Dienstag, 27. November 2007

Brummbrummbrummbrummbrumm

Jetzt läuft zum zweiten Tag hintereinander auf der Baustelle gegenüber dieses Dings, was wie ein überdimensionaler Stromgenerator klingt. Man kennt die Dinger ja von Festivals, also da in der kleinen Variante, aber das macht ja nix, dafür sind die Zelte ja auch dünner als normale Häuserwände. Und es reicht dann trotzdem aus, damit man nachts keinen Schlaf abkriegt, wenn man nicht anderweitig nachhilft, zum Beispiel durch Alkohol in Massen. Da das aber wie gesagt nur auf Festivals funktioniert, und Häuserwände zwar dicker, das Generatordings auf der Baustelle dafür aber auch größer ist, wird mir seit gestern pünktlich um halb sieben mein Schlaf geraubt.

Eigentlich sollte ich mich ja freuen. Wenn ich sonst an Baustellen vorbei laufe, dann passiert da meistens gar nichts, und ich frage mich manchmal, ob man auf halber Strecke einfach vergessen hat, dass da noch ein Haus hochzuziehen ist, oder dieses Loch in der Straße, dass das vielleicht auch wieder zugemacht werden müsste. Umso besser ist es doch, eine richtige, funktionierende Baustelle zu sehen. Bzw. zu hören. Ich freu ich mich aber nicht. Einerseits, weil es diese Baustelle seit ungefähr 1 1/2 Jahren gibt, und die gerade mal an einer popeligen Kreuzung liegt, und deren einzige Beschäftigung es zu sein scheint, Löcher aufzuschlagen und wieder zuzumachen, obwohl man in der Zeit doch locker ein ganzes Hochhaus hätte bauen können. Nicht dass ich das wollte, gibt ja eh schon genug hier, aber darum gehts nicht. Und zum anderen bin ich morgens ein Grumpeltier. Aber sowas von! Wer meint, mir meinen Schlaf rauben zu können, den trifft sämtliche schlechte Laune, die ich um diese Tageszeit aufbringen kann. Was zugegeben nicht gerade viel ist.

Ich hatte mir überlegt, ganz entspannt mein Buch zu Ende zu lesen – Good Omens von Terry Pratchett und Neil Gaiman, sehr empfehlenswert – dann in aller Ruhe zu duschen, also ungefähr dann, wenn die anderen schon längst aus dem Haus sind und ich nicht ständig das Heißwasser nachregulieren muss, weil wir uns das anscheinend ja alle teilen. Ganz entspannt ein Frühstück zu mir nehmen, Sandwichtoast mit Gouda und Paprika-Chili-Paste, dazu ein Glas Orangensaft, vielleicht ein hartgekochtes Ei. Leise pfeifend aus dem Haus spazieren, an der Baustelle kurz Halt machen, jedem einzelnen dort persönlich einen Guten Morgen wünschen und ihnen in einem gleich eins aufs Maul zu geben.

Den Plan habe ich aber schnell wieder verworfen. Die Jungs können ja nichts dafür, dass irgendwer weiter oben in der Karriereleiter meint, es wäre doch eine tolle Idee, ständig Löcher zu buddeln, um zu sehen, ob noch alles da ist. Denen müsste ich aufs Maul hauen, aber ich weiss ja nicht, wer das ist. Und ich habe aktuell wieder eine gewisse Affinität für 3D-Shooter entwickelt. Wenn dann in diesem Zusammenhang die Polizei auf mich aufmerksam werden sollte – Wahnsinniger läuft auf Baustelle Amok oder sowas – dann gäbe es wieder jede Menge Gesprächsstoff, garniert mit Halbwahrheiten von Pseudo-Experten, dass Killerspiele die Wurzel allen Übels sind, und Heavy Metal ja sowieso, und dabei einfach außer Acht lassen, dass ich morgens einfach ein Grumpeltier bin und solange schlafen will, wie ich es will, und nicht, wie mir ein überdimensionales Generatordings vorgeben will.

Und Sandwichtoast habe ich grad auch nicht.

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