In dieser Serie soll es ja auch um Songs gehen, die man mit bestimmten Punkten in seinem Leben verbindet. Gar kein Problem, davon gibt es bei mir mehr als genug. Nachdem ich über AC/DC und Fear Factory (+ diverse andere) ja musikalisch auf dem richtigen Dampfer war, wurde es Zeit, mich auch live davon zu überzeugen, und zwar mit
KISS – Detroit Rock City
Ich selber bin gar nicht auf diese Idee gekommen, meinem Bruder war es wieder einmal zu verdanken, dass er mir bzw. uns die Karten zu Weihnachten ’96 schenkte. Ozzy Osbourne war ja meine Premiere, aber betrachtet man es nüchtern, war es ein harmloses Konzert: The Prince of Darkness war zu der Zeit in Deutschland überhaupt keine Nummer, und die Biskuithalle auch nicht gerade würdige Location. Ganz im Gegensatz dazu die Westfalenhalle in Dortmund! Hoioioi, 16.000 Leute sollten da rein passen, wirklich vorstellen konnte ich mir das ja nicht. Das Panorama von unseren Sitzplätzen aus war dann aber überwältigend, wo man hinsieht Menschen. In diesem Zusammenhang fällt mir ein, TV-Shows schaffen es ja spielend, ein winziges Studio groß aussehen zu lassen, bei Konzerten verhält es sich genau umgedreht: Man muss es schon selbst sehen, um zu begreifen, wie viel da los ist.
Den Anfang machten die Ärzte als Supportband und bekanntermaßen KISS-Fans, dementsprechend gut gelaunt bei der Sache. Waren mir durch ein paar Songs von Freunden ein Begriff und machten ihre Sache auch wirklich gut, hatten aber trotzdem keinen leichten Stand – ich erinnere mich da noch an die Ruhe zwischen zwei Songs, ein Fan schreibt “Buh”, worauf Farin nur entgegnet “Geh doch nach Hause! Wir stehn auf der Eintrittskarte!” Richtig so.
Und KISS? Holy fuck, sowas hätte ich mir in meinem kühnsten Träumen nicht ausgemalt! Wo fängt man an, die Kostüme? Jaja, martialisch aussehend, Dämonenschminke, Plateauschuhe, schon klar dass die in meinem Politikschulbuch als Sataniker abgestempelt wurden, ich fands geil. Die Lightshow war eher Standard, aber du meine Fresse, wo da überall aus der Bühne Feuer rauskam! Gene Simmons läuft Blut aus dem Mund, er spuckt Feuer, fliegt durch die Halle, spielt “God of Thunder” unter dem Hallendach und natürlich sein Trademark, die überlange Zunge. Vielleicht aber noch wichtiger für meinen Konzertwerdegang war weniger das, was auf der Bühne abging, als das davor geschah: Jeder dort unten konnte die Texte auswendig, ist abgegangen, hatte seinen Spaß, wusste genau, dass seine unmittelbaren Nachbarn genauso denken, und war für 2 – 3 Stunden in einer anderen, kleinen Welt. Und das war ansteckend! Ich hatte ja keine Ahnung wie man sich gebührend verhält, aber das war mir auch völlig egal, ich hampelte einfach rum, gröhlte die paar Songs, die ich kannte, mit und hatte so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Die Zeit verging viel zu schnell, und ich war danach sprachlos und euphorisiert zugleich, sehr zum Leidwesen meines Bruders, der meine neuen Erfahrungen natürlich unbedingt erfahren musste.
Ich hab schon lange keine KISS-Platte mehr aufgelegt, und naja, die Herren sind gealtert, nur haben mir die Orchestersachen zum Schluss nicht mehr wirklich gefallen (war bei Metallica übrigens auch schon so). Aber hin und wieder wird dann doch mal die Alive 1 oder 2 ausgepackt, und dann bin ich wieder da, in der Westfalenhalle, am 21. Dezember 1996…
Kiss Alive 1 & 2 gehören in jede halbwegs solide Liveplattensammlung. Neben Status Quo – Live, Thin Lizzy – Live & Dangerous, Graham Parker & the Rumours – Parkerilla und den Ramones – It’s Alive. Von den “neueren” Kiss Sachen sollte man zumindest den Unplugged MTV Auftritt haben, allein für den Szenenapplaus den Peter Criss bei Beth einheimst.
ich war auch ein großer kiss fan….
alive 1 und 2 hör ich mir aber bald wieder mal an!
gruß jo