Freitag, 09. November 2007

Von Löwen und Lämmern

Originaltitel: Lions for Lambs
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Robert Redford
Darsteller: Robert Redford, Tom Cruise, Meryl Streep, Michael Peña, Ernest Luke, Andrew Garfield

Von Löwen und Lämmern FilmposterDie zwei Studenten Arian und Ernest möchten der Inspiration ihres Professors Dr. Malley, etwas Bedeutendes im Leben zu tun, folgen, schreiben sich jedoch sehr zum Schock Malleys ein und kämpfen fortan in Aghanistan. Sie sind es auch, die das Bindeglied zwischen zwei unabhängigen Handlungen sind: Dr. Malley versucht, einen verwöhnten und desillusionierten Studenten zu erreichen, der das komplette Gegenteil von Arian und Ernest ist, um ihn dazu zu bringen, nicht denselben Fehler wie die Beiden zu machen. Währenddessen führt Senator Jasper Irving in Washington ein Interview mit der Journalistin Janine Roth, um sie für seine neue Strategie im Krieg zu gewinnen, die gleichzeitig Arians und Ernests Schicksal beeinflusst.

Der Film besteht dabei hauptsächlich aus den beiden oben genannten Dialogen, wobei vor allem der zwischen Irving und Roth hervorsticht; die Politik versucht die Medien für sich einzunehmen, wie es kurz nach Beginn des Irak-Kriegs 2003 ebenfalls funktioniert hat. Roth dagegen versucht, diesen Fehler unbedingt zu vermeiden, stellt kritische Gegenfragen, die aber mit einem Lächeln und geschickt gewählten Worten abgeschmettert werden. Man will den Krieg unbedingt gewinnen, koste es was wolle. Menschenleben, die dabei geopfert werden, sind für die Politik nur Zahlen – nur werden diese für den Zuschauer durch Arian und Ernest real. Die schauspielerischen Leistungen von Tom Cruise und und gerade Meryl Streep als von Gewissensbissen geplagter Journalistin sind dabei wirklich gut und glaubhaft.
Auf der anderen Seite der Dialog zwischen Dr. Malley und Todd, einem seiner Student. Malley möchte seine Studenten für etwas begeistern, sie dazu bringen, etwas mit ihrem Leben anzustellen, vor allem aber nicht wegzusehen. Gleichzeitig sieht er in Todd eine Ähnlichkeit mit Arian und Ernest und will verhindern, dass er denselben Fehler macht. Und dann sind da noch die beiden Soldaten in der gerade gestarteten Offensive, und deren Hubschrauber unter Beschuss gerät…

Ich hatte vor ein paar Jahren mal das Vergnügen, während einer UNIS-Conference in New York einem CNN-Journalisten über die Wahrnehmung des Irak-Kriegs innerhalb der USA und dem Rest der Welt beizuwohnen. So wurden z.B. unterschiedliche Cover auf dem Time-Magazine für die USA und den Rest der Welt eingesetzt, auch meine ich mich erinnern zu können, dass der Fall der Statue von Saddam Hussein 2x gefilmt werden musste, damit kein falsches Bild darüber entstehen kann. Kurz gesagt wurden die US-Bürger zu der Zeit an der kurzen Leine gehalten (und werden es noch heute, ich sag nur Fox News…), während der Rest der Welt ziemlich schnell ein Bild davon bekam, was wirklich vor sich ging.
Und genau das ist auch das Problem dieses Films: Er wirkt wie ein Spiegel für die USA, aber gerade für Europa enthält er nichts Neues. Dass die US-Politik mit aller Macht versucht, ihr Bestreben, den Krieg gegen den Terror, voranzubringen, koste es was es wolle, das weiss man auch so. Man muss dafür nicht jedes Detail kennen – obwohl gerade das Internet sowas einem ermöglicht – das große Gesamte reicht dazu schon. Man will die Moral hervorheben, in dem man den nackten Zahlen, die Irving am Anfang des Films liest, Gesichter gibt, in Form von Arian und Ernest. Allein bei mir wollte es nicht zünden, dafür wirkte es zu vorhersehbar. So bleiben die beiden filmumspannenden Dialoge, die zwar exzellent dargestellt werden, im Endeffekt aber mehr Fragen als Antworten liefern. Man ist sich einig, dass es im Irak und Afghanistan so nicht weitergehen kann – und das beziehe ich jetzt nicht nur auf den Film – aber das Wie, dafür gibt es noch keine Lösung.

3 Kommentare

  1. martha dear

    ich fühlte mich auch definitiv nicht als zielpublikum dieses films und ich glaube, dass es demnächst eine reihe ähnlicher werke geben wird, mit denen europäer einfach weniger anfangen können. dass bringt mich übrigens darauf, doch noch unbedingt etwas zu brian de palmas “redacted” zu schreiben…

    trotz allem hat “von löwen und lämmern” aber bei uns im anschluss zu diskussionen geführt, was ich per se als sehr positiv empfinde. *spoiler voraus* darf ich fragen, wie du den tod der beiden soldaten siehst?

  2. Jeriko

    Vermutlich nicht so, wie Redford es sich gerne gewünscht hätte. Mal abgesehen davon, dass es vorhersehbar war, fand ich es im Kontext des Films… platt. Ich gebe zu, ich wüsste auch nicht, wie ich es anders darstellen würde, *SPOILER* aber dieses letzte Aufrichten, bevor sie erschossen werden, *SPOILERENDE* das war für mich zu sehr 08/15-Kriegsdrama. Es wirkte ein wenig heroisch, wo vielleicht eine nüchternere Darstellung viel mehr vom Schrecken des Krieges gezeigt hätte.

    Gehts in “Redacted” um die Art und Weise der Darstellung des Kriegs in den Medien?

  3. Jana

    Ist das nicht immer so ein Problem mit Filmen die aus den USA kommen und direkt Probleme der USA betreffen? Ich finde es teilweise schon echt übel wie da anscheinend die Politik mächtig in die Handlungen eines Filmes “reinpfuschen”. Wenns um unsere Geschichte geht (z.B. Schindlers Liste) wird jede kleine Grausamkeit eindrucksvoll inszeniert und alles eindeutig “belegt”. Da nimmt man dann kein Blatt vor den Mund, ebenfalls “München”, aber wenn es um Problem-Themen der USA geht wie bei 9/11 etc… da wird dann eine “weiche Brühe” produziert, die weder nach “ihr” noch nach “ihm” schmeckt, halt bloss keine Stellung beziehen und auf keinen Fall “zuviel verraten”. Manchmal denke ich die können sich solche Filme auch sparen, da sie oft den Eindruck eines “Werbefilms” hinterlassen, aber niemals auf die eigentlichen Probleme oder Hintergründe eingehen. Irgendwie ganz schön verlogen das Ganze…

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