Freitag, 25. April 2008

Der US-Wahlkampf, und was das Internet dazu beiträgt

Ich finde den US-Wahlkampf toll. Ich finde es gut, dass das Volk die Möglichkeit hat, ihren Präsidenten quasi direkt zu bestimmen – quasi, weil sie ja eigentlich Delegierte wählen, die aber wiederum an ihre Entscheidung, wen sie später zum Präsidenten nominieren, gebunden sind. Das macht alles ein bisschen spannender, weil auf einmal der Einzelne im Vordergrund steht. Spannender, teilweise aber auch populistischer. Man muss jeder Bevölkerungsgruppe gefallen, also War es bisher ja meist so, dass die Kandidaten der Demokraten und Republikaner ziemlich schnell fest standen – der Super Tuesday war dafür meist ausschlaggebend – ist der aktuelle Stand, dass bei den Demokraten bis zum Tag der Nominierung kein eindeutiges Ergebnis feststehen wird. Und da kommt das Problem.

McCain hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass er einen kontroversen Werbespot mit Bezug auf Obama nicht mehr zeigen will. Jetzt könnte man natürlich nach dem Zweck fragen, schließlich ist McCain Republikaner, Obama Demokrat. Dabei ist es so einfach: Es gibt für ihn nichts besseres, als wenn Obama – und natürlich Clinton – solange wie es nur geht als mögliche Kandidaten gehandelt werden. Denn solange bleibt er aus der Schusslinie. Wurde der Wahlkampf zu Beginn noch, na sagen wir mal auf die übliche Art und Weise ausgefochten, so erlebt man mittlerweile eine Schlammschlacht, bei der man eigentlich nur noch den Kopf schütteln kann. Wohlgemerkt zwischen Obama und Clinton, nicht zwischen Demokraten und Republikanern. Geht man mal nüchtern an die Sache, bemerkt man ziemlich schnell, dass beide Kandidaten sich in vielen Punkten ähneln, und trotzdem ist der Andere der erklärte Feind, der nicht in der Lage wäre, die USA zu regieren. Und man wird nicht müde, darauf hinzuweisen, und das mittlerweile völlig offensichtlich. Und hatte Obama das bis vor kurzem noch sehr zuverlässig geblockt, so ist auch in seinen letzten Reden eine herablassende Attidüde gegenüber Clinton durchgekommen. War dann auch das erste Mal wo ich mir dachte “Junge, dit muss doch nit sein…”

Und McCain? Der lacht sich vermutlich einen ab, und kann sich als Kandidat der Republikaner in seinen Reden schon lange auf das Wesentliche konzentrieren anstatt irgendwelche Angriffe abzuschmettern bzw. zu kontern. Die Demokraten zerfleischen sich gerade selber, und ich habe die Befürchtung, dass sich das bei der Wahl am 4. November rächen wird. Die Lager sind komplett gespalten, ich hab das Gefühl, die Bevölkerung kriegt gar nicht mehr mit, dass Obama und Clinton eigentlich in derselben Partei sind. Und egal, wer der Kandidat sein wird, nach einem solchen Wahlkampf wird der Kandidat es sehr sehr schwer haben, die Anhänger der anderen Seite für sich zu gewinnen. Vielleicht zu schwer. So oder so, für die Demokraten ist das ganze Spiel schon jetzt ein Debakel.

Das Internet spielt bei diesem Wahlkampf einen nicht unerheblichen Faktor. Mal völlig davon abgesehen dass die politische Blogosphäre in den USA ohnehin weiter ausgebildet ist als hierzulande sind es vor allem die Kleinigkeiten. Als Mensch des öffentlichen Interesses kann man es sich kaum noch erlauben, irgendwelche unwahren Stories aufzutischen, und eigentlich sollte man meinen, die wüssten das auch. Clinton ist in Bosnien unter Scharfschützenfeuer gelandet? Da hätte es keinen Sinbad zu gebraucht, um das rauszufinden, einen Tag später hätte es irgendwer im Internet, dem weltgrößten Informationsarchiv, auch so entdeckt. Clinton war von Anfang an gegen NAFTA? Kurzer Blick bei YouTube, unwahr. Obama’s Pastor Jeremiah Wright hat rassistische Kommentare geäußert? Stimmt. Die Clintons hatten ihn allerdings auch schon zum Essen eingeladen, weil er ihnen in ihrer Ehekrise geholfen hatte. Kleine Zitate mit großem Gewicht, die in den traditionellen Newsquellen – Print, TV – vielleicht unter den Tisch fallen sind dort immer und überall verfügbar. In den CNN-Debatten konnte die Bevölkerung via YouTube Videos Fragen an die Kandidaten stellen. Die Vermischung von Internet und Öffentlichkeit ist in den USA fließend geworden.

Und auch da kommen wieder die Probleme. Man konnte es ja schon rauslesen, ich würde mir Obama als Kandidaten und Präsidenten wirklich wünschen. Auf den Wahlkampf kann man an und für sich nichts geben: Jeder Bevölkerungsgruppe wird das erzählt, was sie hören will, was dann am Ende dabei rum kommt steht auf einem völlig anderen Blatt. Aber Obama hat Charisma, und vielleicht braucht diese Welt das im Moment, etwas frisches, ja vielleicht auch etwas leicht naives, aber eben einen Wandel, weg von den alteingesessenen Politikern mit ihren alteingesessenen Ansichten. Mir schmeckt auch der Gedanke nicht, dass die US-Politik seit 1989 von zwei Familien getragen wird und es noch weitere 8 Jahre so sein könnte. Obama hat es aber geschafft, dass ganze Bevölkerungsgruppen sich wieder für Politik interessieren, allen voran die jüngeren Schichten. Genau die, die mit dem Internet aufgewachsen sind und es so für sich nutzen. Wäre ich US-Bürger, ich würde mich sicher anders informieren als ich es jetzt tue, aber so kriege ich vor allem Informationen, die Obama grundsätzlich in einem guten Licht stehen lassen, während Clinton und McCain eigentlich alles falsch machen. Klar, vielleicht ist das auch so, aber wenn man tagtäglich dieselben Positionen liest, dann kommt irgendwann doch leichter Zweifel. Irgendwas muss an den beiden ja dran sein, wenn sie so viele Anhänger haben, nur werden gerade diese Informationen eher spärlich verbreitet. Alles ist doch irgendwie subjektiv, und daran wird sich auch nichts ändern, egal wieviele Millionen Menschen gleichzeitig daran arbeiten.

So oder so, es ist auf jeden Fall spannend anzusehen. Spannend, aber irgendwie auch traurig.

1 Kommentar

  1. HR

    Einen Faktor sollte man nicht außer acht lassen: Der “innerdemokratische” Wahlkampf mobilisiert die Anhänger der Demokraten sich für die Vorwahlen anzumelden, und je mehr das tun desto mehr werden sich auch für die richtigen Wahlen im November in die Wählerlisten eintragen. Und dann werden sie ziemlich sicher den “Gewinner” wählen, egal ob nun Hillary oder Obama.
    Ich vermute (und hoffe) dass trotz des Hickhacks am Ende ein/e demokratische/r Präsident/in gewählt wird.

    just my 2 c.

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