Sonntag, 24. Juni 2007

Megacool und ultrageil!

Aus der Reihe “Eigentlich peinlich, aber hey, jeder hats getan”, eine weitere Episode aus längst vergessenen Zeiten.

Ich war so irgendwas zwischen 11 und 13 Jahre alt, könnte ich heute nicht mehr exakt bestimmen, aber es war auf jeden Fall das Alter, in dem man für gute Bücher noch nicht zu haben war, Comics a la Micky Maus aber schon wieder viel zu uncool waren, wie die Freunde auf dem Pausenhof immer wieder betonten. Es brauchte also eine Interimslösung.

Die Bravo.

BRAVO Logo

Ja, ich hab sie gelesen. Klar hab ich sie gelesen, jeder hat sie gelesen, keiner hats zugegeben und den anderen immer ausgelacht, wenn er dann doch mal dabei ertappt wurde. Mir egal. Buzzwords wie “megacool” oder “ultrageil” haben bei mir wohl ein Reality Distortion Field erzeugt, so dass ich mich jeden Donnerstag gezwungen sah, für 50 Seiten Unterhaltung 2,10 DM auf die Theke zu legen. Und jede, wirklich jede Geschichte darin hab ich geglaubt. Über Beverly Hills 90210 wusste ich vermutlich besser Bescheid als jeder andere, abgesehem vom Luke Perry Fanclub. Den Aufstieg von Take That habe ich mitbekommen. Und schlimmer noch, den ganzen Stuss habe ich auch geglaubt. Axl Rose hat Stephanie Seymour gefoppt und in seinem Video November Rain tatsächlich geheiratet. Anthony Kiedis rennt mit einer Socke über seinem Lümmel über die Bühne, und ich hab nur noch gestaunt. Erzähl es in meiner Naivität natürlich ganz stolz meinem Bruder, der mich erst für für meine Halbwahrheiten auslacht und mir dann eine Headknocker für meine Blödheit verabreicht. Naja, manche lernen es wohl nur so. Ob die Bravo wohl so etwas ähnliches wie die Bild-Zeitung für die Jugend ist?

Aber all das war nur Pillepalle gegen diese paar Seiten, auf die es Jungs im Alter zwischen 11 und 13, die sich darüber wundern, dass ihnen auf einmal Haare an den seltsamsten Stellen wachsen, ankam: The legend of the mighty Dr. Sommer Team, Wichsvorlage Aufklärungsinstanz Nummer Eins, wenn die Eltern über das Bienchen und Blümchen Stadium nie rausgekommen sind und stattdessen nur noch vor sich hinstammelten. Aha aha, so sieht das also aus. Aha aha, von Sex mit Möbelstücken ist abzuraten. Aha, so kann man also doch nicht schwanger werden. Man möge mich nicht fragen, wie die Fragen heute aussehen, ich vermute mal, ähnlich abstrus.

Nicht zu vergessen den ganzen Firlefanz, den es oftmals noch mit gab, allen voran diese Lyric-Cards zum Ausschnibbeln, Zusammenkleben und Sammeln, jede Woche zwei gerade angesagte Songs. Mein Zimmer war tapeziert mit den Megapostern, ich habe sogar irgendwann mal einen dieser Starschnitte angefangen, obwohl ich die Band – New Kids On The Block – überhaupt nicht mochte, einfach weils “total hip!” war. Die “ultracoolen Tattoos” zum Aufpappen waren mir dann aber doch zu doof.

Tja und irgendwann hat mir ein Freund eine Sodom-Platte ausgeliehen. Das war der Tag, an dem ich aufhörte, die Bravo zu lesen. Und anfing, gute Musik zu hören.

8 Kommentare

  1. Björn Grau

    Was ich echt schlimm finde an Deinem Artikel ist, dass die November-Rain-Hochzeit (mit ECHTEM Pfarrer!) mir auch immer als erstes einfällt, wenn ich an meine Bravo-Zeit denke…

  2. shubidu

    ich hab nie die bravo gelesen
    und ich weis trozdem wie sex funktioniert 8-)

  3. René

    Also ich habe mir damals immer die Bravo von meiner Schwester geklaut. :D
    Aber die Micky-Maus war damals auch quasi Abonniert…

  4. Herm

    Ich kauf die ja heute noch ab und zu, weil es einfach so dermaßen unterhaltsam ist da durchzublättern. Der Vergleich mit der BILD Zeitung passt da schon ganz gut … muss halt nicht immer ganz stimmen was dort steht und so … aber ich glaube jedenfalls das ich ohne die Bravo Tattoos heute nicht tätowiert wäre.

  5. JeriC

    Vielleicht ist die Tatsache, dass die einzige BRAVO die ich las, die Screenfun war, ein Grund dafür, dass ich keinen Sex habe ;D

  6. nicorola

    Welche Sodom-Platte war es denn? “Persecution Mania” oder “Agent Orange”?

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