Nine Inch Nails – The Slip #2

Trent Reznor scheint es irgendwie geschafft zu haben, aus einem Tag mehr als 24 Stunden rauszuquetschen; anders kann man es wohl nicht erklären, dass innerhalb von gerade mal zwei Monaten zwei Alben rausgehauen wurden und so ganz nebenbei in Eigenregie auch noch eine Tour organisiert wird. Die Fanbase ist sehr (sehr!) loyal, die Erwartungen sind immer hoch, was bleibt also unterm Strich übrig?

War Ghosts noch klar als Experiment angesehen, handelt es sich bei The Slip um ein "vollwertiges" Album von Nine Inch Nails, mit all den fast schon typisch gewordenen Elementen. Bezeichnend wieder, dass kein Song dem anderen gleicht und das Album als Gesamtkonzept verstanden (und gehört) werden sollte - hatte ich noch bemängelt, dass die beiden vorher verfügbaren Songs Discipline und Echoplex als Einzelnes nicht wirklich zünden wollen, fügen sie sich im Album selber prima ein. Das Repertoire geht dabei über eingängige, man möchte glatt sagen Popsongs über Balladen bis hin zu sehr technischen, kühlen Synthiesounds. Kann vielleicht auch an mir liegen, aber ich habe das Gefühl, der Synthesizer wurde zugunsten von wirklichen Instrumenten ein wenig zurück geschraubt, die Drums übernehmen im Großteil der Songs den Part des Rythmusgebers - wer The Hand That Feeds kennt weiss, was ich meine. Begrüßenswert, kann man doch davon ausgehen, dass die allermeisten Songs dann auch live gespielt werden, ohne sich groß um die Umsetzung Gedanken machen zu müssen.

Und das Overall-Feeling? Ich kann mir nicht helfen, aber für mich hat es etwas von einem Feelgood-Album, ganz im Gegensatz zu beispielsweise Year Zero oder der Pre-Fragile Ära. Man bekommt das Gefühl, Reznor hat wieder richtig Spaß an dem, was er tut, ohne die früheren Zwänge. Ich gebe zu, manchmal wünsche ich mir auch wieder einen richtigen Brecher a la The Downward Spiral - wer aber weiss, dass Reznor's Musik für ihn mehr ist als nur die bloße Zusammenstellung von Tönen mit ein paar Texten, der weiss auch, dass das so schnell nicht mehr passieren wird. Und all den Kritikern, die der vergangenen Zeit nachtrauern, sei gesagt, dass Nine Inch Nails auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität sind: Innerhalb eines Jahres drei Alben zu veröffentlichen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, dass muss man erst mal nachmachen.

8 von 10 Nägeln.

 
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1 Trackback

  1. 07.05.2008 - Warum das und nicht das? - I am Jeriko

Diskussion: 1 Kommentar

  1. flaccus

    bin ganz Deiner Meinung: ein Feelgood-Album. Hätte beim downloaden sowas gutes in der Zeit nicht erwartet. Irre. Sicherlich auch Freude über sein funktionierendes Vertriebskonzept — da lässt es sich doch gut sorgenfreier musizieren ,o) —– wenns einer verdient hat, dann er. Grüazi aus München.

    08. Mai 2008 um 10:36 Uhr - AntwortenReply to this comment

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