Ich war, bin, und werde nie ein großer Fan von Apple sein. Das ist einfach so, dem Credo "Lifestyle über alles" kann ich nicht folgen, vor allem wenn ich dafür Abstriche machen müsste. Für mich stellt ein Computer vor allem ein Arbeitsgerät da, kein Statussymbol, ich bin froh über die riesige Auswahl sowohl an Hard-, als auch an Software, ich bin glücklich mit meinem stabilen Windows XP. Man kann über Microsoft schimpfen wie man will, zumindest in punkto Stabilität kann man ihnen nichts vorwerfen. Und das sage ich mit völliger Überzeugung: Ich zolle Respekt dafür, ein Betriebssystem zu schreiben, dass auf so dermaßen vielen unterschiedlichen, von anderen Anbietern entwickelten Plattformen mit noch viel mehr unterschiedlichen Komponenten dennoch (nahezu) stabil läuft. Umgekehrt müsste Apple sich jeden einzelnen Fehler in OS X, das auf nicht einmal 10 verschiedenen, von Apple selbst entwickelten Plattformen laufen muss, ankreiden lassen.
DRM ist ein ähnliches Hassthema. Ich begreife nicht, wie man Microsoft Jahr für Jahr vorwirft, an allen Ecken mit DRM zu hantieren, gleichzeitig aber absolut willig ist, die Auflagen von Apple bezüglich iTMS, iTunes und iPod zu akzeptieren. Und da konnte Steve Jobs noch so oft vor dem Boom des iPods sagen, dass DRM nicht gut ist, noch so viele offene Briefe schreiben, wie böse doch DRM ist, der Erfolg von Apples Music Store ist auch darauf zurückzuführen, dass User gar nicht anders konnten, als oben genannte drei Produkte einzusetzen. Ich will ja gar nicht bestreiten, dass es geradezu lächerlich simpel ist, einen Song online zu kaufen und ihn auf den iPod zu transferieren. Nur muss ich dafür eben einen iPod besitzen und kann meinen alten MP3-Player einmotten. Aber Amazons MP3-Store (Songs ohne DRM zum selben Preis wie in iTunes), so er denn mal weltweit verfügbar sein wird - aktuell nur in den USA - wird Apples Musikgeschäft vermutlich empfindlich schwächen.
Letzten Endes ist es wohl eine persönliche Entscheidung von mir. Mich nervt das fast schon religiöse TamTam der Apple-Fanboys. Mich nervt es, dass Apple sich auf dieses Spiel einlässt und es genau deswegen dieses TamTam gibt. OS X ist mir zu optisch zu viel Overkill und dieses ganze Klickibunti-Zeug interessiert mich nicht die Bohne. Mich nervt die Apfel-Taste. Mich nervt es, dass dafür andere Tasten fehlen. Jedem das seine, aber ich bin mit dem, was ich habe, sehr zufrieden.
Und trotzdem habe ich eben die Keynote der Macworld Expo halbwegs live verfolgt, und ich muss zugeben: Das MacBook Air ist irgendwo sexy. Nichts für mich, ich bevorzuge meinen Desktop-Rechner, und solch dermaßen dünne Tastaturen sind ja ein Horror für mich, aber trotzdem, sexy. Also rein von der Optik, diese Schlankheit macht schon was her, 4.5mm an der dünnsten, knapp 2cm an der dicksten Stelle). Der Preis dafür ist aber ein Notebook, dem Komponenten einfach fehlen. Auf ein optisches Laufwerk kann ich prinzipiell verzichten, ich kann mich nicht mal daran erinnern, wann ich meins zuletzt benutzt habe. Aber kein Ethernet-Port, kein FireWire und, und das wiegt am schlimmsten, der Akku ist nicht austauschbar - ich will gar nicht wissen, wie hoch sich Apple den Austausch vergolden lässt.
Ich hatte eben noch meinen Hut gezogen für die Macht, die Apple anscheinend mittlerweile besitzt, haben sie doch Intel dazu gebracht, einen Prozessor nur für das MacBook Air zu entwickeln. Mittlerweile ziehe ich meinen Hut dafür, dass Apple es wirklich schafft, ein verkrüppeltes Notebook als das nächste große Ding anzupreisen.