Dienstag, 24. Juli 2007

Dude, wait… what?

New York. The Big Apple. Times Square hier, Empire State Building da, Central Park gibts auch noch, Broadway muss man auch mal gesehen haben, Ground Zero ist ja sozusagen Pflicht… wenn man als 08/15-Tourist unterwegs ist, versteht sich. Nichts für mich! Untergebracht bei einer Gastfamilie in einem Haus in Brooklyn, die Eltern nicht da, der Sohn mindestens so bekloppt wie ich, die Zeichen standen natürlich gut für eine Hausparty. Und ich bin mir sicher, in einigen Köpfen bin ich hängen geblieben…

“So, you wanna make out or what?”

Vorher sollte erwähnt werden, dass sich die meisten der Gäste nicht kannten und sich erst durch einen anderen Event in New York zusammen gefunden haben. Und die meisten von ihnen werden schon am nächsten Tag wieder abreisen. Also, Hausparty, Chicks aus aller Herren Länder, die du danach nie wieder sehen wirst… klare Sache, irgendwas muss da gehn! Bass Beer – die absolut schlimmste Plörre, die ich jemals gezwungen war zu konsumieren, Clausthaler ist wie eine Erlösung dagegen – war in Massen vorhanden, die Nachbarn waren vorgewarnt, die Anlage im Erdgeschoss lief auf Hochtouren, oben versammelte sich die Chillfraktion und tauschte neueste Kreationen im Jointbau aus, alle wurden langsam knülle, und wir spielten irgendwelche Kartenspiele, die eigentlich nur darauf abzielten, die weiblichen Partygäste knülle zu machen – was diese auch bereitwillig taten. Es lag gewissermaßen Sex in der Luft, und yeah, langsam wurde ich nervös.

“Egal jetzt, das klappt! Du hast mehr Alkohol als Barney Gumble im Blut, gerade Laufen geht schon lange nicht mehr, das mit dem Lallen fällt keinem auf, ich sag einfach ich wär aus Frankreich wenns hart auf hart kommt!” habe ich mir so gedacht und sie, also die eine, die ich seit Anfang der Party ins Auge gefasst hatte, angesprochen. “Hällooo, oll älloun here? Sätz won gräit tättuu ju häf sär, das it häf äni miiniing!?” konnte ich gerade noch zusammenkonstruieren, ob es wirklich so aus meinem Mund gekommen ist kann ich nicht sagen, ihr wisst schon, der Alkohol.

Wir kamen ins Gespräch. Glaube ich. Ich hätte ihr vermutlich auch die Gebrauchsanleitung vom meinem Videorekorder erzählen können, es hätte keinen Unterschied gemacht. Immerhin, so erfuhr ich dass sie aus San Francisco kam und wohl das ist, was man ein Surfer Chick nennen würde. Ziemlich direkt, wie sich auch nach etwa einer halben Stunde rausstelle, als sie “So, you wanna make out?” sagte. “Äh, äh, äääh… oukäi!” Wir verzogen uns ins Gartenhäuschen. Falls ich jemals wieder nach San Francisco kommen sollte…

Zu etwas späterer Stunde, vom geradeaus sehen habe ich schon lange Abstand genommen, Bass Beer hat mittlerweile sogar recht bekömmlich geschmeckt, und die Musik habe ich auch nur noch dumpf wahrgenommen, überkam mich diese Nervosität ein weiteres Mal. Also sie gesucht, straight auf sie zu – wenn man da von straight sprechen kann, ich will gar nicht wissen wieviel ich an diesem Abend zerstört habe – und ohne weitere Umschweife gefragt. “Häiiiii, wanna du it ägäiiiin?” Der skeptische Blick auf ihrem Gesicht hätte mich mißtrauisch machen sollen, ich weiss es genau. Da sie aber einwilligte und klein Jeriko etwas gegen Mißtrauen bei Surfer Chicks hat, wars mir egal. Und das Gartenhäuschen war wirklich gemütlich, das muss man mal so sagen.

“Dude, you’re on fire.”

Diese Party war es auch, bei der ich zum ersten Mal Poi Spinning gesehen habe (siehe YouTube). Jetzt kann man sich natürlich vorstellen, ich, völlig abgedichtet, Mary Jane war auch sehr nett zu mir, und dann spielt da so jemand mit Feuer vor meiner Nase rum, das dürfte ungefähr derselbe Effekt gewesen sein, wie als kleiner Windelpupser mit Riesenaugen die Waschmaschine zu beobachten. Klare Sache, das musste ich auch ausprobieren! Kann ja nicht so schwer sein, sieht alles elegant aus, und dass Feuer auch Schmerzen bedeuten könnten habe ich einfach mal verdrängt. Erst mal ein paar Trockenübungen, aha aha, yeah, gar nicht so schwer. Einmal das Ding kurz gegen die Brust gehämmert, Mist, das schöne Shirt versaut. Also Oberkörper frei. Mein Selbstbewusstwein war zu diesem Zeitpunkt größer als das Ego von Paris Hilton, die halbe Party schaut mir zu, yeah Baby! Also die Dinger anzünden, und los gehts!

Tja und ziemlich schnell kam ich auf die prima Idee, irgendwas hinter dem Rücken zu versuchen. Dazu gibt es die Möglichkeit, sowas über dem Kopf zu machen, was aber auch dazu führen kann, dass sich die Ketten verdrehen und ein ordentlicher Feuerball mit ordentlicher Wucht auf den Rücken knallt. Das allein ist nicht schlimm. Schlimm wird es erst, wenn man, so wie wir, die Pois mit allem möglichen brennbarem Zeug versehen haben – zum Beispiel einer zähflüssigen Pampe, die sich natürlich beim Aufprall löste und am Rücken hängen blieb.

“Dude, you’re on fire.”

Das wusste ich auch schon! Ein kluger, nüchterner Mensch wäre jetzt vielleicht auf die Idee gekommen, sich auf dem Boden hin und her zu rollen, um so das Feuer zu löschen. Ein nicht mehr geradeaus sehender, geradaus gehender Jeriko dagegen hielt es dagegen für angebrachter, sich selbst mit einem filmreifen Sprung in den Fischteich zu retten. Immerhin, ich hatte die Lacher auf meiner Seite. Oder lachten sie über mich? Whatever, klar denken konnte ich sowieso nicht mehr. Und halb ersoffen bin ich auch noch.

Dude, wait… what?

Und so blieb ich erstmal auf der Wiese liegen und betrachtete die Sterne, die sich in einem Affenzahn um mich drehten. Irgendwann wurde es hell, die Sterne verschwanden, ich döste ein wenig vor mich hin, bis ich vom Besitzer des Hauses geweckt wurde. Der Schädel fühlte sich an, als hätten Chuck Norris, Steven Seagal und Bruce Lee ihren Final Fight dort ausgetragen. Die Zunge hätte ich auch als Bettvorleger benutzen können, so trocken war die. Und das mit der Motorik war zu dieser Zeit auch noch nicht so wirklich ausgereift, also hielt ich es für sinnvoller, einfach liegen zu bleiben.

“Dude, you’re alright?”

“…yeah… think so…”

“So, what’s with those twins?”

“What twins?”

“Y’ know, that twins y’ had your fun with last night!”

“Dude, wait…WHAT!?

Turns out das auf der Party auch eineiige Zwillinge waren, was ich aber überhaupt nicht mehr auf Reihe gekriegt habe. Sollte ich jemals nach San Francisco kommen dürfen mir die beiden niemals über den Weg laufen…

4 Kommentare

  1. DerTim

    Oh man, was für eine Geschichte! Ich hoffe es sind keine Brandnarben übergeblieben?

  2. shubidu

    hast ja einiges durchgemacht
    aber jez ma ehrlich …die amis die ich kenne vertragen kein alkohol
    und werden eher als n deutscher touri im planschbecken liegen

  3. Jeriko

    @DerTim: Nee, das Fischwasser war da sehr hilfreich. Zum Glück.
    @shubidu: Dann kennen wir nicht dieselben Amerikaner. Die konnten trinken wie Weltmeister! Wobei das ja nicht ausschließt, dass man nicht trotzdem im Planschbecken landet…

Kommentar schreiben

SEOs brauchen es erst gar nicht probieren, Kommentare mit dem Zweck der kommerziellen Eigenwerbung (Links zu Shops, Firmen, o.ä.) sowie sinnloser Schrott werden ebenfalls als Spam markiert. Wenn ihr etwas völlig anderes beisteuern wollt, dann bitte über den normalen Kontakt.