Donnerstag, 18. Oktober 2007

10 songs of my life | #7 Nick Cave – Still In Love

“Christoph ich sehe keinen Sinn mehr in dieser Beziehung.”

Interessantes Gefühl, auf der anderen Seite einer solchen Konversation zu sitzen. Ich wusste nicht so recht, was ich antworten sollte. Es gab die Möglichkeit, sie direkt aus meinem Zimmer zu schmeissen, im Grunde wurde ja alles in diesem einen Satz gesagt. Für den Bruchteil einer Sekunde habe ich überlegt, sie nach einem letzten Kuss zu fragen, nur um im nächsten Bruchteil zu realisieren, wie erniedrigend allein der Gedanke daran ist. Ich sagte einfach gar nichts, lag weiter auf meinem Sofa, so wie sie mich vorgefunden hat, als sie mein Zimmer betrat und sich auf mein Bett setzte. Ein paar Sätze sind noch gefallen, die an mir vorbei zogen. Dann war sie weg. Aus meinem Zimmer, nicht aus meinem Leben, das erlaubt das Internat nicht. Ich schaute die angebrochene Simpsons Folge weiter und aß meine Nachos. Homer ist stoned und schmettert Smoke on the Water. Mir war nicht nach lachen. Die Nachos schmeckten auf einmal scheiße.

Ich wollte alleine sein, und der Wald ist dafür der beste, oder auch der einzige Ort. Die Bank, von der aus man die ganze Odenwaldschule überblicken kann, es ist Nacht, meine Kurzsichtigkeit lässt Details verschwimmen, ich erkenne nur die Lichter. Der MD-Player ist vollgepackt mit aggressiver Musik, als Gegenpol zu meiner aktuellen Gefühlswelt, über die ich mir noch nicht wirklich klar war. Nur so rumsitzen, Bier trinken, nachdenken, Ruhe. Der Song ist vorbei, der nächste fängt an. Nick Cave’s Still In Love.

Und es wurde klar. Das war es also. Das bis eben noch interessante Gefühl verwandelt sich in Schmerz. Flaschen gehen zu Bruch, Schreie hallen durch den Wald, ich musste an Fight Club denken, mir war einfach danach, etwas Schönes zu zerstören, und so prügelte, trat ich wahllos auf alles ein, was ich finden konnte, ohnmächtig, dieses Gefühl nicht loswerdend. Man wunderte sich am nächsten Tag, woher die vielen Wunden an meinen Händen kamen. Sie wusste es.

Die anderen Songs: #1, #2, #3, #4, #5, #6

3 Kommentare

  1. Marian

    “ich seh kein Sinn mehr in der Beziehung” ist wie ein Tritt in die Weichteile. Da hilft auch keine Nick Cave’s Still In Love macht es dann noch schlimmer finde ich.
    Aber die Nächste kommt bestimmt, dann ist der Schmerz auch wieder vergessen.

  2. Sven

    Kenn’ ich. Das erste mal war’s Marillion, die mich akustisch da durch begleiteten.

    Die nächsten drei Male dann auch, das letzte Mal vor nicht ganz 2 Jahren.

    Weniger schlimm war’s aber nie. Wird’s wohl auch nie.

  3. thegrouch

    Wenn man genau hinschaut, kann man am Ringfingerknöchel meiner rechten Hand eine kleine Narbe sehen davon, dass ich vor einigen Jahren mal mit aller Kraft auf meinen Bettrahmen geschlagen habe. Der genaue Anlass dafür ist einer, den ich nie irgend jemandem erzählt habe, weil die Person sich im Nachhinein als eine so verdammt unwichtige herausgestellt hat, dass ich mich dafür schäme.
    Trotzdem mag ich die Narbe irgendwie. Sie erinnert mich daran, mich an dem zu freuen, was ich heute (nicht mehr) bin.

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