Montag, 18. Juni 2007

Ein ganz klein wenig Realitätsverzerrung, unwesentlich.

Hostel 2 - Prädikat langweilig

Eli Roth’s Hostel 2 (Review bei den Filmfreunden) hat in seiner zweiten Woche gerade mal 3 Mio. $ eingespielt und dürfte damit schon bald aus den amerikanischen Kinos verschwinden. Und natürlich gibts laut Eli Roth einen eindeutigen Schuldigen:

However, piracy has become worse than ever now, and a stolen workprint (with uninished music, no sound effects, and no VFX) leaked out on line before the release, and is really hurting us, especially internationally. Piracy will be the death of the film industry, as it killed the music industry, and while it makes a smaller dent in huge movies like Spider Man 3, it really hurts films like mine, which have far less of an advertising and production budget.
Eli Roth

Mir platzt gleich die Hutschnur, aber so richtig. Mal völlig außer acht gelassen, dass Piraterie sicherlich auch Schaden anrichtet, sollte Herr Roth auch mal schauen, was er dazu beitragen kann: Hostel ist Schrott. Drei Studenten, zusammen mit dem IQ einer ausgebeulten Mülltonne verschlägt es in ein Kaff in der Slowakei, landen dort blöderweise in einer Folterkammer und werden von Sadisten ein bisschen auseinandergenommen. Fertig. Für Hostel 2 ersetze man “Drei Studenten” bitte durch “Drei Studentinnen”, der Rest bleibt gleich. Alles, was Hostel ausmacht sind die Folterszenen, nur lockt man einen gestandenen Horror-Fan damit nicht hinterm Ofen hervor, höchstens ein paar Teenager, die sich in den Film geschlichen haben. Gesehen habe ich beide, gelangweilt habe ich mich ebenfalls bei beiden. Die schauspielerische Qualität reicht bei beiden Filmen von durchschnittlich bis grauenvoll – zu keinem Zeitpunkt entwickelt man Gefühle mit den Opfern, und eigentlich schaut man nur noch auf die Uhr, während da vorne auf der Leinwand gerade Geschlechtsteile abgeschnitten werden. Schock? Langeweile.

Cabin Fever, den ersten Film von Eli Roth kenne ich nicht, zugegeben. Aber sich an Hostel 1 und 2 messen lassen zu müssen, das ist nicht gerade viel. Also nur rumzuheulen, wie böse doch die Piraten sind, anstatt mal die Cojones zu haben, einen richtigen Horrorfilm zu machen, mit ordentlichen Gruselszenen, vernünftigen Schauspielern, interessanter Handlung usw., also einen Film, für den es sich auch lohnen würde, ins Kino zu gehen, das ist sehr arm. Im Grunde sollte sich Eli Roth glücklich schätzen, dass der Film schon im Internet gelandet ist, ansonsten würden ihn wohl nur die allerwenigsten kennen. Aber mit Onkel Quentin im Rücken ist es ja einfach, die Klappe aufzureissen.

7 Kommentare

  1. marius

    nur weil Du beide Hostel Filme nicht gut findest, kritisierst Du Eli Roth´s Kritik an Film Piraterie? Das ist wohl mehr als nur ein wenig kurz gedacht. Mit zum Beispiel hat Hostel 1 gefallen. Und jetzt?
    Wenn mir z.B. ein Musik Album nicht gefällt, dann ist es trotzdem genauso Scheiße das Album zu klauen. Und auch wenn das vielleicht von meiner Seite aus nun wieder etwas kurz gedacht klingt, dann gilt das für mich trotzdem ganz besonders für die vielen kleinen Indie Alben und um beim Film zu bleiben, für deren Zelluloid Pendants.

  2. Julie Paradise

    Aber für den Mißerfolg nicht die gebotene Qualität sondern einzig und allein das böse Internet verantwortlich zu machen, ist und bleibt armselig.

  3. nilz

    cabin fever ist übrigens auch scheisse. ich hab hostel 1 und 2 nicht gesehen, aber mich interessiert folter auch nicht.

    ich schätze sein verleih hat ihm das eingeredet. oder seine produzenten. bequeme ausrede für alle.

  4. Alex

    wenn ein film wirklich gut ist, dann wird auch im kino einschlagen, auch trotz des bösen internets.
    mir hat hostel part eins gefallen und hab mich auch gefreut, dass es jetz nen zweiten teil gibt. aber bei aller liebe, einen so schlechten film hab ich wirklich schon lange nicht mehr gesehn. vorallem der schluß, wie scheiße war der denn? am besten war dann noch der anfang, aber der bestand ja nur aus ner rückblende. schade. die charaktere waren wirklich nicht gerade sehr einfallsreich, wenn auch sehr überraschende wechsel in den jeweiligen personen stattfanden. einfach zu wenig splattter. ein abgeschnittener penis, `n paar herumfliegende und stehende köpfe, bischen hundebisse, n kopfschuss… alles nicht der rede wert ;-)

    dann doch lieber wieder saw. wobei hier die teil zwei und drei auch nicht an den ersten rankamen. na hoffentlich wirds da wenigstens wieder im vierten teil besser.

  5. Miriam

    So recht du mit der Kritik an Eli Roth auch hast, ich fand beide Filme geil. Und ich bin kein Teenie der sich ins Kino schleichen muss. Musste mal gesagt werden, weitermachen.

  6. marius

    Wenn man beobachten muss wie ein gutes Indie Labels ums nächste wegen illegaler Downloads massive Probleme bekommt und sogar die Pforten dicht machen muss, wenn man sieht wie dadurch wirklich gute, kleine Bands, die darauf zwnigend angewiesen sind, keine Grundlage für ihre Musik mehr haben, dann ist es alles andere als armselig, genau das Verhalten dafür verantwortlich zu machen, was dafür verantwortlich ist. Da muss man auch gar nicht um den heissen Brei herum reden.
    Ein Film von Eli Roth und viele andere Filme aus ähnlichem Genre spielen nun mal naturgemäß keine Gelder wie die gut besuchten Blockbuster ein. (Und besser sind die Blockbuster deshalb auch meistens nicht) Da ist man sehr viel mehr auf zahlendes Publikum für seine Kunst angewiesen als andere.

    Ob man einen Kinofilm gut oder schlecht findet, weiß man nun mal erst wenn man ihn gesehen hat, und im Idealfall hat man dann dafür bereits bezahlt.
    Das ist anders als bei Musik, wo sich viele erst mal ein Album anhören um es bei Gefallen dann zu kaufen.
    Zu sagen “der Film ist scheisse und jetzt beschwert er sich auch noch über Film Piraterie” ist genauso als würde man sagen “das Bier schmeckt nicht und jetzt hat auch noch der Bus verspätung”.

  7. Jeriko

    marius es ist ja mitnichten eine allgemeine Kritik, es ging mir dabei ganz konkret um Eli Roth. Garden State zum Beispiel ist ein großartiger Film, ebenfalls von einem Indie Label, der aber völlig zu Recht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die er auch verdient hat.
    Hostel setzt dagegen auf einzig und allein auf den Ekel-Effekt, frei nach dem Motto “Lasst mich durch, ich bin Schaulustiger”. Auch das geht anders, Stichwort Saw. Natürlich kann ich bei einem begrenzten Budget keine absoluten Top-Titel erwarten, auf der anderen Seite kann ich doch zumindest verlangen, dass mehr dahinter ist, als das bloße Auseinandernehmen von ein paar Teenagern, und mehr ist Hostel nicht. Jetzt könnte man versuchen, da irgendeine Message reinzuinterpretieren, etwa in der Art “Die primitivsten Abgründe der Menschheit”, geht auch irgendwie, und trotzdem, betrachtet man das Ganze mal sehr sehr nüchtern, dann bleibt nicht mehr viel. Ja nicht mal als Quasi-Splatter geht Hostel durch, denn dafür nimmt er sich auch noch zu ernst.

    Subjektive Meinung, ganz klar. Aber die Zahlen zeigen auch, dass ich wohl nicht der einzige bin, der so denkt. Jetzt könnte man natürlich anfangen, einfach mal bei sich selber zu schauen, was denn da falsch lief. Oder man sucht sich einfach einen Sündenbock. Und das wars, was mich daran so ärgert: Zu denken, Hostel wäre ein großartiger Film und es liegt nur an den Raubkopierern, dass alles so schlecht lief. Ein (für mich) schlechter Film bleibt nun mal ein schlechter Film.

    Was übrigens auch weniger mit Piraterie an und für sich zu tun hat, da stimme ich dir ja zu, dass es immensen Schaden anrichtet. Und interessieren würds mich ja doch, was hat euch daran gefallen?

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