Zurück auf Anfang.
Ich habe mir immer gesagt, dass ich sofort mit dem ins Internet schreiben aufhören werde, wenn es auch nur ansatzweise mein Beziehungen zu anderen Menschen beeinträchtigen sollte. Ich hab mir das immer gesagt und darüber gelächelt, wohlwissend, dass dieser Fall sowieso nie eintreten würde. Wie auch, ich hatte nie das Gefühl, mich sonderlich anders auszudrücken als wenn ich es meinem Gegenüber direkt ins Gesicht sagen kann. Ich habe nie über Dinge geschrieben, über die ich nicht auch privat gerne diskutieren würde. Dachte ich.
Auf schmerzhafte Art und Weise wurde ich eines besseren belehrt, dass die Wahrnehmung von mir als Person im Privatleben anders ist, als hier im Internet. Auf eine Art und Weise, die mich nachdenklich gemacht hat, wieviel Wert meinen Texten eigentlich beigemessen wird, inwiefern ich mich wirklich darin erkennen kann. Eine Aufgabe, der ich nicht mächtig bin, gar nicht sein kann, erkenne ich mich doch in jedem einzelnen Beitrag, und würde es privat auch nicht anders machen. Ich hatte nur immer das Gefühl, dass es meine direkte Umgebung nicht wirklich interessiert, wenn ich von US-Wahlen, Vorratsdatenspeicherung, DRM, Musik, Gossip, Mainstream-Movies und dem ganzen Rest, mit dem ich in den letzten 1 1/2 Jahren dieses Blog gefüllt habe, erzähle. Da gab es andere Themen. Was ja im Grunde scheissegal war, privat eben dies, im Internet eben das. Gar kein Problem.
Das Problem war die Persönlichkeit. Ich stehe als Person dahinter. Privat bin ich Christoph, im Internet Jeriko, aber trotzdem Christoph. Hätte ich sachlich nüchtern über all das Zeug geschrieben, ohne Stellung zu beziehen, ohne subjektiv zu werden, ohne Persönlichkeit, es wäre vermutlich alles kein Problem gewesen. Dazu kommt die äußerliche Wahrnehmung. Nur selten habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie wichtig all das hier genommen wird, oder wie es auf andere wirken könnte. Ein Gedanke kam und wurde aufgeschrieben. Ein Bild wurde gesehen, ein Song gehört, und es wurde verlinkt. Aber es war nicht wichtig für mich. Ich habe Dinge geschrieben, weil es mir Spaß gemacht hat, nicht weil ich mich darüber definieren wollte, und ich dachte, andere sehen es auch so und messen keine allzu große Bedeutung bei.
Und mit der Einschätzung lag ich falsch. Wie ich erfahren musste, nimmt man mich mitunter als zwei verschiedene Personen wahr, meine Interessensgebiete, mein Auftreten, ja mein ganzes Verhalten seien völlig unterschiedlich. Es steht mir nicht zu, den Leuten zu sagen, wie sie mein Blog wahrzunehmen haben, aber ich bin auch nicht davon ausgegangen, dass man es als Teil meiner Persönlichkeit auffassen würde. Was mich dann auch ziemlich hat erschrecken lassen.
Deswegen Löschen. Zurückspulen. Zurück auf Anfang. Wie es jetzt weiter geht, ich weiss es noch nicht. Ich habe eine vage Vorstellung, wie es hier weiter gehen könnte. Vielleicht lasse ich es auch, schreibe an anderer Stelle völlig anonym weiter. Oder höre ganz auf. Das kann und will ich jetzt noch nicht sagen. Nur werde ich sicher nicht noch einmal zulassen, dass das hier meine Beziehungen zu anderen Menschen in irgendeiner Art und Weise negativ beeinflusst.
Gut gut. Als nur Jeriko Kenner versteht man relativ wenig bis gar nichts, ist ja auch egal, wird so hingenommen und gut, aber bitte eine größere Schrift. Und bitte irgendwie und irgendwo weiter schreiben. Hab’s Blog und deine Meinung immer gern gelesen. :)
Gruß,
Pablo
Okay, jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, um was es eigentlich genau geht.
Ohne dieses Wissen ist das einzige, was ich dazu sagen kann: Auch bei mir gibt es ein, zwei (nahe stehende) Leute, die das, was ich in meinem Blog tue oder eher getan hab, nicht mögen und es mir am liebsten austreiben würden. Dafür kommen dann aber von anderer Stelle mindestens genauso viele, die’s gutheißen oder gar gut finden/fanden. Und ja, dann haben erstere einfach mal Pech gehabt…
Wahrscheinlich wird es wirklich so sein und die Menschen wie ich, die nur Jeriko kennen, werden die Tragweite nicht wirklich einschätzen können aber dennoch kann ich Dir in deiner Konsequenz auch nicht wirklich zustimmen – es gehört zu Dir, egal wie anonym Du es werden lässt.
Es ist Deine Seite, es sind Deine Gedanken, Deine Worte, Sätze und Geschichten – wie kann so etwas nicht zu einem selbst gehören?
Deine Bilder, Deine Musik, die Dich bewegt, Dein Abkotzen auf diesen innenpolitischen “Patriot act” Kurs auf dem wir alle uns befinden. Es gehört zu Dir!
Sicherlich verhält sich Jeriko etwas anders als Cristoph, sowie sich auch Herr Timo anders verhält als der ohne Herr davor – aber immer noch bleibst es doch Du, der sich hier bewegt.
Selbst wenn Dir vorgeworfen wird, dass seist nicht Du selbst hier, sondern eine zweite Persönlichkeit – und? Solange Du die Grundsätze des anderen “Ichs” nicht verletzt ist doch alles lecker!
Wie gesagt, ich werde die Tragweite der Gespräche, die zu dem hier geführt haben nicht überblicken können aber dennoch halte ich daran fest, dass dieser Teil von Dir es auch Wert ist, verteidigt zu werden…
und nebenbei – das Design ist mal wieder wirklich lecker!
Ui, alles weg?
Weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Hatte mannigfaltige Gedanken, beim Lesen des Beitrags, aber momentan geht es mir selbst extremst asozial und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen.
Also…
Mein Blog wird zum größten Teil nur von den Menschen gelesen, die mich auch im realen Leben kennen. Ich habe noch nie gehört, dass jemand auf die Idee gekommen wäre, dass Cait und Jenny zwei verschiedene Personen seien. Vielleicht wurde es mir aber auch nur noch nicht mitgeteilt…
Diese Leute, die mein Blog lesen, lesen es in den meisten Fällen genau aus dem Grund um mehr über mich zu erfahren. Es gibt eine Freundin, die gern mein Blog liest, bevor sie sich mit mir trifft, um zu checken, wie meine Stimmung momentan so ist. :) Aber jetzt zu den wichtigeren Dingen…
Mit meinem Blog habe DEFINITIV schon oftmals den Menschen in meinem Umfeld sehr weh getan. Dieses Blog, das bin ich, das sind meine Gefühle. Ich habe auch keine Probleme all diese Dinge, die ich dort schreibe, anderen im Gespräch mitzuteilen. Wenn ich dies nicht könnte, könnte ich es wohl auch nicht schreiben, weil ich dann ja Angst vor unbemerkten oder total wohlüberlegten Reaktionen haben müsste, die in einem Gespräch sicher besser lenk- und kontrollierbar sind. Es ist so, dass mein Blog mir auf viele verschiedene Arten hilft. Ich kann die Dinge dort aufschreiben, damit ich sie nicht vergesse, denn ich verdränge Dinge schnell. Ich kann sie so verarbeiten und hinter mir lassen. Ich kann Feedback von anderen erhalten, vielleicht von Menschen, mit denen ich so nicht darüber gesprochen hätte, einfach weil ich nicht auf die Idee gekommen wäre oder weil es sich nicht ergeben hat.
Was ich sagen wollte, ist… Jenes Blog bin ich. Und ich kann nicht sagen, ob dieses Blog hier du bist, aber ich denke schon. Du schreibst die Dinge. Und sie waren, im Gegensatz zu anderen Blogs, noch nicht mal besonders persönlich. Vielleicht war das das Problem? Du seist zwei Menschen? Hm, jeder von uns ist doch “ganz viele” Menschen, denn in jedem einzelnen Kopf ist ein ganz anderes Bild von ein- und derselben Person… Alle Bilder zusammen machen dich aus. Aber das wichtigste Bild ist doch in dir selbst, oder? Du warst zufrieden mit deinem Blog und hast gemocht, was du getan hast… Eine kleine Schwierigkeit, ein Mensch hat etwas daran auszusetzen und du gibst sofort auf? Ein Blog macht auch Probleme… Weil ich die Wahrheit geschrieben habe, wollte meine Mutter mich anzeigen und verprügeln lassen… Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr und hoffe, dass das so bleibt… Es gibt hater, und manchmal auch heftige Auseinandersetzungen mit guten Freunden. Aber es gibt auch Entschuldigungen, weil jemand auf einmal begriffen hat, was falsch gelaufen war. Und es gibt Bestätigung, weil andere sich nicht getraut haben, Dinge auszusprechen oder nicht die Fähigkeit dazu haben, Dinge in bestimmte Worte zu kleiden.
Du sagtest, du seist Christoph und Jeriko, aber trotzdem Christoph. Ist das nicht das, was zählt? Ist die Enttäuschung dieser Person so groß, dass du einen Teil von dir aufgeben musst, nur um sie wieder zufrieden zu stellen? Obwohl du das eventuell gar nicht willst?
Nun ja, jetzt habe ich viel (über mich) geschrieben, obwohl ich gar nicht genug background info habe, worum es eigentlich geht. So wie alle anderen… Entscheiden musst am Ende du. Aber vielleicht lohnt es sich, die Sache mal aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Vielleicht auch aus deinem eigenen? ;) Nicht nur aus den Blickwinkeln, die andere Menschen vermeintlicherweise haben könnten…
Viele Grüße und hoffentlich schreibst du weiter! :) Auch wenn es nur ein Link zu Songs oder Bildern ist… :)
Hmmm, ich denke, das meiste wurde gesagt.
Ich respektiere deine Entscheidung – und falls du anderswo weitermachen solltest, würde es mich freuen, von dir zu hören (kann aber trotzdem gut verstehen, dass das den Grundsatz der Anonymität wohl irgendwie verletzen würde ;)).
Egal, was passiert – ich wünsch dir alles Gute!!
Huch!?
Schade. Und seltsam.
Schön, daß ich euch beide kenne (wenn auch leider nicht so gut, wie ich es mir wünschen würde ;-)
Wer auch immer im echten Leben nicht mit dem hier klarkommt, versteht soviel von Dir nicht, daß ich wieder am Anfang stehe und frage:
Huch?
wirklich verdammt richtig, was du hier argumentierst. und nachvollziehbar ist auch diese entscheidung. hab dein blog immer sehr gerne gelesen, wenn auch eher anonym.
geh deinen weg und tu was du für richtig hälst.
gruß.
ps: brauchst du dein altes design (das vor diesem hier, übrigens: hübsch) noch?! :-[
Jetzt hat er es doch getan. Obwohl ich Deine Beweggründe nachvollziehen kann, finde ich es trotzdem schade – es sind viele schöne Texte den bach runter gegangen und gerade die mit ihnen transportierten Ideen und Meinungen sind ein Teil von Dir. Finde ich.
Erstmal: Ich finde es wichtig, dass du das machst, was du für richtig hällst.
Ich hoffe trotzdem das du weitermachst… Auch wenn es in zukunft anonymer von Statten gehen sollte. Ich habe deine Texte sehr gerne gelesen.
Kann man alles verstehen, aber 2 Personen? Ich schreibe im Netz auch als Sub, als subcess, als Markus, aber ich bin ich und das was ich verlinke, schreibe, für gut, schlecht oder einfach nur wissenswert finde, wird geschrieben!
Bitte weitermachen, so!
Wie bereits gesagt wurde: Du musst das tun, was Du für richtig hälst. Wenn das heißt das wir zukünftig auf Jeriko und Christoph verzichten müssen, so ist das verdammt schade, weil Du immer gute Beiträge hattest, die ich gerne gelesen, wenn auch vielleicht nur selten kommentiert, habe.
Nimm Dir die Zeit die Du brauchst um Dir darüber klar zu werden wie es weitergehen soll.
Schönen Gruß von der Waterkant!
Ja sowas. Wollte dir gerade nen Link zum Thema Ford Mustang schicken. Mach ich einfach doch. Lesen kannste ja noch. ;-)
http://www.boingboing.net/2008/01/13/ford-car-owners-are.html
Was das Schreiben angeht – ich hätte da demnächst eigentlich n Angebot für dich gehabt. Projekt wird noch ausgearbeitet, aber ich kann mich ja nochmal melden, wenn’s soweit ist. Da könnteste dich aufs Jeriko-Sein beschränken.
Na zum Glück hab ich das Mustang-Bild nicht zum Verkauf angeboten. Trotzdem verrückte Welt.
Schade! Und keine Frage, ich respektiere deine Entscheidung egal wie sie ausfallen wird. Aber wo genau nochmal war das Problem? Du schreibst als Jeriko über ein paar Sachen, die als Christoph so nicht immer zur Sprache kommen? Ich frage nochmal. Wo ist das Problem? Aber hier fehlt mir wohl einfach der Background um die Situation gerecht zu beurteilen aber ich kann mir halt nur schwer vorstellen, das Jeriko und Christoph sowas wie Tag und Nacht sein sollen.
Schade, dass es so gekommen ist….war immer ein stiller Leser und habe aus deinem Blog selbst die Motivation gewonnen selber zu bloggen. Wenn auch ganz anders. Ich würde mich freuen, wenn es hier mit deiner Seite irgendwie weitergeht und werde auch in Zukunft immer wieder reinschauen…
Ich verstehe ziemlich gut deinen Wunsch nach Anonymität. Ich selbst knobel daran auch schon seit einem halben Jahr rum und schreibe daher mal mehr so gar nichts mehr… eben weil ich’s im Zweifel sein lasse, es andererseits aber doch zur Hälfte das ist, worüber ich gerne schreiben würde. Tjoa.