Gute 7 Stunden Anfahrt aus Berlin, etwas verstrahlt beim ZKM Karlsruhe angekommen, my belly played tricks on me and deserverd special attention, aber gelohnt hat sich die Veranstaltung "Ich, Wir & Die Anderen" allemal. Da ich eine komplette Zusammenfassung sowieso nicht mehr hinkriegen würde, kommen einfach ein paar ungeordnete Gedanken.
- Rainer Meyers Vortrag war wirklich interessant: Don Alphonso wird als Kunstfigur genutzt, um sein Privatleben zu schützen. Für mich in diesem Zusammenhang schönstes Zitat (nicht wortwörtlich): "Ich finde ihn [Don Alphonso] ein bisschen... dumm". Er stellt sich gerne symbolisch neben die Diskussion und betrachtet als Rainer Meyer, was da vor sich geht. Schlüsselbegriffe "erzählende Blogosphäre" und "Literarisierung". Es ist natürlich sein gutes Recht, privates von öffentlichem zu trennen, aber wenn eine Kunstfigur anfängt, reale Personen verbal anzugreifen, die sich nicht durch eine solche Hülle schützen können, dann wirds problematisch. Die anschließenden Fragen von Turi und Winkel, nunja, ich sags mal so, wenn ihr ihm mit euren Privatfehden eine Steilvorlage gebt, dann dürft ihr auch nicht wundern...
Mag übrigens keine MacBooks.
Mag die Jungs von F**MBR erst recht nicht ("Die sind jenseits von allem..."). Hihi...Siehe Kommentar - Peter Praschl vom Sofablog war für mich eine Wohltat. Man darf mich nicht falsch verstehen, sämtliche Vorträge waren wirklich spannend, aber er als Gegenpunkt, der Blogs nicht so unheimlich wichtig nimmt, Fragen eher pragmatisch denn ausschweifend beantwortet, ja, mit ihm könnte ich auf einer Wellenlinie liegen. Irgendwie schade, dass er bei der Diskussion gegenüber Rainer Meyer etwas unterging.
- Robert Basic sagt, es gibt kein "We" im Internet. Das "We" hat mir nicht gefallen, ausgesprochen erinnerts mich immer an die Konsole und ein "Wir" hätte es auch getan. Sei's drum. Er versuchte, seinen Punkt mit Videos zu illustrieren: 80.000 Besucher bei einem Queen-Konzert (siehe Video), 80.000 Besucher monatlich auf seinem Blog. Habe diesen nackten Zahlenvergleich nicht verstanden, da die Zeiträume komplett unterschiedlich sind. Um seinen Punkt zu verdeutlichen wollte er die Zuhörer mitsingen lassen. Anschließende Fragerunde, sehr interessante Meinungen dazu, beispielsweise ist es schwer, Kommunikationsformen von einer auf die andere Ebene zu bringen bzw. meistens funktioniert es nur auf einer Ebene. Die Zuhörer hätten eher mitgemacht, wenn er vorgesungen hätte, Ebene Video -> Publikum funktionierte nicht. Kleines Detail, das auf mich aber gewirkt hat: Er hat sich im Raum bewegt, ist auf die Leute zugegangen. Mir hats insgesamt gefallen.
Ach ja, und er redet so wie er bloggt. Oder umgedreht. - MC Winkel wie er leibt und lebt als Inszenierung seiner selbst. Für Kenner gab es nichts Neues, für Unwissende einen kurzen Rundumschlag über so ziemlich alle Aktionen, die er im Laufe der Zeit losgetreten hat. In der Fragerunde doch noch ein paar kleine Details zu Ideen, die nicht umgesetzt wurden. Auf jeden Fall witzig, aber nicht das, was ich mir erhofft hatte. Wie bereits oben geschrieben, wenn er sein Privatleben nicht ausbreiten will, dann ist das sein gutes Recht, auf der anderen Seite war der Informationsgehalt gleich Null. Ich hätte mir doch ein paar Hintergrundinfos gewünscht, die mir zeigen, was dahinter steckt.
- Geht es nach Turi, kann man im deutschen Internet kein Geld verdienen. Er hat völlig recht, wenn er sagt, dass selbst die bekannten Blogs in punkto Reichweite noch weit entfernt sind von üblichen Online-Medien a la SpOn. Andererseits, aber das mag auch nur mir so gegangen sein, hatte ich immer wieder das Gefühl, er bezieht seine Pleite während der ersten dotcom-Blase auf den ganzen Rest. Kann mich da aber auch täuschen.
Spannend war es allemal. Was ich aber durch die Bank weg vermisst habe waren konkrete Vorschläge: Es wurde analysiert, debattiert, vorgestellt, aber auch sehr viel, na ich sags jetzt mal überspitzt, gejammert. Viel "Wo sind wir und warum ist das so", wenig bis gar nicht "Wie können wir das ändern?". Und: Ich möchte ernst genommen werden. Und das Gefühl hatte ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr.
Wird noch ergänzt, falls mir andere Details wieder einfallen. Falls meine Erinnerungen nicht ganz korrekt sein sollten, mahnt mich nicht gleich ab, 'ne Mail tuts auch.