ja teilweise schon heavy, was man bei anderen Statistiktools so erfahren kann, aber das ist echt ne Stufe zuviel.
    Jedenfalls Danke für den Tipp mit dem Blockieren.

  7. Andre

    Definitv n geiles Tool. Ähnlich wie Mint von Shaun Inman. Bei Mint finde ich die Plugon Architektur noch n bisl geiler.

  8. Webber

    Ursprünglich fand ich das Chat-Tool gar keine schlechte Idee. Mag ja in manchen Fällen womöglich Sinn machen, aber das zu entscheiden… Natürlich fände ich es eigentlich schöner, Interessenten der Seite anschreiben zu können, um einen Kontakt herzustellen. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir der Unsinn einer solchen Sache klar. Der Kontakt ist erstens schon da – sonst wäre der User nicht auf meiner Seite, und 2., wenn jemand Fragen hat, kann er diese auch via Kontaktformular oder E-Mail zu einem Zeitpunkt seiner Wahl an mich richten. Wer das nicht tut, der wird schon seine Gründe dafür haben. Wenn ich in ner Bäckerei nicht das sehe was ich will, kann ich ja schließlich auch wieder raus gehen, ohne dass mir ein Gespräch aufgezwungen wird. Irgendwie kommt mir da grad der Vergleich zu einem dieser Abo-Leute von Lokalzeitungen etc. in den Sinn die vor den geschäften auf arglose Kunden lauern, und diesen beim rein- und rausgehen noch ne zeitung aufs Auge drücken wollen. Nur dass man hier bereits sehr viel mehr weiß, und selbst noch anonymer bleibt.

    Fazit:
    Im Grunde genommen ein schönes Tool, aber sehr fragwürdig wenn man sich es unter dem Aspekt der Privatsphäre ansieht. Ich weiß alles über einen User, und der weiß nur, dass er gerade beobachtet und angeschrieben wird. Also ich käme mir da sehr beobachtet und kontrolliert vor. Big brother is watching you.

    Eigentlich schade, aber ich denke auch, dass man mehr Besucher verschreckt und gegen sich aufbringt, als dass man einen Nutzen davon hat.

  9. Webber

    Kleiner Nachtrag: Während ich das oben geschrieben habe wurde meine Seite gehackt. Mit Hilfe des Tools jab ich zumindest nen Ansatz wer zuletzt auf die Seite zugegriffen hat. Und es gab nur einen einzigen Zugriff zwischen meinem letzten funktionierenden Login und dem Hack. Zeitraum 30 Minuten. So viel Glück kann man nicht immer haben, und es kann auch sein, dass ich mich täusche und das nicht weiterhilft, aber es scheint mir zumindest ein Anfang zu sein.

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