An zwei Begebenheiten mache ich für mich fest, dass der Deutsche gierig und faul ist: Beim Straßenbahnfahren und beim Einkaufen.
Mannheim-Paradeplatz, lassen wir es mal Linie 5 Richtung Hauptbahnhof sein, obwohl das nicht relevant ist. Ich stehe also in der Bahn, warte, bis diese zum Halt kommt und die Türen aufgehen. Das sagen wir mal geordnete Prozedere wäre jetzt wohl, dass man mir sowie den anderen Fahrgästen Platz macht, auf dass wir nach draußen können. Das reale Prozedere ist, dass sich all die neuen Fahrgäste schon an den Türen quetschen, noch bevor die Bahn überhaupt steht. Die Türen sind noch nicht mal offen, da stürmen bereits die ersten rein und versperren den Weg, immer gierig auf der Suche nach dem kostbaren Sitzplatz, sonst müsste man ja stehen, was sich nicht mit der Faulheit deckt. Ist ja auch klar, wenn erst mal alle anderen ausgestiegen sind, dann gibts ja keine Sitzplätze mehr. Oder so ähnlich. Hat man dann übrigens einen SItzplatz ergattert, wird dieser für nichts in der Welt hergegeben. Nicht mal für eine alte Frau mit Gehhilfe. Ist übrigens das bevorzugte Verhalten von eher jüngeren Leuten. Geht mir trotzdem auf den Sack.
Beim Einkaufen dagegen ist es vor allem die Warteschlange an der Kasse, die den oben genannten Typus entlarvt. Ist auch nur im entferntesten erkennbar, dass man länger als 5 Minuten warten muss, wird sofort rumgepoltert. “Könnse ma’ ‘ne Kasse aufmache? Hab’ nich’ den ganzen Tach Zeit!” Nix gegen das generelle Anliegen, man kann es aber auch anders formulieren. Bewegt sich dann nun ein Mitarbeiter des Supermarkts in Richtung andere Kasse begibt man sich schon mal in Startposition. “Sie können sich auch an Kasse 2 anstellen, wenn sie nur ein paar Teile haben!” Das Rennen ist gestartet, der etwa 40jährige mit dem Sixpack liegt vorne, dicht gefolgt vom 25jährigen Studenten mit den beiden Colaflaschen, der ziemlich gemütlich schlendert, da es ihm wohl weniger darum geht, Erster zu sein. Nur noch die Rechtskurve in Richtung Kasse, doch was ist das, eine Hippietante kommt von innen und rempelt den Studenten weg! Der Student sagt nix, er hat ja Zeit, und Hippies lassen sich sowieso nichts sagen.
Zählen gehört auch nicht gerade zu deren Stärke, wie der Student jetzt feststellen durfte. Zuerst einmal werden die beiden anderen Tanten ebenfalls an Bord geholt – natürlich wieder mit durchrempeln anstatt freundlich fragen – und dann ungefähr drölfzich Milch- und Käsesorten aus dem Sonderangebot auf das Band gelegt. Der Student lässt sich nichts anmerken, malt sich aber gerade eine Situation mit siedendem Öl und den Hippies darunter aus. Die Kassiererin lässt sich nichts anmerken, malt sich aber gerade eine Situation mit siedendem Öl und den Hippies darunter aus, nur um danach anzusetzen, dass die drei Damen sich doch bitte an der normalen Kasse anstellen sollen, hier werden nur maximal 5 Teile pro Person kassiert. Unverschämtheit sei das ja, und wie man sich ein so kundenunfreundliches Verhalten erlauben könne, und hier würde man nie wieder einkaufen gehen! Oh ich bitte darum.
Jepp, kann ich alles bestätigen. Alles schon genauso erlebt. :-/
Sehr schön den Alltag im Großstadtjungle geschildert, du spricht mir aus der Seele. Du hast nur vergessen zu erwähnen, dass die die in der Tram als erstes reinstürmen um ein Platz zu bekommen, dann nur eine Station fahren um direkt wieder aufzuspringen und auszusteigen.
Deckt sich alles mit meinen Erfahrungen die ich im Supermarkt sammeln durfte. Diese Zeit hat mich schon schwer desillusioniert.
Besonders gefallen hat mir allerdings dein Hippie-Bashing, das ging runter wie Öl.