Dienstag, 19. Juni 2007

Ich habs euch ja gesagt!

Das Grimme-Institut vergibt jährlich einen Online-Award in den Kategorien Information, Kultur und Unterhaltung sowie Wissen und Bildung. 2007 gabs es allerdings mehrere, na ich nenn sie mal Missgeschicke, die kein gutes Bild abgegeben haben: Zum einen wurde ein Jury-Mitglied nachnominiert, ferner hat einer der diesjährigen Preisträger ebenfalls vor längerer Zeit in der Jury gesessen und die Preisträger wurden bereits 2 Tage vor offizieller Veröffentlichung durch eine Panne bekannt. Ich lasse das jetzt unkommentiert stehen, mir gehts um was anderes:

Don Alphonso greift Stefan Niggemeier an und wirft ihm in seiner unverwechselbaren Art und Weise Seitenwechsel und eine fehlende eigene Meinung vor, weil dieser, trotz Gewinn, nun ebenfalls skeptisch geworden ist. Warum eigentlich? Ich finde es eher mutig, man hätte ja auch einfach den Preis einstreichen können und so tun, als wäre nix gewesen. Man spricht von Glaubwürdigkeit, aber macht gerade eine solcher Beitrag nicht so etwas aus? Ich kann von mir sagen, dass ich von vielen Dingen keine große Ahnung habe und froh bin, wenn mir jemand in den Kommentaren weiter hilft. Ich muss auch nicht strikt auf einem Standpunkt stehen bleiben, wenn ich Argumente bekomme, die mich nachdenklich machen – ganz im Gegensatz zu den “üblichen Verdächtigen”, denen man ein solches Verhalten sicher als verweichlicht anlasten würde, genau so, wie man es jetzt eben mit Grimme und den Preisträgern macht. Das ist diese “Ich habs euch ja gesagt!”-Mentalität, von der man nicht runter kommen würde, egal, wieviel dagegen spricht.

Glaubwürdigkeit ist schon was komisches. Eigentlich ist doch jeder Blogger glaubwürdig. Don Alphonso ist glaubwürdig im Runterziehen. Die Jungs um F!XMBR sind glaubwürdig im direkten Angriff. Johnny ist glaubwürdig, weil er sich ein ums andere Mal einer Diskussion stellt, die meist viel zu einseitig verläuft. Nerdcore-Rene ist glaubwürdig, weil ich ihm sofort abkaufe, dass er kleine R2D2′s oder Zombies auf seinem Nachttisch stehen hat. MC Winkel kaufe ich sein Lebenswerk ebenfalls ab, auch wenn es teils noch so abstrus daher kommt. Und ich, ich halte mich für glaubwürdig, weil ich das schreibe, was ich auch denke, nicht das, was jemand von mir hören möchte. Also eigentlich geht es bei dieser ganzen Glaubwürdigkeits-Debatte doch nur darum, ob Blogger A Blogger B mag – oder eben nicht. Oder?

5 Kommentare

  1. tboley

    Zar hat sich das Medium geändert, aber ich habe den Eindruck, das Teile der so genannten Blogspähre noch immer Verhaltensweisen an den Tag legen, die sie schon im Sandkasten hatte. Wer eine größere Sandburg hatte, konnte sich daraif verlassen, dass irgend ein anderer Knirps mit seiner Schaufel die Sandburg einebnet. Glaubwürdigkeit und Missgunst liegen in der selben Straße.

  2. MC Winkel

    “Das ist diese “Ich habs euch ja gesagt!”-Mentalität, von der man nicht runter kommen würde, egal, wieviel dagegen spricht.”

    Man nennt es anderswo Fanatismus, und ich habe selten Positives mit Fanatikern erlebt.

  3. rene

    Es gibt im Medium Menschen, die nutzen es, um eine Kunstfigur aufzubauen, die rumschreien darf, ohne sich um das echte Leben auch nur einen Cent zu scheren.

    Dann gibt es Menschen, die hängen ihre komplettes Leben da rein, die scheren sich nicht um Technik und Überwachung, sondern kotzen ihre Erfahrungen ins Blogs.

    Interessant ist, dass erstere Letztere darum bewundern, und dann angepisst sind, wenn sie Werbeaufträge annehmen.

    Das verstehe ich. Sehr gut sogar. Und so schizophren sich das anhört: ich lese es gerne, das geifernde Gesabber. Nur steht es der sowieso kommenden Professionalisierung nicht entgegegn, sondern bleibt Begleiterscheinung verkrussteter Anti-New-Economy-Ansichten von Leuten, die anderen Fehler nichtt zugestehen möchten und das aufgrund einer ätzenden Kunstfigur auch verbal mit militaristiscen Vokabular aufdrücken möchten.

    Anonymität ist leicht, Donnie Baby, ich würde gerne mal nen echten Text von ihm lesen.

    Stattdessem gibt es immer wieder nur Meta-Scheiß. Es wird Zeit, dass das jemand als solches bezeichnet.

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